Oder nehmen wir den Klassiker Fußball. Jeder schwäbische Junge hat gekickt, "The normal one", also Manu, nie wirklich. Er hat Tennis gespielt und ist geritten und irgendwann dem VfB Stuttgart beigetreten. Das ist gutbürgerliches Freizeitprofil und hat nichts mit Bolzplatzromantik zu tun. Und trotzdem ist es natürlich ungeheuer lustig, wenn er beschreibt, wie er Jürgen Klopp auf dem Ulmer Bahnhof getroffen hat. Kurzversion: Auf einer Klassenfahrt 2005 hat ihn der Lehrer wegen seiner großen Gosch' aufgefordert zu fragen, ob er der berühmte Fußballtrainer sei? Klopp tätschelt ihm die Backe – wie einst die Oma – und mahnt: "Ja, immer viel Spätzle essen". Das sage viel über ihn aus, verrät Hagel bei der "Waiblinger Kreiszeitung" und alle lachen. Auch "Kloppo" hat ihn schon gemocht.
Salopp plaudert er über eine Begegnung mit Altkanzler Gerhard Schröder (SPD), die so gut passt zum "Agenda-Moment", den er fürs Land fordert und deren Details – wann hat er Schröder denn genau getroffen? Wo? Und warum? – aber im Dunkel bleiben müssen. Ebenso wie jene rund um Hagels Behauptung, der SWR habe ein Interview mit ihm nicht ausgestrahlt, weil er dabei nicht habe gendern wollen. Der Sender dementierte, und wer sich in der Medienwelt auch nur leidlich auskennt, kann bloß den Kopf schütteln über soviel "Ich mach' mir die Welt, wie sie mir gefällt".
Warum tauchen Hagels Eltern nicht auf?
Erstaunlich wortkarg, um nicht zu sagen stumm, wird Hagel nur, wenn er von den Menschen erzählen soll, die sein Mantra ("Die Familie ist das Fundament") erst vollständig werden ließen. Nicht müde wird er zu betonen, dass man wissen müsse, woher man kommt, um zu wissen, wer man ist. Es geht ihm dringlich um Identität, oberschwäbische Heimat und prägende Personen. Eigentlich müssten seine Mutter Michaela und sein Vater Rudolf dazu gehören. Beide tauchen aber in keinem seiner Lebensläufe auf.
Bei näherer Betrachtung vor Ort findet man die Herkunftsfamilie ohne Schwierigkeiten. In der Berkacher Straße im Industriegebiet betreiben sie das Sportstudio "Sport X", nach eigenen Angaben der "coolste Club" der Stadt. Inhaber ist Julian Hagel, Manuels Bruder, Vater Rudolf (Rude) firmiert als Leiter der Abteilung "Fight Club", Mutter Michaela ist Chefin der "Group Fitness". Vor fünf Jahren gratulierte der CDU-Kreisverband Alb-Donau seinem Jubilar Rudolf Hagel noch zum 60. Geburtstag.
Warum also das Verschweigen? Julian Hagel kommt an die Rezeption im "Sport X", lächelt freundlich und bittet um Verständnis, dass er keine Auskunft geben kann. "Wenden Sie sich an Manu", sagt er. In familiären Angelegenheiten spreche nur sein Bruder, so sei es vereinbart. "Ich bin nur für den Sport zuständig." Kontext fragt bei Sohn Manuel nach den Gründen. Passt Rude, der alte Rocker und Harley-Fahrer, nicht ins Familienbild? Der Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten antwortet auch auf Nachfragen nicht.
Doch zurück zum Anfang, zu "Eva", der 16-Jährigen mit den "rehbraunen Augen". Dafür ist Hagel scharf kritisiert worden, vor allem Frauen haben ihm Sexismus vorgeworfen und daran erinnert, dass Charakterfragen nicht verjähren. Und sie haben danach gefragt, ob jemand, den offensichtlich "sexuelle Sentiments umtreiben", geeignet ist, ein Land zu führen? Hagel hat gesagt, das sei "Mist" gewesen und seine Frau Franziska habe ihm den "Kopf gewaschen". Sie bringt er gerne ins Spiel, wenn es argumentativ eng wird und ein moralischer Kompass angemahnt wird. Ob es nicht besser sei, wenn seine Gattin kandidieren würde, wird dann gefragt und zugleich offengelegt: In solchen Fällen fehlen Integrität und Empathie, stehen keine Textbausteine zur Verfügung, die sich in vorbereiteten Texten so gut anhören. "Das C ist unser Kompass und unsere Wurzel" zum Beispiel. Interessant wäre nun zu wissen, ob auch Franziska Hagel mit ihrer zugewiesenen Rolle als reinigender Beichtstuhl einverstanden ist.
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