Ausgabe 302
Kolumne

Stinkbomben

Von Peter Grohmann
Datum: 11.01.2017

"Hundert Mann – und ein Befehl. Und ein Weg, den keiner will. Tagein – tagaus. Wer weiß wohin? Verbranntes Land. Was ist der Sinn?" (Freddy Quinn 1963)

Die Politik beugt Gesetze und die Bevölkerung orientiert sich an selbst gestrickten Vorstellungen von Gerechtigkeit, so sinngemäß Jens Gnisa, Chef des Deutschen Richterbunds – und sieht schwarz für die deutsche Justiz. Also noch schwärzer. Klar, erste Duftmarken im eben ausgerufenen Wahlkampf können heute offenbar nur Stinkbomben sein. Und die erwecken den fatalen Eindruck, dass der Rechtsstaat den Gefahren des Terrorismus relativ hilflos gegenüber steht. Dieser parteiübergreifende Aktionismus von Schwarzgrün bis Rotrotgelb ist das Gegenteil einer besonnenen Sicherheitspolitik – und die wäre jetzt doch viel eher gefragt. So betrachtet, ist Richter Gnisa ein Gefährder: Aber wohin abschieben? Es reicht, sagt er, und meint damit die in den letzten Jahren vielfach verschärften Vorschriften, Gesetze und Befugnisse, die dem Rechtsstaat zur Verfügung stehen. Vielleicht sollte man den Mann abhören – respektive ihm zuhören.

Politik ist allerdings kein Gesangverein Harmonie in Pliezhausen. Freddy Quinn hat das bereits 1963 erkannt, im Blick die deutschen Kameraden in der Fremdenlegion. Heute schickt unsereins frische Truppen an die Ostfront – 4000 Mann und ihre Frauen. Wir haben eben keine bessere Antwort auf den Hacker Wladimir Putin und seine Chargen, es sei denn, wir spritzen den alten Propagandasender Radio Freies Europa – Radio Liberty mit neuen Drogen. Der Sender steht in Kürze Donald Trump zur Verfügung und hat zu allen Zeiten immer nur ein Ziel: Den Hörerinnen und Hörern in den ehemals kommunistisch unterdrückten Ländern wie beispielsweise Russland, Polen, Ungarn oder die Ostzone demokratische Werte zu vermitteln und den rechten Weg zu zeigen. Und zwotens, wohl im Hinblick auf die Konzentration der Medien in immer weniger Händen, das gemeine Menschenrecht auf freien Nachrichtenzugang möglich zu machen – zur Abwehr der besonderen Demokratiegefährder.

Trösten wir uns. In 347 Tagen ist Weihachten, und am 11. Januar 2017 feiern wir den "Tag des Deutschen Apfels". Sauer macht lustig, pflegte meine Omi Glimbzsch in Zittau zu sagen, wenn ich das Maul verzog.

Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter.


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5 Kommentare verfügbar

  • Schwabe
    am 13.01.2017
    Zum Thema "Hacker Wladimir Putin"!

    Don´t shoot the messenger – Für die einen ist es ein Hackerangriff, für die anderen investigativer Journalismus

    Wissen Sie eigentlich, um was es bei den angeblichen russischen Hackerangriffen, die seit Wochen dies- und jenseits des Atlantiks die Schlagzeilen beherrschen, genau geht? Geht es wirklich um manipulierte Wahlen? Um Fake-News? Nein. Es geht darum, dass Interna der Demokratischen Partei über Wikileaks an die Öffentlichkeit kamen. Die Authentizität dieser Interna ist dabei unstrittig. Wären die Interna nicht von Wikileaks, sondern beispielsweise von der Washington Post veröffentlicht worden, würde man die ganze Sache wohl eher als Glanztat des investigativen Journalismus bezeichnen. Doch was dem Herrn geziemt, geziemt noch lange nicht dem Knecht. Also zauberte man in einem PR-Stunt „russische Hacker“ aus dem Hut und lenkte damit erfolgreich von der eigentlichen Affäre ab. Seitdem findet die gesamte Debatte in einer Parallelwelt statt und es ist unwahrscheinlich, ob unsere etablierten Medien den Ausweg aus dem Sumpf finden.
    Weiterlesen:
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=36577
  • Dr. Diethelm Gscheidle
    am 12.01.2017
    Sehr geehrter Herr Meyerholt,

    so ein Unsinn; das Lied "Wir" vom redlichen Herrn Fredhelm Quinn ist äußerst redlich. Es zeigt auf, wie redlich und verantwortungsvoll Herr Quinn und große Teile seiner Generation waren und zeigte schon damals an, wie schlimm und unredlich unsere Gesellschaft durch die unredliche Jugend und vor allem die diabolischen Hippies und 68-er werden würde. Insbesondere dieser Generation verdanken wir fast nur üble Dinge, wie z.B. die Arbeitslosigkeit fördernde sogenannte "Arbeitnehmerrechte", die Möglichkeit, sich unanständig zu kleiden (ich erinnere an die ersten Auftritte der diabolischen Grünen in unseren Parlamenten mit Turnschuhen und Wollpullover statt redlichem schwarzen Anzug mit Krawatte), und vor allem hat diese Generation diese widerliche, unhygienische und extrem ekelerregende sogenannte "Sechs"-Sache da erfunden!

    Lediglich in einer Textzeile muss ich Herrn Quinn widersprechen: Die Zeile "Wer hat sogar so ähnliche Maschen,
    auch lange Haare, nur sind sie gewaschen?" trifft selbstverständlich auf redliche und anständige Männer nicht zu - lange Haare tragen gefälligst ausschließlich Mädchen. Es wäre ja schlimm, wenn auch Männer lange Haare tragen würden, denn dann könnte die redliche Polizei die Bombenleger ja gar nicht mehr an ihren langen Haaren identifizieren. Wenn ich auf meinen regelmäßigen Streifen-Runden in meinem Wohnviertel auf langhaarige Männer treffe (einige von diesen wohnen einen Block von meiner Villa entfernt in so einer diabolischen "Kommune", die ich selbstverständlich durch eine meiner Überwachungskameras ständig im Blick habe), zeige ich diese selbstverständlich sofort als Bombenleger bei der redlichen Polizei an.

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Diethelm Gscheidle
    (Verkehrswissenschaftler & Dipl.-Musikexperte)
  • Kurt David
    am 12.01.2017
    Ich hatte noch einen Satz hinterhergeschickt, der aber offensichtlich nicht angekommen ist.
    "M. E. eignet sich "Wir" hervorragend als Hymne für Pegida, AfD und Konsorten."
  • Peter Meyerholt
    am 12.01.2017
    Quinns Song "Wir" ist ein übles, diffamierendes Lied - es drückt aus, wie der Mainstream in der BRD seinerzeit tickte.
  • Kurt David
    am 11.01.2017
    Moin,

    für mich (Jg. 1954) war "Hundert Mann ...) eindeutig pazifistisch...
    Es gibt da wohl erhebliche Differenzen zwischen dem deutschen und dem englischen Text.
    Egal, womit Freddy sich unsterblich gemacht hat, ist die Hymne "Wir" https://deutschelieder.wordpress.com/2012/12/10/freddy-quinn-wir/
    Meines Wissens damals eher unbekannt.

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