So viel Platz: Akademiegarten in Stuttgart. Da kann man doch ein Konzerthaus draufbauen, meint der Verein Aufbruch Stuttgart. Foto: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 312
Kultur

Die unheiligen Apostel

Von Dietrich Heißenbüttel
Datum: 22.03.2017
Aufbruch Stuttgart nennt sich ein neuer Verein. Mit Wieland Backes sucht er nach Visionen für die Kulturmeile, und verfolgt dabei doch auch eigene Interessen. Viele Menschen haben ein ganz anderes Problem: Woher nehme ich eine bezahlbare Wohnung?

Ex-Moderator Wieland Backes gibt die Gallionsfigur. Auf einen Gastbeitrag in der "Stuttgarter Zeitung", Mitte Dezember, folgten im Februar wöchentlich neue Ankündigungen, bis sich am 7. März der Verein gründete: Aufbruch Stuttgart! "Für die Stadt, von der wir träumen." Das klingt gut. Nur: Wer ist "wir"? Und: Träumen alle dasselbe? Wovon träumt der Verein?

"Es ist allenthalben zu greifen, Stuttgarts Bürger sehnen sich nach einem ambitionierten Zukunftsbild ihrer Stadt", schreibt Backes, der einst die SWR-Talkshow "Nachtcafé" mitbegründet hat und bis 2014 moderierte. Stuttgart brauche dringend eine Vorstellung, was es künftig sein wolle. Kunstmuseum und Hospitalhof seien rare Ausnahmen, denen "architektonische Katastrophen in Gestalt zweier Shopping-Malls" gegenüberstünden. Backes fährt fort: "Und die Wüstenei der S-21-Baustelle lässt die bange Frage aufkommen: Wie wird das hier wohl später einmal aussehen?"

Von solchen Fragen fühlten sich viele angesprochen, als der Ex-Fernseh-Moderator am 16. Februar im überfüllten Hospitalhof mit Cornelia Ewigleben, Chefin des Landesmuseums, dem Opernintendanten Jossi Wieler, dem Architekten Arno Lederer und dem früheren Ulmer Baubürgermeister Alexander Wetzig unter dem Titel "Von der PS-Meile zum lebendigen Kulturviertel" über die so genannte Kulturmeile diskutierte: also die Straßenschneise B 14, die seit den 1960er-Jahren die Stadt auseinanderdividiert.

Kulturengagiert, überparteilich und mit eigenen Interessen

Der Erfolg der Veranstaltung zeigt, wie sehr dieses Dauerthema vielen Stuttgartern unter den Nägeln brennt. Allerdings ist der Verein, gegründet nach eigenen Worten von "zwölf kulturengagierten Stuttgarter Bürgerinnen und Bürgern" als "unabhängige, überparteiliche und gemeinnützige Initiative, die den Visionen und Plänen für eine einladende, lebenswerte und menschengerechte Stadt eine Plattform gibt", nicht frei von eigenen Interessen.

Backes war von der Opernsanierung ausgegangen und hatte eine Interimsspielstätte zwischen Schauspielhaus und Schillerstraße angeregt, die später einmal als Konzerthaus dienen könne. Dies dürfte Felix Fischer, dem Managing Director des SWR Symphonieorchesters, das den Konzertsaal anschließend nutzen könnte, gefallen haben. Und natürlich dem Opernintendanten Jossi Wieler, der wie sein Kommunikationschef Thomas Koch ebenfalls zu den zwölf Aposteln des lebenswerten Stuttgart gehört. Denn die Oper möchte sich gern in Richtung Schillerstraße ausdehnen und ihre Interimsspielstätte in nächster Nähe behalten.

Das einzige Problem: Zwischen Staatstheater und Schillerstraße steht das Königin-Katharina-Stift. 1818 von der Zarentochter Katharina als Eliteschule für Mädchen gegründet, lehrten dort einst Eduard Mörike und Gustav Schwab. Im kommenden Jahr feiert das Gymnasium seinen 200. Geburtstag. Der heutige Bau ist dann 115 Jahre alt. Kürzlich wurde er komplett restauriert, um den Erschütterungen der benachbarten Großbaustelle standzuhalten.

Die zwölf "kulturengagierten Bürgerinnen und Bürger" befinden sich ausnahmslos in Führungspositionen, und ihr Kulturengagement ist zumeist hauptamtlicher Art. Christiane Lange, die Direktorin der Staatsgalerie, hat die Stadtautobahn immer direkt vor der Nase. Das Büro des Architekten Arno Lederer arbeitet derzeit an gleich zwei Projekten an der Kulturmeile: der Erweiterung der Landesbibliothek und dem Umbau des Wilhelmspalais zum Stadtmuseum.

Sich auch für das Umfeld dieser Bauten einzusetzen, ist ehrenwert. Doch die Diskussion um die B 14 ist alles andere als neu. Werner Sobek, auch er einer der zwölf, hat zuletzt 2006 einen kleinen Abschnitt der Straße überdeckelt, gedacht als erste Ausbaustufe für einen längeren Tunnel. Leider müssen seither die Fußgänger, die früher von der Landesbibliothek aus auf einem Steg die Straße überqueren konnten, zweimal minutenlang auf grünes Licht warten, wenn sie auf die andere Seite wollen: immer auf Nasenhöhe mit den Abgasen. Denn der Fußgängersteg wurde im Zuge der Arbeiten abgerissen.

In Ulm wurde die Stadtautobahn zum Boulevard

Sobeks Tunnellösung ist nicht unumstritten. Alexander Wetzig hat etwa zur gleichen Zeit in Ulm vorgemacht, dass es auch anders geht. In der "Neuen Mitte" stehen nun auf der früher stadtautobahnartigen Neuen Straße ein Kaufhaus, eine Sparkasse und eine Kunsthalle. Der Verkehr schlängelt sich darum herum. In Stuttgart gibt es seitdem ein Patt: Die einen wollen den Tunnel, die anderen einen Cityboulevard, und solange es zu keiner Entscheidung kommt, rollt der Verkehr weiter wie gewohnt.

Dabei hatte Jörg Schlaich, der Meister der Fußgängerstege, bereits 2002 eine viel einfachere Lösung vorgeschlagen: viel billiger als ein Tunnel, fußgängerfreundlicher als ein Boulevard. Nicht umsonst hatte James Stirling, der Architekt der Neuen Staatsgalerie, den Eingang eine Etage über die Straßenschneise gelegt. Von der promenadenartigen Terrasse vor dem Museum wollte Schlaich einen breiten Fußgängersteg hinüber zur Oper legen. Nur der Gemeinderat sagte njet: kein Geld.

Während sich an Schlaichs Vorschlag aber kein Mensch mehr erinnert, zögert die Stadt verständlicherweise schon aus finanziellen Gründen, die Straße komplett zu versenken. Und den Verkehr wie in Ulm in die Schranken zu weisen – das geht vielen Befürwortern der grenzenlosen Mobilität auf den eigenen vier Rädern zu weit. Es ist nicht zu erkennen, woher der Verein hier den Impuls zu einem neuen Aufbruch nehmen will.

Stattdessen bricht er ein weiteres Tabu, indem er über eine Bebauung des Akademiegartens nachdenkt: ein historischer Ort, schließlich stand hier einmal die Hohe Karlsschule, an der Friedrich Schiller studierte, bevor er vor der Tyrannei Herzog Carl Eugens das Weite suchte. Fischer, Sobek und Wieler wollen sich keine Denkverbote auferlegen lassen und bringen ein Konzerthaus wie die Hamburger Elbphilharmonie ins Spiel. Die Kostenexplosion ist vergessen: Auf ein paar hundert Milliönchen wird es ja wohl nicht ankommen.

Drängende Frage: Wie wohnen?

Viele Menschen in Stuttgart, die mit der Stadtplanung genauso unzufrieden sind, aber keine Direktorengehälter verdienen, haben sehr viel prosaischere Probleme. Nicht nur Geringverdiener, auch Bezieher mittlerer Einkommen suchen vergeblich eine bezahlbare Wohnung. Darum ging es auf einem Symposium des Städtebau-Instituts der Universität Stuttgart unter dem Titel "Wie wohnen?". Auch bei dieser Veranstaltung am Hospitalhof war der Saal voll: Das Thema bewegt viele, nicht weniger als die Kulturmeile.

Früher zogen die Menschen aus der Stadt hinaus, um sich ein Häuschen im Grünen zu bauen, sagt der Architektursoziologe Gerd Kuhn, heute weichen sie dem Druck, denn in der Stadt ist kaum noch etwas zu finden. 100 000 Wohneinheiten müssten nach Auskunft des Regionalverbands in der Region Stuttgart bis 2030 neu entstehen, in der Landeshauptstadt allein mehr als 18 000. Wo sollen sie gebaut werden? Reicht eine Nachverdichtung in den Zentren oder braucht es neue Wohngebiete auf der grünen Wiese?

Axel Fricke vom Stadtplanungsamt, der die Strategie der Stadt Stuttgart erläutert, hält Innenentwicklung aufgrund der topografischen Enge für "nahezu alternativlos". Der Stadtplaner Daniel Schönle, Mitorganisator der Tagung, meint dagegen, die Flächen im Innenbereich würden nicht ausreichen, um ausreichend Wohnraum zu schaffen. Er setzt darauf, "das Verhältnis von Stadt und Landschaft neu zu verhandeln", also die Natur in die bebaute Umgebung hineinzuholen, und hat einige Beispiele parat, wie sich dies bewerkstelligen ließe.

Die Wartelisten im Wohnungsamt werden immer länger

Fricke behauptet, Stuttgart sei mit Wohnungen "statistisch nahezu vollversorgt" – zeigt dazu allerdings die Luxuswohnungen auf dem Dach des Einkaufszentrums Gerber. Es fehlt aber an preisgünstigen Wohnungen. Auf eigenen Grundstücken, so Fricke, fördert die Stadt mittlerweile 80 Prozent der Wohnungen, davon sind drei Viertel Sozialwohnungen. Was er nicht sagt: Die Wartelisten im Wohnungsamt werden trotzdem immer länger. Und es fallen so viele Sozialwohnungen aus der Mietpreisbindung wie neu gebaut werden.

Kuhn fordert daher eine langfristige Belegungsbindung und dass die Stadt Grundstücke bevorratet, um preisgünstig bauen zu können. Um zu zeigen, wie das funktioniert, hatten die Organisatoren extra den Wiener Stadtforscher Robert Temel eingeladen, denn in Wien ist der überwiegende Teil der Wohnimmobilien in städtischer Hand. Die Stadt Wien vermietet und baut selbst, und doch sind die Aufwendungen geringer als in manchen anderen europäischen Staaten.

Der Titel des Symposiums "Wie wohnen?" verweist auf die Weißenhofsiedlung, die hundert Jahre danach Ausgangspunkt einer neuen Internationalen Bauausstellung (IBA) werden soll. Was läge also näher, als sich bei der IBA auf das Wohnproblem zu konzentrieren, ganz gewiss eines der drängendsten Themen in Stuttgart? Zumal Stadt und Region, die gemeinsam die IBA 2027 austragen wollen, dabei aufeinander angewiesen sind.

Es soll eine Innovations-IBA werden, keine Krisen-IBA, hieß es im Plädoyer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart. Nun, man muss nicht von Krise reden, aber der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist auf jeden Fall ein massives Problem. Der Verkehr auf der B 14 hängt damit zusammen: Wenn mehr Menschen ins Umland ausweichen, nimmt er weiter zu, es sei denn, die Stadt investiert noch viel mehr als bisher in den öffentlichen Verkehr. Und vom Fahrrad auf der Kulturmeile spricht niemand, auch nicht die zwölf Apostel des Vereins Aufbruch Stuttgart. Der Drahtesel ist wohl nicht ihr bevorzugtes Verkehrsmittel.

Grund und Boden sind zum Spekulationsobjekt verkommen. Wenn die Preise jährlich um bis zu 15 Prozent steigen, wird Wohnen unbezahlbar: nicht nur zur Miete, auch im Eigentum. Die Frage "wie wohnen?" liest sich da wie eine Luxusfrage an diejenigen, die sich das noch aussuchen können. Viel entscheidender ist die Frage, unter die das Netzwerk Stadtlücken seine monatlichen Termine im Theater Rampe gestellt hat: "Wem gehört die Stadt?" Beim letzten Mal ging es um die IBA. Die Diskussion möchten die jungen StadtplanerInnen am 20. April fortführen.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!

12 Kommentare verfügbar

  • Jupp
    am 27.03.2017
    Na prima ...
    Jetzt haben wir es also wieder geschafft, von einem kleinen städtebaulichen Thema auf globale Missstände und Bankenbillionen etcpp zu kommen.
    Super.
    Nicht mal die Farbe einer einzigen Parkbank könnte man hier diskutieren ohne sofort in vorbeigekommene Grundsatzdiskussionen abzudriften.

    Setzen . Sechs.
    Jetzt alle wieder zurück zum Thema:
    Stellt euch vor , wir leben in einer ganz anderen Welt.
    Die Schwarzen wären im Ländle schon lange abgewählt.
    Wir hätten einen Grünen MP.
    Und noch absurder: Einen Grünen OB.
    Verrückt? Macht euch einfach mal frei und lasst der Phantasie freien Lauf:

    Und ihr geht 2017 mit diesem OB spazieren.
    Er sagt euch, dass er als Bürgermeister von 0,0075% nicht die Welt verändern und nicht die Zeit zurückdrehen kann (s21).

    Aber er möchte dem Bereich um den Landtag und Staatsgalerie mehr Lebensqualität geben. Und fragt euch um Rat.
  • CharlotteRath
    am 27.03.2017
    @Kornelia:
    „Und gibt es eigentlich Statistiken wieviel Volkseigentum in den letzten 20Jahren von hinten durchs Auge in Privateigentum gewaschen wurde?“

    Ein aktuelles Beispiel: In dieser Woche will die Große Koalition das Gesetz verabschieden, das eine Privatisierung der Autobahnen einleitet.
    "...Der Wert der Straßen wird auf rund 100 Milliarden Euro geschätzt. ... Am Ende steht eine Aktiengesellschaft, dann gilt das Aktienrecht und es gibt für das Parlament keine Chance mehr diese Monstergesellschaft zu überwachen. Das bewertet der Bundesrechnungshof ähnlich. In einer internen Präsentation steht: Nach vier Jahren ist nur noch Wandlung in eine Aktiengesellschaft möglich. Das Parlament müsste dieser nicht zustimmen. Das staatliche Monopol würde auf Private übergehen. Bisher kritisierten die Rechnungsprüfer fast ausnahmslos vergleichbare Privatisierungen als nachteilig für die Steuerzahler. Wie praktisch daher: Im Gesetz zur Errichtung einer Infrastrukturgesellschaft sind bisher keine Prüfungsrechte für den Bundesrechnungshof vorgesehen. … dass schon zur Gründung der Infrastrukturgesellschaft staatlich garantierte Renditen in Form der Zinsen auf Kosten der Steuerzahler an Konzerne fließen."
    http://www.berliner-zeitung.de/politik/geheime-gutachten-zur-maut-deutsche-autofahrer-muessen-kraeftig-fuer-autobahnen-zahlen-26243034-seite2

    "... Auch über die Rendite habe man sich bereits Gedanken gemacht. "Wenn wir Eigenkapital einsetzen, erwarten wir schon etwa sieben Prozent, bei riskanteren Investments auch mehr." http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/allianz-versicherung-wuerde-in-deutsche-autobahnen-investieren-a-995595.html

    Würden unsere Justizminister mal mit dem gleichen Eifer an einer Erweiterung der Liste strafbarer Vermögensdelikte arbeiten wie an ihrem Popanz Fake News ...
  • Kornelia
    am 24.03.2017
    Die Geschichte des Systems21:
    Zuerst haben Leute in der künstl. Spielbank Milliardenn gescheffelt.... dieses Plastikgeld (man geht von einem mehrstelligen Billionenbetrag aus) muss nun in harte Währung umgewaschen werden!

    Mutter Natur, die ihre Ware umsonst zur Verfügung stellt und Michels Volksvermögen bieten sich an, da der Rest als schützenswertes Privat gilt....
    Ist Ihnen schon aufgefallen, dass vom GG14 (https://dejure.org/gesetze/GG/14.html) nur die Rede ist, wenn es um Rothschilds Eigentum oder Albrechts Besitz geht, aber nie wenn es um Volkes Besitz geht?
    "Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen."
    ...aber das ist nur die unbedeutende Geschichte der noch unbedeutenderen Demokratie.....

    Jetzt wird also Geld gewaschen was das Zeug hält..... In Stuttgart, in der besten Lage da, ja da können sogenannte Investoren (keiner kennt sie, Namen sind nur Schall und Rauch!) ihr Plastik- und Spielbankerwartungsgeld in Beton und Boden um-waschen....

    Nun gibt es die Juppschen Rückwärtsgewandten die ernsthaft denken manches Rückwärts ist Fortschritt21, also müssen diese humanen Huckel umgangen werden!!!

    Obwohl Schuttgart21 schon größtenteils betoniert und die Weichen für die Piech'schen gehobenen Wohnformen gestellt wurden, die Lebendbewohner immer mehr durch die Durchreise- und 2./3. Bettbeleger verdrängt werden.... reisst man jetzt eine IBA vom Zaun!!!
    Das ist als wenn eine Mutter massiv Zeit, Kosten und Beratung damit verwendet das optimale Windelsystem zu finden.... obwohl ihr Kind gerade Führerschein macht!

    IBA bedeutet viel pompös, viel "Kultur", viele VIPs, viele Experten.... Das was des Königs recht ist muss ja den neuen Potentaten erst recht, oder?

    Das Schutt geplagte Menschlein wird nun von mehreren Seiten darauf vorbereitet, die Investoren mit roten Teppichen und Hurra-rufen zu empfangen: hier die Cloud-Macher, dort die Wirtschaftswaisen, daneben die embeddeten Kulturler (wusste auch Könix schon!), noch danebender die InterimsPolitstatisten und alles garniert von der Presse und fun events!

    Backes Aufbruch ist nur eine der Strategien, die Volkswerte in Privatwerte umzuwandeln!

    GESTALTUNGSBEIRAT STUTTGART
    Der neue Stuttgarter Gestaltungsbeirat hat sich am Montag, 23. Januar 2017, konstituiert.
    Informationen: www.stuttgart.de/stadtplanung/gestaltungsbeirat
    Die weiteren Sitzungstermine des Gestaltungsbeirats sind am 30. Mai, 18. Juli, 19. September und 14. November.

    Ach ja: die Fußbevölkerung wird weiterhin an einigen Belustigungen teilnehmen dürfen, aber dann ..... ignoriert oder weggedrängt!
    http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.gentrifizierung-in-s-mitte-das-forum-fliegt-aus-dem-hospitalviertel.5ad09038-0fb7-4e9b-9382-1f5be92b9416.html

    Und gibt es eigentlich Statistiken wieviel Volkseigentum in den letzten 20Jahren von hinten durchs Auge in Privateigentum gewaschen wurde?
  • Jupp
    am 24.03.2017
    Mein Herz geht auf. Hier wird nicht nur über die Vergangenheit oder Gegenwart gschimpft. Nein, es wird tatsächlich über die Zukunft nachgedacht!

    Und ich bin vollkommen bei Frau Rath :-)

    Was soll ein Fussgängerstegle?
    Wir haben doch die Blaupause in Stuttgart. Wir müssen nicht nach M schauen. Geht ans Leuze und spaziert in den Park. Vorbei an den Sprudlern. Trinkt ein lecker Bierchen im Flora&Fauna und schlendert um den See.

    Kein Mensch merkt in dieser Oase, dass zehntausende Fahrzeuge unter einem durchfahren.

    Das gleiche an der Kulturmeile. Natürlich ohne See.

    Auf geht's: Zukunft denken. Nicht Gegenwart schimpfen.
  • Horst Ruch
    am 23.03.2017
    ....a propos "Stegle". Das ist es gerade was W.Backes angesprochen hat: Think big.
    Stirling hatte nicht umsonst die Planung für die Erschließung der Staatsgalerie und Musikhochschule auf einer höheren Ebene angeordnet, somit die (Teil) Überdeckelung vorgemacht, aber das war schon 1980. Zu dieser Zeit waren gläserne Strukturen noch nicht "in".
    Denn eine Untertunnelung kam nicht nur aus Kostengründen in Frage, sondern aus der Zwangsempfehlung- um es einmal vorsichtig zu beschreiben- der "sparsamen" schwäbischen Abgeordneten, deren Verbindungstunnel zum Landtagsgebäude just in der Höhe dann hätte umgebaut werden müssen, weil dieser unter der jetzigen Fahrbahn verlief/verläuft.
    Letztendlich erklärt dies mehr, als alle Spekulation, warum seit 40 Jahren immer der Schwarze Peter hin und her gereicht wurde.
    Logisch ist aber die Stadtteilverbindung vorzugsweise für Fußgänger auszubauen und das wäre zumindest eine Teilüberdeckelung
    Somit kann für die Abgeordneten der Tunnel bleiben, die sonst tatsächlich ein "Stegle" erhalten würden.
  • CharlotteRath
    am 23.03.2017
    Fußgängerstegle ... eine echt schwäbische Lösung.

    München hat sich einen Park gegönnt, um zwei voneinander getrennte Stadtteile über eine große Straße hinweg zusmmenzuführen:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Petuelpark

    Mit einer solchen Lösung würden nicht nur die städtebaulichen Sünden der Vergangenheit wieder gut gemacht und die Kulturmeile aufgewertet, sondern auch einen Beitrag zur Feinstaub-Reduzierung geleistet werden (und die Abwärme im Tunnel ließe sich auch noch nutzen).
  • Bruno Neidhart
    am 23.03.2017
    Selbstverständlich bräuchte Stuttgart in dieser Kulturecke einen Fußgängersteg. Möglichst als breite Grünbrücke. Dies hat weder mit Sozialwohnungen, noch mit Kitas zu tun. Es ist eine andere, ebenso stadtbildende Ebene.
  • Wolfgang Jaworek
    am 22.03.2017
    Fake und Statistik

    Der Kommentator "Dr. Gscheidle" ist wohl eher ein "Feikle" (Verkleinerung von Fake). Aber ernsthaft: Die Einhegung der freien Verfügungsgewalt der Immobilieneigentümer durch Baurecht, Denkmal- und Mieterschutz entspricht der verfassungsgemäßen Gemeinpflichtigkeit von solchem Eigentum, das nicht unbegrenzt verfügbar und herstellbar ist.

    Besser gefällt mir da die Analyse von Charlotte Rath: Man kommt der Wirklichkeit und damit den Handlungsmöglichkeiten näher, wenn man mit dem Finger nicht nur auf die anderen, sondern auch auf sich selbst zeigt: Solange die Quadratmeteransprüche pro Person ständig steigen (bezahlbar?), gilt leider der gleiche Zirkelschluss wie beim Verkehr: Je mehr Straßen um so mehr Autos.
  • Dr. Diethelm Gscheidle
    am 22.03.2017
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    das Wohnungsproblem ließe sich relativ einfach lösen, wenn wir den im deutschen Wohnungsmarkt vorherrschenden Sozialismus endlich abschaffen würden!

    Wenn man als redlicher Vermieter sein Haus oder seine Wohnung vermietet, ist man sein Eigentum de facto los - man hat einen Mieter darin sitzen, den man praktisch so gut wie nicht mehr heraus bekommt. Dies kommt annähernd einer Enteignung der Wohnungsbesitzer gleich - Sozialismus pur!

    Und ich kann Ihnen sagen, dass ich hier "gebranntes Kind" bin, denn die letzten Mieter des Hauses meiner verstorbenen Eltern haben sich als extrem unredlich erwiesen (z.B. haben sie ekelhafte Unzucht im Haus meiner keuschen Eltern getrieben, böse und gewaltverursachende Krachmusik gehört und sogar amoklaufverursachende Schieß-Spiele gespielt - da ich bei der Vermietung glücklicherweise einen Nachschlüssel zurückbehalten habe, konnte ich dies und noch weitere Unredlichkeiten bei einer heimlichen Wohnungskontrolle feststellen). Natürlich habe ich diesen unredlichen Leuten sofort gekündigt - nur hat irgendein Sozen-Richter deren vollkommen unberechtigter "Kündigungsschutzklage" recht gegeben, und auch meine Verdreifachung der Miete, die ich hilfsweise durchgeführt habe, ebenfalls abgelehnt! Wie Sie sehen: Am Wohnungsmarkt herrscht Sozialismus - ein Vermieter kann über sein Eigentum nicht mehr verfügen, wenn er es einmal vermietet hat. Glücklicherweise ist es mir mittels eines redlichen "Moskito"-Apparates (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/The_Mosquito - üblicherweise setze ich dieses Gerät ein, damit ich im Garten meiner Villa gemütlich entspannen kann, ohne den Lärm irgendwelcher Blagen ertragen zu müssen), den ich heimlich im Keller meines Elternhauses installiert habe, gelungen, diese unredlichen Mieter loszuwerden, da sich deren Kind im Haus durch dieses Gerät extrem unwohl fühlte. Nun werde ich das Haus erst dann wieder vermieten, wenn ich ein keusches und redliches Rentner-Ehepaar gefunden habe, damit mir so etwas nicht mehr passiert! Solange steht das Haus leer und damit nicht dem Wohnungsmarkt zur Verfügung! Wenn dadurch der Wohnraum in meinem Heimatdorf knapp wird und die Mieten daher steigen, dürfen Sie sich gerne bei den sozialistischen Vermieter-Enteignungs-Gesetzen dafür bedanken!

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Diethelm Gscheidle
    (redlicher, freundlicher und gerechter Vermieter, Verkehrswissenschaftler & Dipl.-Musikexperte)

    P.S.: Von Stuttgart-21-Gegnern lasse ich mir sowieso nichts mehr zum Thema "Wohnungsnot" erzählen - die haben das Wohnraum-Schaffungs-Projekt "Stuttgart-21" schließlich bekämpft und sind daher offenbar dafür, dass der Wohnraum knapp bleibt und die Mieten steigen!
  • Zaininger
    am 22.03.2017
    Leute mit Luxus-Einkommen kümmern sich halt um Luxus-Probleme der Stadt. Und wer zahlt deren überdurchschnittlich hoch subventionierte Vergnügungen?? Eben!!
    Diejenigen, die mit (noch) durchschnittlichem Einkommen eine bezahlbare Wohnung suchen.
  • Horst Ruch
    am 22.03.2017
    ....zunächst einmal bitte die Diskussions-Teilnehmer korrigieren. Statt der erkrankten Ulrike Groos, war die gut gelaunte Frau Dr. Ewigleben eingesprungen, deren Funktion als Leiterin des Landesmuseums immerhin eine halbwegs Vergleichbare ist, wie die des Kunstmuseums, wenn man von Lage des alten Schloßes absieht, das 300 m näher an dieser Autobahn der Stuttgarter "Kultur" beheimatet ist. Da Wieland Backes zum "Aufbruch" aufgerufen hatte, mit dem Schwerpunkt "Kultur"-Meile, hat es natürlich keinen Sinn gemacht, sich über den "bezahlbaren"Wohnungsmarkt oder fehlende Kita-Plätze auszulassen. Bei allem Ressentiment solche "hehren" Ziele in den Mittelpunkt einer Stadtentwicklung zu stellen, sind solche Denkanstöße zumindest wichtiger, als die eigens zur Investorensuche beauftrage "Wirtschafts"Förderin Ines Aufricht nach Cannes auf die MIPIM zu schicken. Dort wo die Stadt ihre Flächen zu Höchstpreisen an das 5.te oder 6.te Supereinkaufsparadies zu verscherbeln gedenkt.
    Oder sollten gar Investoren angelockt werden die sich als "Sponsoren" für die gewünschte neue Konzerthalle zum Festpreis auf, im oder unter dem "Rosenstein" ihr Duftmarke für die nächste Generation zu setzen gedenken?
    Der "Aufbruch" war zumindest "ein Wink mit dem Zaunpfahl", an den OB mit seiner selbstgerechten Stadtplanungsgesellschaft der Stadträte eine neue Richtung vorzugeben.
  • CharlotteRath
    am 22.03.2017
    Bauen, bauen ...
    Ungebremst steigen die Quadratmeterzahlen, ob Einzelhandelsfläche pro Einwohner (Stuttgart belegt einen Spitzenplatz, allerdings nicht bei der Umsatzrendite bezogen auf die Fläche, dafür jedoch als Staumetropole), Bürofläche pro Einwohner, Wohnfläche pro Einwohner.

    Wenn sich der Stuttgarter Kessel nicht weiter aufheizen soll - was er bei einer Steigerung der umbauten Gebäudevolumina auf der Gemarkung unweigerlich tun wird - sollten auch an andere Instrumente herangezogen werden:

    Wie wäre es z. B. mit einer breit angelegten städtischen "Wohnungsbörse", mit deren Hilfe es älteren Menschen, genauso wie werdenden Familien erleichtert wird, einen Wohnungs- (oder Haus-)tausch vorzubereiten?
    Ein solches Modell könnte auch Selbständigen und Kleingewerbetreibenden helfen (Geschäftsaufgaben, Gründungen und Betriebserweiterungen).
    Bisher kümmert sich die Wirtschaftsförderung - finanziert aus Steuermitteln - bevorzugt um Großbetriebe (denen auch von gewerblichen Maklern gerne geholfen würde).

    Ein Bauflächenmanagement-System hat die Stadt. Wann folgen das Wohnungs- und Gewerbeflächenmanagement?

Neuen Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochvormittags unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.JETZT ANMELDEN

Letzte Kommentare:
















Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!