Der NSU-Untersuchungsausschuss im Mai 2015 am Tatort in Heilbronn. Fotos: Joachim E. Röttgers

Der NSU-Untersuchungsausschuss im Mai 2015 am Tatort in Heilbronn. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 226
Politik

Keiner Schuld bewusst

Von Johanna Henkel-Waidhofer
Datum: 29.07.2015
Der NSU-Ausschuss steht vor einer Zäsur. Nach der Sommerpause muss er sich endgültig dem Hauptkomplex seiner Arbeit widmen: den Ermittlungen im Mordfall Michèle Kiesewetter. Die Beurteilung des Erinnerungsvermögens ihres schwer verletzten Kollegen Martin Arnold wird dabei von entscheidender Bedeutung sein.

Christoph Meyer-Manoras ist verantwortlich dafür, dass die Heilbronner Behörden jahrelang der Phantomspur verunreinigter Wattestäbchen nachjagten. Das wäre als Aufklärerpech zu verbuchen, würde der Erste Staatsanwalt bescheidener agieren bei seinem Auftritt vor dem Ausschuss, verzichten auf Bemerkungen wie "Dass Ufos auf der Theresienwiese landen, lässt sich aus philosophischer Sicht auch nicht verneinen". Geradezu paradox ist seine Herabsetzung von Zeugen – "Die schlechteste aller Quellen, weil nicht nur Lügner, sondern zugleich Fehler, Überlagerungen und Erinnerungslücken identifiziert werden müssen" –, will er selbst als Zeuge vor dem Ausschuss doch ernst genommen werden.

Was den Abgeordneten nicht immer leicht fällt. Als Replik auf die heftige Kritik daran, dass er Kiesewetters Yahoo-Account nicht habe auswerten lassen, führt der 52-jährige seine langjährige Erfahrung an, erläutert, dass die zuständigen Behörden in den USA einem derartigen Ansinnen ohnehin nicht stattgegeben hätten: "Es gibt kein Land, bei dem ich so ungern um Rechtshilfe ansuche. Wenn die von uns was wollen, erwarten sie, dass wir springen, und umgekehrt wird blockiert." Fehler und Versäumnisse sieht er keine, dafür sich selbst gänzlich ungerechtfertigten Vorwürfen in der Öffentlichkeit ausgesetzt. Einzelne Journalisten, wie Rainer Nübel oder Ex-"Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust, nennt er beim Namen. Es gebe "keine begründeten Zweifel" an der offiziellen Version, nach der die Taten Mundlos und Böhnhardt zugeschrieben werden. Für ihn sei die "Indizienlage eindeutig", sagt Meyer-Manoras auf mehrfaches Nachfragen spitz: Die in dem ausgebrannten Wohnwagen in Eisenach gefundenen Waffen und Ausrüstungsgegenstände von Kiesewetter und Arnold, das Bekennervideo, in dem der Heilbronner Anschlag vorkommt, die Blutspritzer an der Jogginghose von Mundlos reichen ihm aus. Mehrere Abgeordnete schütteln den Kopf, einige Zuschauer murren.

Da war die Stimmung in dieser vorletzten Sitzung vor der Sommerpause eine ganz andere beim Erscheinen von Andrea Beetz. Die Psychotherapeutin und Universitätsdozentin hat eine Zusatzausbildung als forensische Hypnotherapeutin. Sie bekommt Anfragen aus ganz Deutschland, wenn Polizisten mit ihren traditionellen Techniken nicht weiterkommen. Schon Anfang der Achtziger, als auf den Fildern südlich von Stuttgart mehrere Frauen umgebracht wurden, bedienten sich die Ermittler dieser Methode. Beetz räumt ein, dass sie in der Fachwelt umstritten ist. Zugleich aber sind viele Erfolge umfangreich dokumentiert.

Martin Arnold, der monatelang im Koma gelegen hatte, wollte selbst hypnotisiert werden. In Absprache mit Familie und Ärzten war eine Legende entwickelt worden, mit der man den schwer hirnverletzten Beamten nach seinem Erwachen konfrontierte: Er habe einen Motoradunfall gehabt. Erst als sich sein Zustand stabilisiert hatte, wurde er befragt und hat dabei, wie der seinerzeit vernehmende Kollege im Ausschuss berichtet, "zusammenhängend und verständlich artikuliert", sich bruchstückhaft an Einzelheiten des Tattages, nicht aber an die Tat selbst erinnern zu können. Später berichtete er vom Einkauf beim Bäcker, und als er den Raum der "Soko Parkplatz" in Heilbronn besucht, fällt ihm die Schulung am Tattag ein, die tatsächlich im selben Raum stattgefunden hat.

Die Kollegen führen ihn auf eigenen Wunsch an den Tatort, er legt Blumen nieder. Sehr angespannt sei er gewesen, erzählt der Zeuge weiter, aber tatsächlich seien ihm neue Einzelheiten eingefallen: dass sie den Wagen – inzwischen nennt er nicht mehr einen VW-Bus, sondern einen BMW – rückwärts neben dem Trafohäuschen im Schatten eingeparkt hätten, dass sie gegessen und danach jeder eine Zigarette geraucht hätten, dass die Türen zu und die Fenster offen waren. "Nicht einmal hier hat man seine Ruhe", habe Kiesewetter noch gesagt und "Da will einer eine Auskunft". Dann habe er im Außenspiegel auf der Beifahrerseite "einen Mann gesehen, circa 20 Jahre alt". Arnolds Angaben seien, "nicht in allen Punkten objektiv nachvollziehbar", zweifelsohne habe er sich "am Tatort aber an Details erinnern können".

Immer wieder hat der rekonvaleszente Polizist in diesen Monaten Ideen entwickelt, um zu weiteren Erkenntnissen zu gelangen. Nach einem zweiten Besuch auf der Theresienwiese schlägt er ebenjene Vernehmung unter Hypnose vor. Im Juli 2008 kommt es dazu, Beetz berichtet den Abgeordneten,  wie sie Arnold in Trance versetzte, wie er anhand von Gerüchen erwähnte, eine Pizzaschnitte und Brezel gegessen zu haben. Und dann beschreibt er eine männliche Person – mit dunklen Jeans, Kurzarmhemd, schwarzen Schuhen und kurzen, dunklen Haaren. Und, erstmals, eine zweite, mit rot-weiß kariertem Hemd an der Beifahrerseite. Deren Gesicht habe er aber nicht sehen können. Die Vernehmungsbeamten werden diese Erinnerungen als "glaubhaft" einstufen, weitere Ansätze erkennen sie aber nicht. Für Beetz ist es ungewöhnlich, dass sich jemand nach einer derartig schweren Kopfverletzung detailliert erinnert. Es gebe Ärzte, die "total" gegen die Methode seien und andere, die selbst dazu greifen. Nach etwa 45 Minuten holte sie ihren Patienten zurück in die reale Welt.

Nach Arnolds Angaben wurde ein Phantombild erstellt. Es blieb genauso unter Verschluss wie die anderen 13, die erst Kontext im Juli 2013 öffentlich machte. Bis dahin hatten die Behörden den Eindruck erweckt, der Beamte könne sich an überhaupt nichts mehr erinnern. Thomas Moser und Hermann G. Abmayr zitierten dagegen aus den Akten: "'Er hatte klare und konkrete Erinnerungen an die Situation, die er sich immer wieder vor seinem inneren Auge abrief und beschrieb', hielten die Ermittler zur Erstellung des Phantombildes fest."

Christoph Meyer-Manoras hat das damals so wenig beeindruckt wie heute. Schon allein deshalb, weil die von ihm favorisierte Rekonstruktion des Tathergangs zu einem anderen Ergebnis gekommen war. "Die beiden Polizeibeamten saßen bei offenen Türen und Fenstern, ohne den Sicherheitsgurt angelegt zu haben, im Streifenwagen", heißt es in den Akten. Bei offenen Türen ist der Blickwickel auf die sich nähernden Männer aber ein anderer. "Martin Arnold bildet sich einen Täter ein, den es nicht gab", urteilt der Erste Staatsanwalt. Er selbst hätte diese Vernehmung unter Hypnose gar nicht zulassen sollen, aber "wir hatten nichts in der Hand, wir griffen nach jedem Strohhalm". Und ganz gewiss sei es richtig gewesen, sämtliche Phantombilder nicht zu veröffentlichen: "Ich beglückwünsche mich noch heute zu dieser Entscheidung."

Nicht nur zu dieser, ganz offensichtlich. Sondern auch zu jenen, die den Umgang mit Aussagen betrafen, die ebenfalls nicht zur offiziellen Tatversion passen. Der Ausschuss konnte sich in Heilbronn bei der Begehung der Theresienwiese selbst ein Bild davon machen, dass die Angaben der Zeugin W. aufgrund der örtlichen Gegebenheiten und der Entfernungen falsch sein müssen. Meyer-Manoras will dennoch glänzen – mit seinem Wissen um den 400-Meter-Weltrekord, gehalten von Michael Johnson. Der Eindruck, er habe Aussagen nicht wohlwollend betrachtet, "ist falsch", sagt er. Es klingt hochmütig. Ebenso mache nicht jeder Widerspruch Zeugen unglaubhaft. Im Falle der Aussagen, die ihm in der Öffentlichkeit immer wieder vorgehalten werden, gehe es aber um "ganz, ganz große Widersprüche". Nicht nur auf die Frage nach der Täterschaft, selbst auf die Frage der Vorgeschichte hat er eine Antwort: Mundlos und Böhnhardt hätten geplant, "Polizeibeamte bei sich bietender Gelegenheit zu töten", sie hätten sich "wahrscheinlich ein Szenario überlegt, und das war an diesem Tag an dieser Stelle für sie gegeben". Alle beschrieben Fluchtszenarien passen für ihn nicht ins Bild: "Die Polizeibeamten sind sehr gemütlich auf die Theresienwiese gefahren, sie drehen um, parken in aller Ruhe ein, packen ihr Vesper aus, rauchen; welcher Verbrecher fühlt sich dadurch in die Ecke gedrängt?" 

Nach der Sommerpause wird der Ausschuss unter anderem jenen Mediziner hören, der in seinem Gutachten zu dem Erinnerungsvermögen angesichts der schweren Hirnverletzungen die Fähigkeit ausschloss, Details des Tathergangs zu rekonstruieren. Und die Abgeordneten werden sich mit Arnolds Auftritt im Münchener NSU-Prozess befassen, wo er im Januar 2014 meinte, keine Angaben machen zu können. Da hatte er ein gut vierstündiges Gespräch mit Meyer-Manoras längst hinter sich. Der Richter: "An was erinnern Sie sich genau? Trafohäuschen?" Arnold: "Eigentlich hört es noch davor auf, es geht nur bis zum Schotterparkplatz, alles andere, wie wir geparkt haben und dass wir da geparkt haben, weiß ich nur noch aus den Tatortbildern." Ob er selbst geladen wird, ist noch nicht entschieden. Die grundsätzliche Zurückhaltung ist groß, "weil wir im Wissen entscheiden werden", sagt der Vorsitzende Wolfgang Drexler (SPD), "dass er zuallerst Opfer und nicht Zeuge ist".


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11 Kommentare verfügbar

  • Barolo
    am 05.08.2015
    @Schwabe
    danke, das sehe ich genauso wie Sie.
    Was an dem Fall Heilbronn so ins Auge sticht, ist dieser 100% Mismatch aller Spuren denen dort über 4 Jahre nachgegangen wurde zu den Uwes.
    Und das ist ja nicht die Meinung vom AK NSU Leaks, sondern die klare Aussage des Leiters der SOKO Parkplatz und die Aktenlage der kompletten 4 Jahre Ermittlung.
    Interessanterweise ist die Aktenlage bei den anderen 9 Morden ist ja auch eindeutig, nämlich Null Indizien für die Uwes.
    Da muss man nicht studiert haben um sich zu fragen: Wird hier mit Teufelsgewalt versucht einen (toten) Sündenbock zu konstruieren? Wenn ja warum? Und wer mauschelt, ausser Range, da noch alles mit? Warum stört sich der Mainstream nur an Range vs. netzpolitik.org aber nicht an seiner erfundenen Russlunge und weiteren zentraler Manipulationen unserer sogenannten Verfassungsschützer im Verbund mit dem BKA?
    Nur mit durch Berücksichtigung der Fakten kann ich Dinge beurteilen und Möglichkeiten verifizieren oder ausschliessen.
    Ideologisches Gedöns bringt bei der Suche nach Mördern keinen Erkenntnisgewinn.
  • Schwabe
    am 04.08.2015
    @Rolf Steiner
    hier geht es m.E. nicht um Verharmlosung, sondern darum, ob die Morde der rechtsextremen Szene in die Schuhe geschoben werden soll. Und das halte ich durchaus für wahrscheinlich.
  • Rolf Steiner
    am 04.08.2015
    Gut möglich, dass die "Kulissenschieber" in bestimmten Behörden ebenfalls auf dem rechten Auge nicht zufällig erblindet, sondern der Rechtsdrall von Anfang an besteht. Wenn Rechte mit dem Zeigefinger auf involvierte Rechte in den Behörden zeigen, könnte das auch darlegen, wie schizophren diese "Bewegung" ist.

    Dennoch, die Verharmlosung der rechtsextremen NSU-Mordbrenner von interessierter Seite ist deutlich zu erkennen, speziell bei NSU LEAKS & Co.
  • Schwabe
    am 04.08.2015
    @Rolf Steiner
    Für mich sieht es so aus, dass sowohl "die deutsche Politik und deren Geheimdiensttätigkeit" als auch die "rechte Szene" im Focus stehen (ich persönlich weiß nicht wen ich schrecklicher finde)!
    Unter objektiver Berücksichtigung der Fakten bin ich der Meinung das man nicht aus der "rechten Ecke" kommen muss um hier mit dem Finger auf "die deutsche Politik und deren Geheimdiensttätigkeit" als Täter zu zeigen. Wenn Sie Herr Steiner dies trozdem tun ist dies m.E. eine gewollte Unterstellung von Ihnen! Und weshalb?
  • Rolf Steiner
    am 04.08.2015
    Für mich bleiben das Mordbuben - obwohl manche Verharmloser aus der rechten Ecke dies nicht wahrhaben möchten. Warten wir den Urteilsspruch ab.

    Das von verkommenen Rechten gern gesungene Lied "In unseren Adern fließt das deutsche Blut. Wir werden aufrecht stehn mit unserem Heldenmut" bezeugt, dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit unüberbrückbare Abgründe klaffen. Die im NSU-Prozess Hauptangeklagten Zschäpe und Wohlleben haben weder Mut noch Anstand, sondern verraten durch ihr penetrantes Schweigen über diese rechtsextreme Mord-Orgie ihre eigene, verkommene Ideologie. Ich meine, dass dieses Verhalten mit Mut nichts zu tun hat, sondern eine deutlich ausgeprägte, für Nazis typische Feigheit offenlegt.
  • Barolo
    am 04.08.2015
    Mmm, also "die Mordbuben des NSU"
    Wer ist das denn?
    Die Uwes, denen man bis heute noch nicht einen einzigen Mord nachweisen kann?
    Nicht mal die einfache Anwesenheit an einem der 10 Tatorte?
    Aber an den vielen zitierten V-Männern erkenne ich zumindestens ein starkes Interesse an der Aufklärung der Todesumstände der Uwes.
    Wer sich die Mühe macht die Polizeiakten zu lesen, sollte sich also mal fragen, was für oder gegen das Dogma "Uwe Selbstmord" spricht.
    Denn wen dieser zentrale NSU-Baustein kippt, dann stehen einige Herren ohne Hosen da.
  • Rolf Steiner
    am 03.08.2015
    Manchmal stellt sich raus, hinterher, dass es nochmals ganz anders war. Ich will mich nicht an den längst dogmamtisch erscheinenden Behauptungen von irgendwelchen Amateur-Kriminalisten beteiligen.

    Die Mordbuben des NSU, die vermutlich 10 Menschenleben auf dem Gewissen haben, konnten nur mit einem breiten Unterstützerkreis aus der rechtsextremen Szene "funktionieren". Bis jetzt halten die "Waffenbrüder" dicht, aber irgendwann beginnt das Schweigen auch (Thule-Netz, THS, Thessalia, B&H, V-Männer »Treppe«, »Tobago«, »Tonfall«, »Tonfarbe«, »Tusche«, »Tinte«, »Terrier«, »Trabit«, »Tarif«, »Quelle 2100«, »Primus« usw.usw.) zu bröckeln. Ich kann abwarten, bis deutlicher wird, ob der Tod der beiden Uwes - wie von manchen behauptet - eine koordinierte Vertuschung oder tatsächlich Selbstmorde waren.
  • Barolo
    am 03.08.2015
    Die sogenannte "Rußlungenlüge" ist aber sehr leicht nachzuprüfen und Sie liefern auch schon fast alle Quellen.
    Die Ergebnisse der Obduktion hatte der Generalbundesanwalt Harald Range und der BKA Chef Ziercke bei ihrer Aussage am 21. Nov 2011.
    Und da steht eben genau das Gegenteil drin als der die Selbstmordthese stützende Russ in der Lunge.
    Harald Range, Generalbundesanwalt: Ich denke, das kann man sagen. Nach dem bisherigen Ergebnis der Obduktion ist es so, dass Herr Mundlos Herrn Böhnhardt erschossen hat und dann sich selbst gerichtet hat.
    Es gab aber nie Russ, der GBA behauptet es gibt Russ und setzt so das Märchen vom "Selbstmord" in die Welt.
    Erst als jemand den viel später erst freigegeben Obduktionsbericht angeschaut, fliegt die Lüge auf.
    Es geht also nicht um den Fall ob man mit Luftanhalten und blitzschnellem Selbsterschiessen (was für eine abstruse Vorstellung) auch ohne Russ und CO als Toter rumliegen kann, sondern um die Erfindung von Russ um einen Selbstmord, der aller Wahrscheinlichkeit keiner war, den Deutschen schmackhaft zu machen.
    Auf weitere Details, wie Schiessen ohne Benutzung der Hände, gehen unsere Genies vom BKA erst gar nicht ein.
    Und vollkommen richtig:" Es ist seltsam, daß diese sensationelle Feststellung aus dem Thüringer PUA kaum medialen Widerhall fand."
    Das ist das Erschreckendste an der Sache.
    Egal ob TAZ oder FAZ, Spiegel oder Süddeutsche.
    Alle Zeitungen haben die Akten und müssen deshalb nicht den Schlussfolgerungen des AK NSU Leaks folgen.
    Sie müssten einfach selber denken und die Unstimmigkeiten und Manipulationen konsequent aufzeigen.
    Wenn sie es täten bin ich mir sicher, das Wort Lügenpresse wäre weit weniger verbreitet.
  • Rolf Steiner
    am 31.07.2015
    Die sogenannte "Rußlungenlüge" wird von interessegeleiteten rechten Blogs bis zur Selbstaufgabe wiederholt. Ob sie stimmt oder ebenso wie viele andere Aussagen fragwürdig bleibt, kann ich nicht beurteilen.

    Laut Obduktionsbericht, den Generalbundesanwalt Harald Range im März 2014 freigab, fand sich kein Ruß in der Lunge. Als dieser Bericht durch den Thüringer PUA bekannt wurde, stellte es sich heraus, daß beide Uwes weder Ruß in den Lungen, noch CO im Blut hatten.

    "Ruß in Mundlos' Lunge" war zwar das Top-Indiz gewesen, an dem Generalbundesanwalt und BKA-Chef am 21. November 2011 ihre Theorie von Mundlos' erweitertem Selbstmord festmachten: Er habe beim Brand des Wohnmobils noch geatmet, müsse also der Schütze sein. - Es ist seltsam, daß diese sensationelle Feststellung aus dem Thüringer PUA kaum medialen Widerhall fand.

    Doch es gibt den Einwand, Mundlos könnte dennoch Feuer gelegt haben und trotzdem keine Rußpartikel in der Lunge haben. Ein Feuer erzeugt nicht zwangsläufig sofort Rußpartikel. Die Zeitspanne zwischen Brandlegung und Tod spielt ebenfalls eine Rolle.

    Mundlos kann einen Brandbeschleuniger ausgeschüttet und dann das Feuer entzündet haben. Sofort danach kann er sich erschossen haben. Da dürften dann noch keine Rußpartikel in die Lunge gelangt sein. Möglich ist es also.

    Natürlich könnte man einen anderen Fall nehmen: Bei dem im Dessauer Polizeigewahrsam am 7.1.2005 umgekommenen Asylbewerber Oury Jalloh konnten Mediziner k a u m Ruß in Lunge und Magen des Opfers finden. Zudem habe der Urin des Opfers kein Noradrenalin enthalten. "Dieses Hormon wird bei Streßzuständen sofort reflexhaft gebildet". Zu erklären sei das nur damit, "daß Oury Jalloh bei Brandausbruch bereits bewußtlos war". Niemand in Dessau wurde verurteilt, das hinterlässt schon einen üblen Nachgeschmack.

    Dazu: War der dem Nazi-Milieu entkommene Florian Heilig vielleicht schon tot, als das Auto brannte? Das ist jedoch unwahrscheinlich. Die direkt nach dem Brand durchgeführte Obduktion ergab nach taz-Informationen, dass Rauch in Heiligs Lunge war. Er atmete also noch, als das Feuer ausbrach. Ist er bei lebendigem Leibe verbrannt? Und wer war/en evtl. Täter?

    Ich glaube bis heute an keine einzige Aussage und genauso an eine der interessegeleiteten Verschwörungstheorien aus den einschlägigen Nazi-Blogs. Auch der PUA, der in BW erst unter politischem Druck zustande kam, scheint mir nicht ganz "koscher" zu sein. Aber man kann sich ja auch täuschen........
  • Tillupp
    am 29.07.2015
    Wären M. Kiesewetter und M. Arnold wenigstens Polizisten mit Migrationshintergrund, wäre es zwar nicht schön, aber glaubhafter. Aber gerade in einer Polizeieinheit mit einigen Rechtsextremen Polizisten, da schießt man nicht einfach als NSU-Bande drauflos. Es könnte ja sonst ein "Freund im Geiste" sein. NEIN-NEIN-NEIN das glaube ich alles nicht. M.K. und M.A. waren keine Zufallsopfer. Sie wurden hinterhältig aus dem Weg geräumt, und die Hinweisgeber für den Mord waren wahrscheinlich sogar Kollegen.
  • Barolo
    am 29.07.2015
    So so, der Meyer-Manoras meint "Es gebe "keine begründeten Zweifel" an der offiziellen Version, nach der die Taten Mundlos und Böhnhardt zugeschrieben werden. Für ihn sei die "Indizienlage eindeutig"
    Welche Indizien gab es denn von der SOKO Parkplatz, welche damals für eine Täterschaft der Uwes sprachen?
    Auch wenn man das heutige Wissen dazu benutzt?
    Der dritte (und letzte) Leiter der SOKO Herr Mögelein sagt doch selbst es gäbe KEINE objektiven Beweise (oder Indizien), dass die Uwes am Tatort waren.
    Und weiss der M-M etwa nicht, daß die "offizielle Version" welche dem Bundestag genannt wurde nur auf der zentralen und glatten Russlungenlüge von Ziercke und Range beruht?
    Und da diese Lüge 100% aktenkundig durch den Obduktionsbefund nachgewiesen ist, wird aus dem Selbstmord der Uwes eben ein glatter Doppel-Mord.
    Und wenn sich der M-M mal die seltsame Entstehung und Auffindung der NSU-Videovarianten anschaut, oder die tonnenweise Wiedersprüche bei den angeblichen Dienstwaffen (z.B. Waffennummer), da sollte selbst bei Betriebsblinden mehr als ein Fragezeichen auftauchen.
    Übrigens muss der Mundlos echt ein Ferkel gewesen sein. Schleppt der doch über vier Jahre eine niemals gewaschene Jogginghose mit Blutspritzer aus Heilbronn mit sich rum. Ob da wohl seine Waschmaschine kaputt war? Oder die Beate hat sich geweigert die Wäsche zu machen?

    P.S.: Es sind noch zwei Tage zum Abholen der 200 € für einen "Uwe am Tatort Beweis" :-)

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