Der Württembergische Kunstverein (WKV) veranstaltet am kommenden Wochenende ein Symposium, über das sich im Vorfeld einige Menschen mächtig aufgeregt haben, anderen hat es ziemlich Kopfzerbrechen bereitet, offene Briefe sind geschrieben, Schlagzeilen gedruckt worden. Die absolut verkürzte Variante der Ereignisse: Die Stadt hatte für das Symposium mit dem Thema "Zur Kritik der Freiheit und ihrer Repression in liberalen Demokratien" Fördermittel in Höhe von 15.000 Euro zugesagt. Dann zog das Symposium die Aufmerksamkeit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft auf sich. Die sah im Konzept eine Relativierung des Antisemitismus und forderte von der Stadt, die Fördermittel zurückzuziehen. Die folgte der Auffoderung – sehr zum Ärger der WKV-Direktor:innen. Dank eines erfolgreichen Spendenaufrufs kann das Symposium trotzdem unverändert stattfinden.
Im Detail sind die Abläufe dann doch etwas komplexer gewesen. So ein dreitägiges Symposium mit in ihren jeweiligen Fachgebieten mal mehr, mal weniger prominenten Teilnehmenden muss relativ lang vorher geplant, die Finanzierung sichergestellt werden. Entsprechend haben die Direktor:innen des Württembergischen Kunstvereins, Iris Dressler und Hans D. Christ, ein Konzept und einen Antrag auf Fördermittel bereits 2024 bei der Stadt, genauer beim Kulturamt eingereicht.
Nun entscheidet das Kulturamt nicht selbst über solche Anträge, also stimmt beispielsweise nicht Kulturamtsleiter Marc Gegenfurtner zu oder lehnt ab. Stattdessen gibt es für die jeweiligen Förderlinien externe Jurys. In diesem Fall ging es um die Förderlinie Philosophie. Die Fachjury prüfte das Symposiumskonzept 2024, befand es als förderwürdig und gab ihren Segen. Die Zusage über 15.000 Euro Fördermittel folgte, daraufhin konnte der WKV konkret planen und organisieren.
Das neue Konzept kam bei der Stadt nicht gut an
Am 8. Dezember 2025, also mehr als ein Jahr später, ging bei der Stadt eine neue Fassung des Veranstaltungskonzepts ein. "Diese Fassung unterschied sich vom ursprünglichen Antrag", teilt die Stadt mit. Daraufhin sei der WKV schriftlich darauf aufmerksam gemacht worden, dass die Veranstaltung inhaltlich nah an dem mit dem Antrag eingereichten Konzept bleiben solle, weil die Förderzusage der Jury für das Antragskonzept gelte. Dabei war der Hinweis: "Bei größeren Abweichungen kann die Stadt die Mittel zurückfordern." Bis dahin also noch keinerlei Aufregung, schon gar keine öffentliche, lediglich Abstimmungsversuche. Auf die Frage nach dem ursprünglichen Konzept hat der WKV bis Redaktionsschluss nicht geantwortet.




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