Wortspieler: Anti-Pegida-Demonstranten in Stuttgart. Foto: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 259
Zeitgeschehen

Völkisches Erwachen

Von Mario Damolin
Datum: 16.03.2016
Wenn in Sachsen-Anhalt die AfD zweitstärkste Partei ist, wenn im sächsischen Bautzen ein geplantes Flüchtlingsheim brennt und Schaulustige hämisch lachen, wundert sich unser Autor nicht. Im Osten hat er den Hass auf alles Fremde schon 1974 erlebt.

Sommer 1974. Mit Joachim, dem Pianisten unseres Jazzquintetts, erstmals eine Reise in den unbekannten Ostblock. Ein Abenteuerurlaub. Von Heidelberg über Pilsen nach Prag. Vier Tage in der "goldenen Stadt" auf der Suche nach Jazz: Reduta, Malostranska Beseda, Viola; Jirí Stivin und seine Gruppe im Jazzkeller; viele tschechische Oppositionelle, Studenten, Boheme. Der "Prager Frühling" ist gerade sechs Jahre vorbei und, wie mir scheint, die Lage nur oberflächlich ruhig. Viele politische Diskussionen, die Neugierde auf den Westen, die Hoffnung auf Demokratie. In Heidelberg propagieren im selben Moment die Maoisten den "Sieg im Volkskrieg" überall.

Im Studentenwohnheim Jura Hronca in Bratislava lernen wir zwei Studenten aus Cottbus kennen. Gleich nach den ersten Minuten des Kennenlernens ziehen sie, wie getrieben, verbal vom Leder – sozusagen als sofortige Erkennungsmarke gegenüber den Studenten aus dem kapitalistischen Westen. Sie ätzen über ihren Scheißstaat, die beschissenen Produkte dort, vor allem Autos, den Sozialismus, die Funktionäre, das ganze Leben in der DDR – das ist noch verständlich. Aber dann: Hetztiraden gegen die vielen "Fidschis" und "Kanaken" in ihrem Land, gegen die Menschen in den restlichen Ostblockstaaten, alles nur minderwertige Gestalten, die ihnen nicht das Wasser reichen könnten. Von diesem "Gesocks" könne man sich nur auf radikale Weise distanzieren. Sie repräsentierten schließlich das deutsche Volk, auch wenn es leider noch in zwei Staaten zu leben gezwungen sei. Wir sind das deutsche Volk, so ihr Tenor. Und wir sind nicht die Einzigen, die so denken. Es sind viele, sagen sie.

Mein Kumpel Joachim, Schwabe und immer bedächtig und ausgleichend, versucht, die beiden etwas von ihrem chauvinistischen "Flow" herunterzuholen. Ohne Erfolg. Denn jetzt geht es erst richtig los. Wir kommen aus einer bundesrepublikanischen Situation, in der die NPD Wahlerfolge feiert, rechtsradikale Bürgerwehren Jagd auf Langhaarige und "Kommunisten" machen, und wir treffen hier in Bratislava auf zwei junge DDR-Bürger, die weit über all dies hinausgehen. Sie präsentieren eine Gedankenwelt, in der die NPD nur ein liberaler Kompagnon wäre. Neonazis pur. Mir klingeln die Ohren. Auf so etwas sind wir nicht vorbereitet. Ratlosigkeit.

Wir schweigen und ziehen von dannen, lassen uns ein neues Zimmer geben. Joachim ist irritiert, später verwundert er sich darüber, dass so etwas in der DDR "erlaubt" sei. Ich beschließe in meinem Zorn spontan, im slowakischen Studentenwohnheim, mit "diesen Idioten und Nazis" keine wie auch immer geartete Wiedervereinigung gutzuheißen oder gar aktiv zu unterstützen. Denn, so meine Überlegung, Probleme mit solchen Leuten haben wir im Westen genug. Später auf der Reise durch Ungarn, am Balaton, erleben wir in Restaurants, wie DDR-Bürger die Bedienungen schikanieren und sich als Herrenmenschen aufspielen. Das ist auch dem konservativen schwäbischen Spießbürger mit seiner Familie am Tisch nebenan ziemlich unangenehm, er übt sich im Fremdschämen. Ostblock 1974.

"Wir sind das Volk" war nie unschuldig

Februar 2016 im deutschen Fernsehen. Ein CDU-Politiker empört sich darüber, dass bei einem Brandanschlag auf ein geplantes Flüchtlingsheim im ostdeutschen Bautzen eine Menge johlend die Flammen begrüßt, ausländerfeindliche Parolen grölt und dann: "Wir sind das Volk." Der Politiker bezichtigt den rassistischen Mob, diese Parole von der friedlichen Revolution in Deutschland 1989 "geklaut" zu haben.

Das ist eine Theorie von Einfaltspinseln, denn diese Parole musste nicht geklaut werden. Sie war nie unschuldig, nie rein und allein in demokratisch-humanistischen Weihwassern getauft. "Wir sind das Volk" – das war von Anfang an ein Schlagwort, das auch die Abgrenzung gegenüber anderen mit sich trug, ein Slogan, in dem sich auch chauvinistische, rassistische und rechtsradikale Mentalitäten in nicht geringem Umfang verbargen. Wie übrigens ebenso der so vehemente und fiebrige Wunsch nach der D-Mark auch Ausdruck einer chauvinistischen Absonderung vom restlichen und minderwertigen Währungsschrott der ehemaligen Bündnisstaaten war. Jetzt war man etwas Besseres. Bei jeder Montagsdemo in Leipzig oder sonst wo marschierten Ende der 80er-Jahre diese Mentalitäten auch mit, skandierten: "Wir sind das Volk." So gesehen sind die rassistischen Ausschreitungen von heute auch die Fortführung dieses völkischen Erwachens von damals.

Diese Erbschaften der DDR werden uns noch weiter verfolgen. Spätestens seit Bautzen jedoch, Februar 2016, hat die Parole "Wir sind das Volk" ihren Heiligenschein verloren. Denn tatsächlich: Sie alle, sie sind auch das Volk. Und nicht zu vergessen: "Wir sind das Volk" ist das Motto der deutschen Wiedervereinigung. Pegida aus dem Osten, Jahrgang 2014, die "patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" treffen sich heute mit den Nachkommen des rassistischen "Heidelberger Manifests", Jahrgang 1981, als im Westen über Überfremdung und "Auslöschung des deutschen Volkes" geschwafelt wurde. Motto damals: "Europa den Europiden."

Jetzt haben sich beide gefunden, die Demo geht weiter – "wiedervereinigt".


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11 Kommentare verfügbar

  • Michael Wenk
    am 30.03.2016
    "Kaum ein Satz wird von RechtsextremistInnen in der Konfrontation mit AntifaschistInnen häufiger zitiert als der Ignazio Silone zugeschriebene Satz.

    Der Satz findet sich in Nazi-Foren wie etwa thiazi oder der rechtsextremistischen „Weltnetzenzyklopädie“ Metapedia“ wie auch in Reden und Presseaussendungen von FPÖ-PolitikerInnen (z.B. Kickl und Gudenus) wieder und wird völlig unhinterfragt als Angriff gegen jene genutzt, die sich als AntifaschistInnen bezeichnen.

    Mit dem Zitat von Silone, einem antifaschistischen Widerstandskämpfer mit bewegtem Leben im Spannungsfeld, aber auch in der Schnittmenge von Kommunismus und Christentum, machen sich RechtsextremistInnen selbst keine Freude: Das Zitat ist nicht belegbar (es wurde Silone zehn Jahre nach seinem Tod lediglich zugeschrieben) und kontextlos."

    Quelle: http://www.stopptdierechten.at/
  • Johannes V.
    am 30.03.2016
    Zu Michael Wenk

    Es gibt in Deutschland eine sehr spezifische dümmliche Art des Antifaschismus (vor allem auch in der ehemaligen DDR praktiziert). Offensichtlich gehören sie dieser Fraktion an. Sie denunzieren mich als "Freisler" - und die Redaktion lässt das noch durchgehen. Wissen sie eigentlich, wer Freisler war, sie delirierender "Anti-Faschist"? Wo in meinen Leserbriefen ist ein "Freisler-Duktus" zu finden? Zu ihnen fällt mir nur noch der italienische Schriftsteller Ignazio Silone ein (ein echter Anti-Faschist): "Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: „Ich bin der Faschismus.“ Nein, er wird sagen: „Ich bin der Antifaschismus.“
  • Michael Wenk
    am 29.03.2016
    @ Johannes V., 25.03.2016 18:01

    Eigentlich widerstrebt es mir, Leuten zu antworten, die sich anschicken, in so eine Art Freisler-Duktus und -Ton zu verfallen. Sie müssen entschuldigen, aber diesen Eindruck habe ich.
    Dennoch...

    - Zum Thema 5:1

    "[...]Nach den Untersuchungen des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin und des Zentrums für historische Forschung in Potsdam waren 54 Prozent aller Mitarbeiter ab Referatsleiterebene zwischen 1949 und 1970 früher Mitglieder der NSDAP gewesen; im Juli 1961 waren es sogar 66 Prozent. Im Innenministerium der DDR waren es 14 Prozent, ein vergleichsweise geringer Wert[...]" (FAZ [!] vom 5.11.2015)

    66:14 ~ 5:1 (genau 4,714285714:1)

    - Zum Thema Erscheinungsformen

    Fällt mir eine alte Bauernregel ein: "Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht Dasselbe." Könnte man bei Gelegenheit auch mal drüber nachdenken ;-)

    - Der Unterschied zwischen "strukturell" und "individuell" scheint Ihnen nicht ganz klar zu sein. Oder aber - schlimmstenfalls: Er ist Ihnen klar, jedoch wollen Sie ihn bewusst verwischen.

    - "[...]Kann es sein, dass viele NSDAPler viel lieber aus dem Osten in den Westen flohen, weil sie mehr Angst vor den Russen hatten als vor den Amis[...]" -Hier kommen Sie der Wahrheit möglicherweise doch noch auf die Schliche, bravo! Nicht stehenbleiben, weiter & zu Ende denken!

    - Damolins hier im Beitrag geäußerte Vermutung, dass der 1989/90 verwendete Slogan "Wir sind das Volk" vor allem etwas Völkisches meinte, ist ziemlich evident absurd. Dass antiemanzipatorische, nationalistische und rassistsiche Gruppen diesen Slogan heute kapern und ihn brüllen wie weiland die mörderisch gestimmte Meute "Sieg Heil!", hat Ursachen, welche sicherlich und nicht zuerst in der verblichenen DDR zu suchen sind; siehe 5:1, siehe Unterschied zw. Struktur und Individualität.

    - Einer Ihrer Links ist kaputt (http://www.damolin-medien.de/pdf/Europiden.pdf)
  • Johannes V.
    am 25.03.2016
    Zu Michael Wenk

    Hier bitte etwas Literatur:

    http://www.horch-und-guck.info/hug/archiv/2000-2003/heft-44/04403-vollnhals/

    http://www.amazon.de/Entnazifizierung-ehemaliger-Nationalsozialisten-soziologisches-Zeitgeschichte/dp/3860646141

    Ich verstehe den Artikel von Damolin übrigens so, dass dort nicht die Gründe von Rassismus erörtert werden sollen, sondern die Erscheinungsformen und vor allem die darin formulierten Parolen, die doch erstaunliche Parallelen haben. Eine kurze Internetrecherche fördert zutage, dass Damolin offensichtlich schon in den 80er Jahren über Rassismus publiziert hat (http://www.damolin-medien.de/pdf/Europiden.pdf). Und schließlich Herr Wenk: Was soll das mit Ihrer ebenfalls nicht belegten These, dass das Verhältnis von Altnazis West/Ost 5:1 betrage? Ist der Osten womöglich "genetisch" nicht so rassistisch wie der Westen? Oder welche Erklärungsmodelle gibt es für diese oszillierende Quantifizierung? Kann es sein, dass viele NSDAPler viel lieber aus dem Osten in den Westen flohen, weil sie mehr Angst vor den Russen hatten als vor den Amis (die tatsächlich den Nazi Gehlen in sein BND-Amt hievten)? Fragen über Fragen Herr Wenk - bitte fundiert beantworten. Wenn möglich mit Literaturverweisen.
  • Michael Wenk
    am 24.03.2016
    @Johannes V., 23.03.2016 17:46

    "Gibt es keine Literatur darüber, wie Altnazis in den SED-Strukturen zum Teil bis zum Ende der DDR fröhlich existierten?"

    Das Verhältnis von Altnazis West/Ost beträgt zahlenmäßig etwa 5:1. Wobei im Osten kaum nenneswerte bis keine relevanten strukturellen Übernahmen aus dem NS-Staat - wie etwa beim heutigen BND (ehemals "Organisation Gehlen", davor "Fremde Heere Ost") - stattgefunden haben.
    Vom Justizapparat ganz zu schweigen.

    Auf welche Literatur beziehen Sie sich? Nachvollziehbare Quellenangaben erwünscht.
  • Johannes V.
    am 23.03.2016
    Es ist schon seltsam, welch wirre Gedanken Menschen haben, die vorgeben, den "guten" Sozialismus (=solidarische/soziale Einstellung) zu vertreten, wie Schwabe. Und auch die merkwürdigen Thesen von M. Wenke, die sich zum Teil ja widersprechen, gehören zu einem Weltbild des Nebulösen,wenn er etwa davon redet, in der alten BRD habe der Faschismus/Rassismus "in den Strukturen überlebt", während er "im Osten dies eher in den Köpfen tat". Hallo aufwachen! Gibt es keine Literatur darüber, wie Altnazis in den SED-Strukturen zum Teil bis zum Ende der DDR fröhlich existierten?
  • maguscarolus
    am 22.03.2016
    Links und Rechts und BRD und DDR und Querfrontqualm, der alles Vernebelnde.

    Woher nur kommt der Glaube, dass "das Deutsche Wesen" sich nach 1945 schlagartig irgendwie aufgelöst hätte – vielleicht durch einen allgewaltigen Demokratiespray der siegreichen Alliierten?

    Dabei war doch spätestens während der Adenauer-Ära für jeden, der es sehen wollte klar, dass Deutschland nicht nur de jure sondern de facto der Nachfolgestaat der Hitlerei war.

    Und weshalb sollte es in der DDR anders gewesen sein? Mag sein, dass dort etwas ernsthafter "entnazifiziert" wurde, oder wurde nur eine STASI an die Stelle der GESTAPO gesetzt? Im Westen durften wir ja auch lernen, wo die "Dienste" mental stehen.

    Demokratie ist in Deutschland eine dünne Tünche, die im wesentlichen aus dem relativen (empfundenen) Wohlstand der Mittelschicht in Westdeutschland bestand. Jetzt blättert die Tünche ab und in der DDR war sie vielleicht sowieso schlecht aufgebracht, und jetzt wundern sich die "Eliten", dass darunter der gleiche alte braune Dreck zum Vorschein kommt, auf dessen Mitläufertum die Nazis eine 12-jährige Schreckensherrschaft aufbauen konnten.

    Geschichte wiederholt sich nie? Na, wer weiß ...
  • Schwabe
    am 18.03.2016
    Vielen Dank Michael Wenk für den Versuch der Differenzierung.
    Insbesondere des Ausspruchs "Wir sind das Volk" bzw. die kleine aber feine Unterscheidung dazu "Wir sind ein Volk" und der Verwendung des Ausspruchs von unterschiedlichsten Gruppen an unterschiedlichste Adressaten.

    Der Artikel macht auf mich den Eindruck als wolle er Fremdenfeindlichkeit, Sozialismus sowie damit einhergehend eine linke (soziale/solidarische) Einstellung in einen Topf werfen. Hierbei wird der stalinistische Sozialismus in der DDR - was nichts anderes als eine Diktatur (abgehobene Bürokratie) darstellte - mißbraucht um den Begriff des Sozialismus - in Abgrenzung zum vermeintlich guten Kapitalismus - weiter zu diskreditieren.
  • Michael Wenk
    am 18.03.2016
    Ich kann diese Beobachtungen aus eigenem Erleben bestätigen: Ja, das war z.T. so in der DDR. Nur sitzt man einem fatalen historischen Irrtum auf, wenn man meint, daraus einen Vergleich dergestalt konstruieren zu können, dass es dieser spezifische DDR-Rassimus ist, mit dem man es heute in Dresden oder Sachsen-Anhalt zu tun bekommt.

    Andersherum gefragt: Wie erklärt sich denn dann der spezifisch alt-bundesrepublikanische Rassimus? Als etwa von Moskau oder von Stasi-Schläfern ferngesteuert?

    Man kann mit Recht viel Schlechtes, Schlimmes über die DDR sagen und berichten. Aber es wäre schlicht falsch und würde den Blick auf das, was ist, verstellen, die maßgeblichen Ursachen für das Aufbrechen des gegenwärtigen Rassismus - auch im Osten - hauptsächlich darauf zurückführen zu wollen.

    Vielmehr sollte man sich, wenn man darüber berichtet, seriöserweise die Frage stellen, wieso solche rassistischen, völkischen Haltungen in der DDR - trotz des sehr wohl ernst gemeinten Versuchs einer strukturellen Überwindung der Nazizeit, einer viel radikaleren Entnazifizierung im Gegensatz zur alten Bundesrepublik - sich so lange halten konnten.

    Solche völkischen Thesen aus dem Osten, wie sie hier in diesem Beitrag kolportiert werden, waren (und sind) immer auch Ausdruck einer tiefen sozialen Irritation, eines Massenminderwertigkeitkomplexes gegenüber bspw. den reicheren und freieren "Stammesbrüdern und -schwestern" aus West-Elbien seinerzeit (und heute) - und eines daraus resultierenden, mickrigen Selbstbewusstseins. "Nazikram" im Osten zu äußern war ein äußerster Tabubruch, eine "Mutprobe". Radikaler und deutlicher konnte man sich seinerzeit nicht in Opposition zum real existierenden System positionieren.

    Der 89-iger Slogan "Wir sind das Volk!" war im Übrigen als Begleitung eines emanzipatorischen Aktes und als solcher als konterkarierende Replik auf den offiziellen Anspruch des SED-Staates gemeint. Viele wollten seinerzeit keine Wiedervereinigung. Darum ging es den Meisten nicht. Sie wollten Reisefreiheit und ein Ende der dümmlichen und schlecht begründeten Bevormundung. Das änderte sich schlagartig, als die Mauer sich öffnete und Helmut Kohl mit der D-Mark wedelte. Ab da skandierten man (zuerst in Dresden; im "Tal der Ahnugslosen" ohne Westfernsehen): "Wir sind ein Volk!" Das ist zwar nur ein Unterschied von drei kleinen Buchstaben. Aber er markiert den Anspruch zwischen gesellschaftlicher Emanzipation und feudalistisch geprägter Unterordnung.

    Den jetzigen Rassismus kann und sollte man nicht - und schon gar nicht den, der in den alten Bundesländern inzwischen wieder salonfähig geworden ist und der offensichtlich in den Strukturen der Alt-Bundesrepublik erfolgreich überwintert hat - mit demjenigen gleichsetzen, wie er hier im Beitrag beschrieben wird.

    Ich könnte mir vorstellen, dass man nach seriöser und genauer Überlegung zu dem Schluss kommt, dass der Rassismus/Faschismus in der alten Bundesrepublik ursächlich in den Strukturen überlebte, während er im Osten dies eher in den Köpfen tat. Beides ist schlimm. Aber es ist eben auch ein wesentlicher Unterschied, den es zu beachten gilt. Sonst zieht man die falschen Schlüsse, um die alten, immer gleichen Fehler gleich noch mal zu machen. Das aber nutzt letztlich nur den alten und neuen braunen Ideologen.
  • Schwabe
    am 18.03.2016
    Diesen Artikel halte ich für äußerst schlecht und für brandgefährlich! Von einem aufrichtigen Plädoyer gegen Fremdenfeindlichkeit ist dieser Artikel meilenweit entfernt (sofern er es überhaupt sein will). Was ist los mit Euch Kontext?!
  • christoph linge
    am 17.03.2016
    ehrliche worte, danke dafür.
    die sache mit "linker" "völkischkeit" ist aber nicht mit der ddr zuende.
    der aktuelle überproportionale wählershift von "linker" zur afd zeigt, dass das holz, aus dem man geschnitzt ist, wohl vom selben baum kommt.
    durchaus mit vorgeschichte:
    «Junge Sozialisten ! Tapfere Kämpfer für die Nation : die Kommunisten wollen keinen Bruderkrieg mit den Nationalsozialisten !», so der kpd-chefideolioge neumann anfang der 30-er jahre als gastredner bei den nazis.
    wer lust hat, hier gibt`s mehr davon:

    https://www.fischundfleisch.com/rully/manche-meinen-lechts-und-rinks-koenne-man-nicht-velwechsern-17134

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