Roland Muigg regt sich auf. "Das ist eine Sackgasse, hier fährt kein Bus. Das passt doch nicht." Der 56-Jährige steht vor dem Freibad an der Heilbronner Neckarhalde, zeigt auf den weißen Betonbau. Hier soll nach den bisherigen Plänen der Stadt das neue Hallenbad hin und so ein Kombibad entstehen. Denn das Innenstadtbad Soleo soll abgerissen werden. In dem Solebad erholen sich seit Anfang der 1970er-Jahren die Heilbronner:innen, Schulkinder lernen dort schwimmen. Nun soll es weg. Genauso wie die Eishalle und die Rollsporthalle. Alle drei liegen im sogenannten Hospitalgrün, einem grünen Streifen, der längs des Neckararms in die Innenstadt führt.
Roland Muigg engagiert sich für den Erhalt des Soleo-Bades.
Umgeben von alten Bäumen und langen Spazierwegen ist das Hospitalgrün eine von nicht allzu vielen Grünflächen in der Innenstadt, die nach dem Zweiten Weltkrieg vorrangig mit eher gesichtslosen Häusern mit glatten Fassaden gestaltet wurde. Erst wurde die Innenstadt bombardiert, "und die Stadt entschied sich dann nicht für Wiederaufbau alter Substanz", sagt Muigg. Der schlanke, grauhaarige Mann stockt kurz, fährt fort. "In Heilbronn wird gerne abgerissen." Er ist unruhig an diesem Mittag, muss nochmal nach Hause, bevor er zum Infostand seiner Bürgerinitiative "Soleo retten" will. Die hat bei der Langen Nacht der Demokratie auf dem Rathausplatz einen Stand, um Unterschriften zu sammeln. Für einen Bürgerentscheid, um den Beschluss des Gemeinderats zu kippen.
Mit breiter Mehrheit hat der am 27. Juli der Vorlage der Stadtverwaltung zugestimmt, das Gelände von Soleo, Rollsport- sowie Eishalle zu verkaufen und die Hallen an anderer Stelle neu zu bauen. Als Begründung wird herangezogen, es sei gut für die Stadt, wenn der Dieter-Schwarz-Campus hier Platz für Erweiterung bekommt, so würde er mehr in die Innenstadt hineinwachsen und nicht weiter hinaus. Außerdem müssten alle drei Hallen früher oder später teuer saniert werden. Der Grundsatzbeschluss sieht vor, alle drei Bauvorhaben bis 2031 umzusetzen. Insgesamt geht die Stadtverwaltung von Kosten in Höhe von etwa 158 Millionen Euro aus. Was die Schwarz-Stiftung bezahlt, sagt Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel (SPD) nicht: "Das machen wir nie." Auch die Schwarz-Stiftung hüllt sich da in Schweigen, erklärt, dass die Stadt auf sie zugekommen sei und dass die Campus-Institute stetig wachsen. Allerdings schreibt sie auf Kontext-Anfrage auch: "Konkrete Ausgestaltungs- oder Gebäudenutzungsplanungen für das Areal liegen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vor."
Kein selbstloser Mäzen
Der Lidl-Gründer Dieter Schwarz, 87 Jahre alt, ist Heilbronner und laut dem "Managermagazin" mit einem geschätzten Vermögen von 53,7 Milliarden Euro (ein Plus von 7,2 im Vergleich zum Vorjahr) der zweitreichste Mann Deutschlands. Neben Einzelhandel (außer Lidl gehört auch Kaufland zur Schwarz-Gruppe) ist Schwarz mittlerweile bekannt für die IT- und Digitalsparte Schwarz-Digits. Für den OB ist Schwarz ein Mann, der seiner Heimatstadt etwas Gutes tun will und gleichzeitig eigene Interessen verfolgt, nämlich gut qualifiziertes Personal auszubilden. Entsprechend gibt es auf dem Campus auch keine Geisteswissenschaften, die sich Mergel durchaus wünschen würde, wie er sagt.




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