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Lieber Fritz Kuhn

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Lieber Fritz Kuhn,

natürlich freuen sich Grüne, SPD und viele von uns, wenn der Stuttgarter Airport brummt und sich in absehbarer Zeit das Fluggastaufkommen fast verdoppelt haben wird. Wer wartet schon gern auf die Bahn und dann in einem Tunnel auf die Feuerwehr? Im Grunde unseres Herzens sind wir aber alle ein wenig Greta, freuen uns über Schulschwänzer, leicht vegane Maultaschen und Sigmar Gabriel, den künftigen Aufpasser im Aufsichtsrat von Deloitte. Deloitte ist einer der weltweit größten Wirtschaftsprüfer und Lobby-Akteure. Lieber Fritz: Hättet Ihr den mit im Boot gehabt damals, dann hätte es nie einen Klinikskandal gegeben! Gabriel kann also demnächst den Blick vom Kölner Klüngel bis nach Bukarest kreisen lassen und so etwa den Parteichef von Rumäniens Sozialdemokraten im Auge behalten. Der ist ein vorbestrafter Krimineller, und er ist's nicht allein, da gilt's aufzupassen, liebe SPD! Wir brauchen Euch als Antikorruptionspartei.

Nun sind die Schönen Stuttgarts allerdings irritiert über den schnellen Stuhl oder, wie meine Omi Glimbzsch in Zittau sagen würde, den geistigen Dünnpfiff auf vielerlei Wahlplakaten. So wie seinerzeit niemand die Absicht hatte, eine Mauer zu bauen, hat auch heute niemand die Absicht, jedweder Wahlwerbung über den Weg zu trauen. Insoweit könnte einem das plakative Kuhn-Bashing zur Kommunalwahl am Allerwertesten vorbeigehen: Du sollst irgendwie korrupt sein und keine Wohnungen gebaut haben. Fritz, sei mal ganz ehrlich: Stimmt das? Vor ein paar Jahren haben ja SPD und Grüne 21 000 LBBW-Wohnungen im Land an die Augsburger Immobilienfirma Patrizia verscheuert und Belgrad bombardiert. Die CDU würde so etwas nie umsonst machen. Die Wohnungen mit "günstigen Mieten" haben jetzt gewissermaßen ein neoliberales Nachspiel: Die Mieten steigen, aber nur wegen Angebot und Nachfrage. Vielleicht fragst Du uns jetzt wie der Altlinke Jean Ziegler und viele andere: Was ist denn so schlecht am Kapitalismus? Leben wir nicht in der besten aller Welten? Jean Ziegler, Frau Glimbzsch und der Papst widersprechen: Nein.

"Wüsten und Meere sind zu Friedhöfen geworden für Männer, Frauen und Kinder, die wir nicht retten konnten oder wollten. Während Regierungen diskutieren, eingeschlossen in den Palästen der Macht, füllt sich die Sahara mit den Skeletten all jener, die Mühen, Hunger und Durst erlagen. Grausam wird auf all jenen herumgetrampelt, die fliehen", hieß es beim Kreuzweg am Karfreitag in Rom. Katholische Propaganda. 


Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator des Bürgerprojekts Die AnStifter. Alle Wettern-Videos gibt es hier zum Nachgucken.


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3 Kommentare verfügbar

  • Peter Meisel
    am 24.04.2019
    Antworten
    Danke, dem kann ich mich nur anschließen! "Wüsten und Meere sind zu Friedhöfen geworden!" Toll, sogar der Papst hat die Greta Thunberg empfangen, weil er an diese Jugend glaubt, denn nur die Jugend erwartet Zukunft? Im Grunde unseres Herzens sind wir aber alle ein wenig Greta, freuen uns über…
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