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NSU: Maulkorb für Drexler

Wolfgang Drexler, der Vorsitzende des ersten und des zweiten NSU-Untersuchungsausschusses im Landtag, soll seine massive schriftliche Kritik am ARD-Film zum Mord an Michèle Kiesewetter vorerst nicht wiederholen. Der frühere SPD-Fraktionschef und Landtagvizepräsident hatte die Produktion, die am Montag ausgestrahlt wurde und für die der SWR mitverantwortlich zeichnet, als "grob falsch, unsachlich und anstößig" bezeichnet. Jetzt liegt der Landtagsverwaltung ein mehrseitiges Schreiben eines Rechtsanwalts vor, in dem Drexler zur Unterlassung etlicher Aussagen aufgefordert wird.

Drexler hatte sich per Pressemitteilung nach der Trauerfeier zum zehnten Jahrestag des Terroranschlags geäußert. Auf dieser habe er Kollegen getroffen, die wie er selbst den Fernsehbeitrag "mit Bestürzung" verfolgt hätten. Ein Punkt von vielen: Es sei suggeriert worden, die Polizistin habe selbst Heroin konsumiert und sei davon abhängig gewesen. Das verstoße "nicht nur gegen das Gebot journalistischer Sachlichkeit", sondern sei gerade zum jetzigen Termin "unpassend und für die Angehörigen belastend, wie etwa die ebenfalls verwendeten Bilder der grausam Ermordeten im Badeanzug". Er halte "derartige gänzlich unbewiesene Anwürfe für grob anstößig". Für Heroinkonsum hätten sich in der "intensiven mehrjährigen Aufklärungsarbeit" keine Hinweise ergeben.

Als "ähnlich perfide" bezeichnet der frühere Landtagsvizepräsident und SPD-Fraktionsvorsitzende die Versuche, "trotz ausführlicher Widerlegung, unmittelbare Kontakte zu Rechtsextremen zu unterstellen". Zudem irritiere, "dass die Verfasser sich offensichtlich nicht die Mühe gemacht hätten, die Protokolle oder wenigstens die Abschlussberichte der Untersuchungsausschüsse des Bundestags und des Landtags von Baden-Württemberg zur Kenntnis zu nehmen. Etwa wenn es um das Umfeld der beiden Opfer in ihrer Einheit gehe, auch würden die mittlerweile erfolgten teilgeständigen Einlassungen von Beate Zschäpe, die die Täterschaft von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos auch an der Tat von Heilbronn einräumt, vollständig ignoriert, ebenso wie etwa das Bekennervideo des NSU und seine Entstehung bereits bis Ende 2007". Mündlich wiederholen mochte der Ausschussvorsitzende seine Kritik einen Tag vor den nächsten Zeugenvernehmungen nicht. Die Landtagsjuristen prüfen gegenwärtig das Schreiben des Anwalts. (27.4.2017)


Offene Wunde in Heilbronn

"Wir hoffen alle, dass vielleicht doch noch mehr Licht in die Vorgänge kommt." Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat am zehnten Jahrestags des Anschlags auf Polizisten Michèle Kiesewetter und ihres Kollegen Martin Arnold genutzt, zumindest indirekt eine Fortsetzung der Ermittlungsarbeit zu verlangen. Der Heilbronner OB Harry Mergel (SPD) wurde auf der Gedenkfeier deutlicher: "Warum Heilbronn? Wieso Michèle Kiesewetter? Und weshalb der 25. April 2007?" Solange diese Fragen "nicht ausreichend beantwortet werden können, gibt es auch hier in Heilbronn eine offene Wunde".

Angestoßen wurde die Diskussion um neue Ermittlungen auch durch die Bundesanwaltschaft. Sie geht der Entstehung eines Graffito mit dem Kürzel "NSU" nach, das auf einer Mauer am Tatort aufgesprüht war. Bisher lautet die offizielle Version, dass das NSU-Trio für den Anschlag verantwortlich ist. Immer wieder und aufgrund zahlreicher anderer Spuren sind die Zweifel an dieser Darstellung nicht ausgeräumt. Bisher waren an Tatorten weder Bekennerschreiben des NSU noch andere Hinweise gefunden worden. Entdeckt worden waren die drei Versalien in schwarzer Farbe vom Filmemacher Clemens Riha beim Sichten von SWR-Archivmaterial. (25.04.2017)


AfD: Nichts wissen, nichts machen, nichts zahlen

Schon wieder hat AfD-Fraktionschef Jörg Meuthen ein Versprechen nicht gehalten. Aber wahrscheinlich kann er nicht mehr daran erinnern, dass er am 6. März zum ersten Mal seit dem Einzug in den Landtag zu einer regulären und nicht durch Skandale, Trennungen oder Wiedervereinigungen notwendig geworden Pressekonferenz geladen hat. Um mitzuteilen, dass seine Fraktion selbstverständlich der Ankündigung nachkommt, dem Landtag die Gelder zurückzuzahlen, die die vorübergehende Fraktionsspaltung gekostet hat. Sogar ein Datum konnten Meuthen und Fraktionsvize Rainer Podeswa nennen: den 11. März 2017, jenen Tag also an dem die Frist für die Rechnungslegung der Fraktionen ohnehin abläuft. Bis dahin sollten 257.000 Euro fließen. Insgesamt war von 425.000 Euro, einmal auch von 571.000 Euro die Rede.

Eingelöst wurde die Zusicherung nicht. Meuthen und die Seinen, die schon bei unvergleichlich geringeren Anlässen Zeter und Mordio schreien angesichts des Sittenverfalls der von ihnen sogenannten Altparteien, haben nach Auskunft der Landtagsverwaltung gar nichts zurückgezahlt. Jetzt verlangt der Fraktionsgeschäftsführer der SPD, Ex-Innenminister Reinhold Gall, von der Landtagsverwaltung, eine "härtere Gangart" einzuschlagen und rechtliche Schritte einzuleiten.

Vor allem auf Facebook, dem wichtigsten Kommunikationsmittel der AfD, hatte sich die Fraktion immer wieder dafür gerühmt, alle Gelder zu erstatten. Tatsächlich war das peinliche Finanzgebaren schon in der Plenarsitzung vom 9. Februar Gegenstand der Debatte, als FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke daran erinnert, dass "die operettenhafte Fraktionsteilung" viel Geld gekostet habe und konkret fragte: "Haben Sie zurückgezahlt?" Laut Protokoll rief der AfD-Fraktionschef: "Ja, natürlich!". Inzwischen will Meuthen die Äußerung auf die schon geflossenen Gelder bezogen wissen, ohne konkret zu sagen, um welche Summen es sich handelt. Wahrscheinlich hat er es nicht (mehr) gewusst. (21.4.2017)

Mehr zum Thema: "Sein Name ist Hase"


Kakteen lassen IHK-Vollversammlung platzen

Johannes Schmalzl, früher Zentralstellenleiter im FDP-geführten Justizministerium, dann Präsident des Landesamts für Verfassungsschutz und Stuttgarter Regierungspräsident, ist am Donnerstagabend nicht wie geplant zum Hauptgeschäftsführer der IHK Stuttgart gewählt worden. Die kammerkritische Kaktus-Initiative hat die Vollversammlung platzen lassen. Zuvor fand der vorab angekündigte Antrag der IHK-Rebellen zur Änderungen der Tagesordnung allerdings keine Mehrheit. Darin war verlangt worden, Tagesordnungspunkte, die in der vorigen Vollversammlung nicht behandelt wurden, noch vor der Wahl abzuhandeln.

Nach der Abstimmungsniederlage zog ein Großteil der Initiative aus, während einer ihrer Sprecher mit Erfolg die Feststellung der Beschlussunfähigkeit der Versammlung forderte. Damit war die Vollversammlung beendet. Jetzt soll es zu einer Sondersitzung kommen, um Schmalzl vor der nächsten turnusmäßigen Sitzung im Juli zu wählen. Am Vorgehen der Kakteen gibt es Kritik – auch in den eigenen Reihen. Mehrere Mitglieder hatten die Versammlung mit ausdrücklichem Hinweis auf die demokratische Niederlage in der Abstimmung über die Tagesordnung nicht verlassen. Jetzt sollen interne Beratungen stattfinden.

Jürgen Klaffke, einer der führenden Kakteen, hatte im Vorfeld der Vollversammlung für die Verschiebung der Wahl plädiert. Sein Argument: Es könne nicht sein, "dass eine Findungskommission nach monatelanger Suche einen einzigen Kandidaten präsentiert". Da der Vertrag mit dem amtierenden Hauptgeschäftsführer Andreas Richter erst Anfang des nächsten Jahres ausläuft, sei genügend Zeit, das Verfahren für eine Kandidatensuche nochmals aufzurollen. Die Kaktus-Initiative, die unter anderem für die Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft eintritt, hält ein Drittel der hundert Sitze. (20.4.2017)

Mehr zum Thema: "Das ganze Klavier bespielen", "Rebellen im Weinberghäusle"


Besonders viele Evet-Sager in Stuttgart

Nur in Dortmund, Essen und Düsseldorf haben mehr Deutschtürken für Recep Tayyip Erdogans Präsidialsystem gestimmt als in Stuttgart. Mit 66,22 Prozent liegt die Landeshauptstadt nach den Zahlen der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu auch über dem Deutschland-Schnitt von 63,2 Prozent. Das Ergebnis der Bundesrepublik ist international von besonderer Bedeutung, weil mit rund 1,4 Millionen Menschen nirgends mehr Auslandstürken wahlberechtigt waren. Auffallend ist das Abstimmungsverhalten in Berlin, mit 50 Prozent Nein-Sagern, in der Schweiz mit 70 Prozent und in den USA mit sogar einer 90prozentigen Ablehnung der Verfassungsreform. In den Vereinigten Staaten hat allerdings weniger als ein Prozent der Bevölkerung einen türkischen Pass.

Dass sich aus dem Anteil an türkischstämmiger Bevölkerung allein kein Zusammenhang zum Abstimmungsverhalten ablesen lässt, zeigen nicht nur Berlin und Stuttgart, sondern EU-weit auch Belgien und Österreich. In beiden Ländern gibt es mehr als 70-Prozent Evet-Sager. In Belgien haben rund zwei Prozent der Menschen türkische Wurzeln, in Österreich aber mehr als fünf Prozent. Im deutschen Zustimmungsranking deutlich hinter Stuttgart rangieren unter anderem Karlsruhe mit 61 Prozent, Hamburg mit 57 und Nürnberg mit 55 Prozent. Nach den Zahlen von Anadolu hat die Hälfte der Deutschtürken ihr Wahlrecht auch tatsächlich ausgeübt.


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Peter (Frederick Lau) auf der Spur der Waldgeister. Fotos: Weltkino

Peter (Frederick Lau) auf der Spur der Waldgeister. Fotos: Weltkino

Ausgabe 290
Kultur

Herzen an Lederriemen

Von Rupert Koppold
Datum: 19.10.2016
Der Schwarzwald wird zum Fantasy-Wald, der eher an "Herr der Ringe" als an Heimat erinnert. Der antikapitalistische Kern des Hauff'schen Märchens bleibt erhalten. "Das kalte Herz", meint unser Filmkritiker, taugt nicht für klassische Schwarzwald-Touristikwerbung. Aber für einen Kino-Besuch.

"Aber es freute ihn nichts, kein Bild, kein Haus, keine Musik, kein Tanz; sein Herz von Stein nahm an nichts Anteil, und seine Augen, seine Ohren waren abgestumpft für alles Schöne."
(Aus: "Das kalte Herz" von Wilhelm Hauff)

Der Wald steht schwarz und schweiget nicht. Denn die düsteren Bilder von Bergen und Bäumen werden akustisch aufgewuchtet durch dröhnende Musik und blitzdonnerndes Gewitter, eine schwere Stimme erzählt dazu von einem archaischen, aber sterbenden Reich voller Naturgeister, denen der Raum entzogen wird. Der Holländer-Michel, so das Verdikt, "brachte die Gier in die Welt". Jetzt ist es vorbei mit dem Einklang zwischen Natur und Mensch, jetzt fallen massenhaft die Bäume und werden verflößt und verkauft, jetzt teilt sich die Welt auf in Arm und Reich. Die Welt? Jawohl, die Welt. Denn das Märchen von Wilhelm Hauff, das der 1802 in Stuttgart geborene und dort schon 1827 gestorbene Autor gleich im ersten Satz dezidiert in den Schwarzwald einschreibt, wird gleich im Prolog von Johannes Nabers Kinoadaption aufgebrochen und ausgeweitet. Der Ort der Handlung mag noch Schwarzwald heißen, aber er ist aus dem Regionalen hinausgewachsen, er ist nun ein Fantasywald, der eher an den "Herrn der Ringe" oder "Avatar" erinnern soll als an den deutschen Heimatfilm.

Und nun ein sehr putziges Eichhörnchen auf einem Ästlein, ein höhnisch ins Sonnenlicht gesetztes Idyll, das nur entworfen wird, um es sofort zu zerstören. Denn da unten am dämmrigen Boden droht Peter Munk (Frederick Lau), der Köhlerjunge, an seinem mühsam aufgeschichteten Meiler zu verkümmern. Aber nein, er will sich nicht seinem Schicksal fügen! Der Trotz lauert in seinem rußigen Gesicht, er legt die Stirn in Falten, er hat Aufruhr im Sinn - und dazu noch Lisbeth (Henriette Confurius), die schöne Tochter des arroganten Glashüttenbesitzers Löbl (Sebastian Blomberg). Zunächst jedoch hagelt es für Peter Niederlagen: Die Flößer schauen vorbei und verprügeln ihn, in der Wirtsstube wird er vom vierschrötigen Holzhändler Etzel (Roeland Wiesnekker) lächerlich gemacht, auf dem Tanzboden wirbt der selbstbewusste Bastian (David Schütter) um die angebetete Lisbeth.

Nur gucken nicht anfassen: Peter mit der schönen Lisbeth (Henriette Confurius).
Nur gucken nicht anfassen: Peter mit der schönen Lisbeth (Henriette Confurius).

"‘So geht es nicht mehr weiter’, sagte Peter eines Tages schmerzlich betrübt zu sich ...". So freilich steht es nur bei Hauff. Der Film dagegen setzt sich vom betulich wirkenden Märchenduktus der Vorlage ab, hier herrscht ein rauerer Ton. "Die Ferkel essen nicht am Metzgertisch!", so wird Peter beschieden, und in Sachen Lisbeth wird er mit diesen Worten gewarnt: "Wenn du noch einmal meine Tochter angrinst, dann kastrier ich dich." Nein, das hätte so weder im Märchen gesagt werden können noch in Paul Verhoevens berühmter Defa-Verfilmung von 1950, auch wenn sich schon diese im Plot einige Freiheiten gegenüber der Vorlage herausnahm. Am Kern der Hauff'schen Erzählung allerdings, dieser mit expressiver Symbolik formulierten Kritik am Frühkapitalismus, hat Verhoeven nichts geändert, und auch der seinerseits den Plot mit etlichen Figuren und Motiven anreichernde Johannes Naber stellt sie ins Zentrum. Auch in diesem Film geht es also um den Verlust der Empathie, ersetzt der Holländer-Michel, eine ins riesen- und sagenhafte gehobene Holzfäller- und Flößerfigur, die Herzen der Menschen durch Steine.

Bevor es zu diesem faustischen Pakt kommt, versucht Peter sein Glück noch beim Glasmännlein (Milan Peschel), der guten Gegenfigur aus dem Reich der Geister. Drei Wünsche hat Peter frei, aber wie alle Märchenfiguren "verwünscht" er sich natürlich. Also doch in die Höhle des Holländer-Michels, den Moritz Bleibtreu sehr dunkel- und stechäugig spielt, dabei aber nicht ganz die furchterregende Präsenz von Erwin Geschonneck in der Defa-Verfilmung erreicht. Bei Hauff bewahrt der Böse die Herzen übrigens in Einmachgläsern auf. In Nabers Adaption hängen sie an Lederriemen herum, an manchen fressen schon die Maden. Auch die Trachten der Protagonisten sind bei Hauff genau beschrieben, sogar das Glasmännlein ("spitzes Hütlein mit großem Rand, mit Wams und Pluderhöschen und roten Strümpfen") ist eingebettet in die regionale Kleiderordnung. Das Glasmännlein des aktuellen Films dagegen ist zum einen nicht allein, sondern Führer eines Stammes, und zum anderen sieht es mit seinem kalkigen Gesicht, seinem Moosbehang und seinem Röckchen aus wie das Mitglied eines indigenen Urwaldvolkes.

Entregionalisierte Märchen fürs Kino sind Trend

Natürlich wäre es müßig, die Unterschiede zwischen Hauffs Märchen und Nabers Verfilmung aufzulisten, steckte dahinter nicht ein Trend: Eine Art Entregionalisierung des Brauchtums und des Erzählens nämlich, und parallel dazu die Erfindung von globaler Fantasy und Folklore. Die Disney-Studios haben es ja vorgemacht, sie bemächtigen sich seit Jahrzehnten regionaler Stoffe - etwa der Grimm'schen Märchen - schleifen deren spezifische Kanten ab, machen alles rund und allgemein verständlich und speisen es dann ein ins Weltkino. In Deutschland hat sich in den fünfziger Jahren der kriegübermalende Heimatfilm zunächst noch in verschiedenen Regionen ausprobiert, etwa im Norden ("Grün ist die Heide", 1951) und auch im Südwesten ("Schwarzwaldmädel", 1950), bis sich, abgekoppelt von zu spezifischen Eigenheiten, die bayerisch-österreichische Alpin-Variante durchsetzen konnte. Die beherrschte dann auch den degenerierten Heimat-Sexfilm-Nachklapp, in den siebziger Jahren hieß es im Kino "Unterm Dirndl wird gejodelt" - und eben nicht unterm Bollenhut.

Global vermarktbar: Kämpfe mit Stöcken.
Global vermarktbar: Kämpfe mit Stöcken.

Apropos: Die Dirndlerei hat sich inzwischen durchgesetzt als eine ans Österreichisch-Bayerisch angelehnte Fantasy-Folklore, und dies nicht nur auf Wies'n und Wasen. Sie hat sich dabei aus dem ursprünglichen Kontext von Region, Brauchtum und Historie komplett gelöst und ist zum globalen Freizeit-Spaß geworden. In Nabers Patchwork-Fantasy-Film, der unter anderem im Elbsandsteingebirge und vor allem im Studio Babelsberg gedreht wurde, kommt das Dirndl zwar nicht vor, dafür bedient sich der Regisseur aus internationalem Folklore-Fundus: Stockkämpfe im Martial-Arts-Stil, ständische Gesichtsmarkierungen in Tattoo-Optik, und Tanzeinlagen, in denen die Schuhplattler-Anklänge schnell von keltischen "Lord of the Dance"-Anleihen weggestampft werden. Anders gesagt: Für klassische Schwarzwald-Touristik-Werbung taugt dieses "Kalte Herz" eher nicht. Andererseits spürt man die Begeisterung des Regisseurs für diesen Stoff und auch die seiner Schauspieler. Und wenn Peter als kaltherziger Großkotz zurückkehrt, seine Lisbeth ansieht wie eine Ware und herrisch befiehlt: "Zieh dein Nachthemd aus!", dann ist das eine Szene, die so zwar nicht im Buche steht, dessen Geist aber doch gut erfasst.


Info:

Johannes Nabers "Das kalte Herz" kommt am Donnerstag, den 20. Oktober in die deutschen Kinos. Welches Kino in Ihrer Nähe den Film zeigt, finden Sie hier.


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