Däumchen hoch fürs Vaterland! Foto: Screenshot der Facebookseite AfD Baden-Württemberg

Ausgabe 271
Medien

Rumänische Models fürs deutsche Vaterland

Von Elena Wolf
Datum: 08.06.2016
Da hat sich die AfD Baden-Württemberg wohl vergriffen. Auf ihrer Facebook-Seite machte sie mit hübschen Models mobil. Pech nur für die Kämpfer*innen für deutsche Identität, dass es sich dabei um rumänische Schönheiten handelte.

Beatrix von Storch tut es mit Leidenschaft. Frauke Petry sogar mehrmals täglich – und auch Jörg Meuthen oder Heinrich Fiechtner sind vorne mit dabei, wenn es heißt: twittern, facebooken, posten bis die Tasten qualmen. Lange bevor CDU, SPD oder Grüne im vergangenen Landtagswahlkampf auf den Trichter kamen, wusste die AfD die sozialen Medien zu nutzen wie Selfie-süchtige Grundschüler*innen auf dem Pausenhof. Wer mit den Social Media down ist, generiert Klicks, generiert Likes, generiert Aufmerksamkeit.

Deshalb suchte die AfD Baden-Württemberg im April 2016 nach einer flotten Bebilderung ihrer Facebookseite. Jugendliche Gesichter sollten her, die die Partei sympathisch rüberbringen. Offenbar fand sich nichts Passendes in den eigenen Reihen. Man entschied sich in den Untiefen der digitalen Bilddatenbanken für einen attraktiven, lachenden Jüngling im blauen Pulli, der zustimmend den Daumen zeigt. Mit "Lässig Frau, die ok Daumen hoch Handzeichen" (so der iStock-Titel) fand man das passende weibliche Pendant – eine bildhübsche Grazie mit glitzerndem Ohrring. Auch sie im AfD-blauen Outfit. Jetzt noch schnell beide Models zusammengefügt, das AfD-Logo daruntergesetzt, und schon fordern die beiden kessen Thirtysomethings gemeinsam auf: "Mach mit! Verändere die Politik!"

Sie wirken dabei wie zwei fröhliche Parteisoldat*innen, denen der AfD-Fun aus den Augen spritzt. Und das, obwohl den AfD-Angsthasen die Sorgen ums deutsche Vaterland aus allen Poren quillen – immerhin gilt es, die Islamisierung des Abendlandes zu verhindern, den Gender-Wahnsinn zu stoppen, der Schwulen-Lobby den Stecker zu ziehen und Wirtschaftsflüchtlinge aus Bulgarien oder Rumänien in die Schranken zu schießen, Verzeihung, zu weisen. Der "Mut zur Wahrheit" ist schließlich kein Hubba Bubba – darf aber gerne hübsch aussehen.

Models auf der AfD-Facebookseite

Agenturbilder aus dem Internet zu verwenden, ist in der PR an sich nix Besonderes. Problematisch wird es erst, wenn das Model auf dem Foto in einen pikanten Zusammenhang gestellt wird. Scheidenpilz zum Beispiel. Wenn jemand ein Bild von einem Model verwendet, "das für einen gewöhnlichen Betrachter wenig schmeichelhaft oder über Gebühr kontrovers wirkt (wie etwa Geschlechtskrankheiten)", muss laut der Bildagentur iStock angegeben werden, "dass die Inhalte nur zur Veranschaulichung verwendet werden" und "es sich bei allen ggf. in den Inhalten abgebildeten Personen um Models handelt." Auch bei anderen Agenturen ist es nicht gestattet, Bilder für Pornografie oder politische Unterstützung zu verwenden. Wie die AfD zur Pornografie steht, wissen wir nicht. Dass die beiden Models auf der AfD-Facebookseite jedoch für politische Unterstützung herhalten, ist offensichtlich.

Doch es kommt noch doller: Die AfD-Grazie mit dem glitzernden Ohrring kommt nämlich aus Rumänien, heißt Carla Caucean und vertrat 2014 als Miss Romania ihr Land beim Finale des Schönheitswettbewerbs "Miss Model of the World" in China. In der Bildergalerie ihrer Facebookseite platzt sie fast vor Stolz über ihr heiß geliebtes Rumänien, das sie mit der Startnummer 46 weit weg von zuhause vertreten durfte. "Rumänien, ich liebe Dich [Herz]." Caucean ist auf Reklame around the globe zu sehen. Macht Werbung für Parfümerien, Shoppingcenter und Fitnessstudios oder landet als Schmuckbild in der rumänischen Cosmopolitan oder auf Buchcovern von Groschenromanen. Nun halt auch bei der AfD.
Der fesche AfD-Boy neben ihr ist Adi Ene. Auch er ist – Jesses! – Rumäne. Er ziert Zahnpasta-, Sonnenbrillen-, Friseur- oder Mobilfunkwerbungen national wie international. Sogar der Blutspendedienst vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Baden-Württemberg/Hessen ruft willige Spender*innen mit Adi Ene als DRK-Gesicht dazu auf: "Plasma spenden – Hoffnung schenken!" Es ist exakt das selbe Bild, mit dem die AfD für mehr Mitglieder mobil macht. Thumbs up!

Wie es zur Auswahl der Models kam, konnte Anastasija Koren von der AfD-Landesgeschäftsstelle Kontext nicht erklären. Auch nicht, weshalb die Fotos an keiner Stelle als Agenturfotos gekennzeichnet sind und damit wirken wie Knipsereien aus den eigenen Reihen. Die Bilder kämen von einem anderen Landesverband. Man werde die Sache jetzt prüfen. Aber warum nicht ein paar Rumän*innen kaufen, wenn sie so schön günstig sind? Bei Fotolia etwa werden für rund zehn Euro aus Carla Caucean und Adi Ene AfD-kompatible Kerschdins, Rennades, Siggis oder Horschds. "Damit Baden-Württemberg Heimat bleibt."

Dass seine rumänischen Models für die "Alternative for Germany" werben, juckt den rumänischen Fotografen Viorel Sima wenig. Als Power-Seller stellt er über diverse Bildagenturen online rund 23 000 Bilder zur Verfügung – auch viele von Caucean und Ene. Mal in feinen Abendkleidern, mal in lässigem Businessaufzug. Mal mit Sektglas, mal mit Brille. Mal sexy und mal bieder. Und eben auch mal in blauen Oberteilen mit gereckten Daumen. "Wenn sie [die AfD] die Bilder gepostet hat, heißt das, dass sie die Lizenz zur Nutzung hat", schreibt der Fotograf an Kontext. Er sei sich sicher, dass alles okay ist. Die beiden Schönheiten haben auf die Kontext-Anfrage nicht geantwortet. Also: Daumen hoch, liebe AfD, alles richtig gemacht.

Schade nur, dass es keine feschen deutschen Jungs und Mädels für die Pflege der deutschen Leitkultur gab. Egal, jetzt hat man das Problem ultimativ gelöst: Seit vergangenen Freitag dürfen die rumänischen Models nicht mehr auf der AfD-Facebookseite posen. Das Bild wurde gelöscht. Dabei handelte es sich laut Koren doch nur um "zwei freundliche Menschen, die für die AfD geworben haben".


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9 Kommentare verfügbar

  • Rolf Steiner
    am 11.06.2016
    Pure Heuchelei - dieses Antanzen der AfD bei anders als "rein germanisch" Aussehenden. In Wahrheit wollen diese auch dort zu findenden, sich mehr und mehr zu Faschisten generierenden Blut-Deutschen einfach nur gefällige Bilder, um sich für die Augen von Verblödeten als "liberal" dar zu stellen. So werden die AfD-Wähler im Nachhinein nochmals betrogen.
  • Peter Wellenhofer
    am 10.06.2016
    Was hat die Elena Wolf gegen Rumänen, speziell gegen hübsche Rumäninnen? Warum versteckt sie ihre eigene Fremdenfeindlichkeit hinter der AfD, welcher sie das unterstellt und welche das ja gerade nicht ist, wie sie nicht nur mit der Auswahl der Models, sondern auch mit einer großen Zahl von Mitgliedern beweist, welche migrantischen Hintergrund besitzen.
    Meine Frau ist Chinesin und war gestern wieder einmal als mittlerweile wohlbekannter und gern gesehener Gast bei einer Veranstaltung von Dr. Frauke Petry.
  • Adam Elnakhal
    am 09.06.2016
    Zeitungsartigel mit Genderstar - peinlich, peinlich!

    Ehm, warum keine rumänischen Models? Die AfD hat sogar Mitglieder mit Migrationshintergrund. Auch Juden gibt es in der AfD (gewiss nicht ohne Grund). Die AfD ist gewiss nicht die Nazipartei, die ihre Gegner gerne aus ihr machen würden, um so außerhalb des demokratischen Parteienspektrums zu stellen. Wahrheit tut eben weh, wenn man sich in der Lüge verfangen hat.
  • Insider
    am 09.06.2016
    Die Süddeutsche greift auf KONTEXT zurück und schreibt:Die linke Wochenzeitung Kontext hat bei der AfD Baden-Württemberg nachgefragt, ob sie sich eigentlich der Nationalität ihrer zurechtgeshoppten Anhängerschaft bewusst war und warum sie nicht als Stock-Material markiert worden waren. Die Antwort: Die Bilder stammen von einem anderen Landesverband, man werde den Sachverhalt prüfen. Auf der Facebookseite ist das Bild mittlerweile nicht mehr auffindbar.
  • Karl
    am 09.06.2016
    Wenn man sich die rumänische Öffentlichkeit mal so anguckt, dann ist die Forderung, "die Islamisierung des Abendlandes zu verhindern, den Gender-Wahnsinn zu stoppen, der Schwulen-Lobby den Stecker zu ziehen" fast schon Konsens.

    Sogar gegen "Wirtschaftsflüchtlinge aus Bulgarien oder Rumänien" gibt es in Rumänien eine Aversion - da die Romas/Tiganis den Ruf Rumäniens in aller Welt 'ruinieren' (Slogan Romas are not Romanians).

    Wenn man sich die social media accounts der beiden Modelle so anguckt, dann ist die Wahrscheidnlichkeit recht groß. dass sie durchaus (den im Artikel unterstellten) AFD-Positionen nahestehen (vermutlich sogar noch wesentlich schärfer fassen würden)
  • Peter Panz
    am 08.06.2016
    mit der weiblichen Form gibt es doch noch ein paar Probleme, oder?

    Schwulen- und Lesben-Lobby muss es selbstverständlich heißen.
  • Peter Panz
    am 08.06.2016
    Liebe Redaktion,
    da wurde die weibliche Form vergessen. Bitte korrigieren: AfD-Angsthasen*häsinnen
  • Gabi
    am 08.06.2016
    Im Landesvorstand der AfD Schleswig-Holstein sitzt der Schwarzafrikaner Achille Demagbo. Das ist doch auch kein Problem für die AfD. Was ist eigentlich die Botschaft des Artikels?

    http://www.kn-online.de/News/Nachrichten-Politik/Aktuelle-Nachrichten-Politik/AfD-Vorstandsmitglied-Achille-Demagbo-mit-afrikanischen-Wurzeln
  • Blender
    am 08.06.2016
    Rumänische Models waren vielleicht billiger, wer weiß. AfD-ler haben auch solange nichts gegen Ausländer, wie sie sich für's "Herrenvolk" instrumentalisieren lassen, oder auch, wenn diese Ausländer im Ausland selbst nationalistisch sind und gegen demokratische Strukturen oder die Pressefreiheit agitieren.

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