Cem Özdemir steht im Wort. Jedenfalls gemessen an seinen früheren Äußerungen, denn Baden-Württembergs Ministerpräsident hat immer eindeutig Position bezogen für den Kopfbahnhof. Zwei Mal in seiner Zeit als Grünen-Bundesvorsitzender war er Redner bei einer Montagsdemo gegen Stuttgart 21, im Februar und im August 2010. Er war Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Bundestags, vor einen Jahr im beginnenden Landtagswahlkampf rüffelte er "die ewige Salamitaktik" der Deutschen Bahn, nannte Stuttgart 21 ein "Fass ohne Boden". Und er verlangte als Regierungschef erst unlängst von der neuen DB-Chefin Evelyn Palla, "alle Karten auf den Tisch zu legen". Durchsetzen konnte er sich damit bisher nicht. Die DB will nicht liefern – der interne Revisionsbericht zu S 21, dessen Ergebnisse Palla Ende Juni nur sehr kursorisch referierte, bleibt weiterhin unveröffentlicht.
DB-Chefin Evelyn Palla und Baden-Württembergs MP Cem Özdemir. Foto: Jens Volle
Andere dagegen liefern bereitwillig und traditionell faktenbasiert. "Bei uns ist zwei plus zwei noch vier", sagt Christoph Engelhardt. Der Physiker, Initiator des Faktencheckportals WikiReal.org, zeigt seit Schlichtung und Stresstest jene Mängel des Großprojekts auf, die selbst eineinhalb Jahrzehnte später und trotz teurer Nachbesserungen nicht behoben sind. In mühevoller Kleinarbeit haben die Faktenchecker um Engelhardt nun noch einmal alles Problematische aufgelistet – nicht zuletzt für die Nachwachsenden, denen Detailwissen über das 1994 (!) öffentlich vorgestellte und heute noch immer weit von der Inbetriebnahme entfernte Unterfangen fehlt. Nico Gunzelmann beispielsweise, der jüngste CDU-Abgeordnete im neuen Südwest-Landtag, ist geboren im Dezember 2002, als für Tiefbahnhof und Schnellbahnstrecke offiziell noch läppische zweieinhalb Milliarden Euro veranschlagt waren. Aber auch in der Grünen-Fraktion sind fünf Abgeordnete unter 30.




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