Ausgabe 418
Editorial

Raus auf die Straße

Von unserer Redaktion
Datum: 03.04.2019

Schön zu sehen, dass sie wieder da sind, die Sittlers und Schretzmeiers, Christine Prayon und Heinrich Steinfest. Als hieße es wieder: rausgehen gegen Stuttgart 21. Doch diesmal ist der Wahnsinn ein anderer. Er heißt Wohnen in Stuttgart und anderswo und treibt die Leute auf die Straße.

Getragen von einem breiten Bündnis, von der AWO über Caritas, Linke, SÖS, Grüne (!), SPD, den Gewerkschaften bis zum Sozialdienst katholischer Frauen, wird am Samstag, 6. April, um 14 Uhr auf dem Stuttgarter Schloßplatz demonstriert. Das ist überfällig, weil die Not immer größer wird, analog zur Gier der Spekulanten. Es kann nicht sein, dass nur noch Luxusquartiere für Reiche bleiben, sagen die Sittlers. Eine Wohnung ist eine kollektive Haut und damit ein Schutz, sagt Schriftsteller Steinfest. Wer leer stehen lässt, ist leer im Kopf und hat nicht mehr alle Tassen im Schrank, sagt unser Wetterer Peter Grohmann.

Kontext sieht das auch so. In aller Deutlichkeit werden wir die Dinge weiterhin beim Namen nennen. Immer dann, wenn sich die Politik in den Dienst der Bauwirtschaft stellt, wenn sich die Immobranche als Ideologiemaschine präsentiert, wenn sich Medien als Makler von Meldungen verstehen, die Hausbesetzer als Marionetten linksextremer Kräfte vermarkten. In der vorliegenden Kontext-Ausgabe sind diese Themen als Schwerpunkt versammelt. Auf Papier erscheinen sie am Samstag in der taz und wir mit ihr. Auf der Demo am Samstag.

Ein Kontext-Stammtisch auf der Alb

Wieder mal waren sie da, die besonders Interessierten. Und jedes mal stellen wir fest, was für engagierte Leserinnen und Leser wir haben. Am vergangenen Donnerstag waren 25 von ihnen in der Redaktion, zum Gespräch über den Prozess, den wir gegen den rechtsradikalen Mitarbeiter der AfD-Landtagsabgeordneten Christina Baum und Heiner Merz vor dem OLG Karlsruhe gewonnen haben. Und wie immer haben wir uns, als sich mit fortgeschrittener Zeit die Stimmung an unserem Konferenztisch schon ein wenig gelockert hatte, sehr über Anregungen, Vorschläge und Kritik gefreut. Eine Idee haben wir besonders gerne notiert. Sie kam von einem Weitgereisten aus Gomadingen, vom Bürgermeistermacher Bernd Richard Hinderer. Er hat vorgeschlagen, doch noch "die anderen zwei Kontext-Leser auf der Alb" einzusammeln und dort mal einen Vor-Ort-Stammtisch anzubieten. Wir haben auch schon einen Arbeitstitel: auf zur Kontext-Alb-Offensive! 


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2 Kommentare verfügbar

  • Peter Meisel
    am 03.04.2019
    Richtig! Greta Thunberg macht es uns vor! Auch ein Stammtisch hat Beine zum Bewegen was nicht richtig ist! "Als hieße es wieder: rausgehen gegen Stuttgart 21. "
    Ein altes Sprichwort sagt: "Gier macht dumm!" deshalb existiert Deutschlands dümmstes Großprojekt Stuttgart 21 inmitten unserer Landeshauptstadt. Die Zerstörung unserer Stadt um 80 ha Gleisgelände in Bauerwartungsland in der Stadtmitte zu schaffen?
    Die "Volksabstimmung! aller Württemberger war das Trojanische Pferd, vor dem der Laocoon die Trojaner gewarnt hatte. Schade, daß in BW auch an der Bildung gespart wird, sonst könnten wir die Illias und die Folgen besser verstehen. Ich freue mich auf Peter Lenk in Stuttgart!
    Analog empfehle ich die Digitalisierung ernst zu nehmen! Die Notwendigkeit den eigenen Körper zum Arbeitsplatz zu transportieren entfällt bzw. der Arbeitsplatz entschwindet, denn die Wertschöpfung kommt den Maschinen (Eigentümern) zu gute! Das ist trivial und wird kommen!
  • M. Lyminowa
    am 03.04.2019
    @Redaktion
    @Minh Schredle
    @Christian Holl

    Selbstverständlich muss man enteignen. Und das bezieht sich nicht nur auf die Möglichkeit, halbwegs human wohnen zu können. Beispielsweise hat auch ein Individualverkehr mit Verbrennungsmotoren, perspektivisch ein ebensolcher mit herkömmlichen, zweispurigen E-Autos in unseren Städten überhaupt nichts mehr verloren. Die Städte müssen (wieder), "entwaffnet", zivilisiert werden: sie MÜSSEN R E A L grüner werden, sozial wieder durchlässig werden, humaner, auf eine Art, wie es den Dinosaurier-Politikern aller Farben und Ebenen offensichtlich bislang nicht einmal schwant.

    Der "Markt" regelt gar nichts, außer sich selbst und seine Gewinne. Das ist die ge- und erlebte Praxis.
    Dass beispielsweise eine Partei wie die PDS/Linke in einer Berliner Senatskoalition 2003 mit einem Senator Gysi dabei mitmachte, 100.000 kommunale Wohungen für knapp 500 Millionen zu "verkloppen", die heute (angeblich) 7 Milliarden "wert" sein sollen (Profitsteigerungsrate ca. 1.400 %), zeigt, dass solch' ein Wahnsinn nur durch Enteignung - und zwar sehr radikal - einigermaßen korrigiert werden kann. Noch besser wäre es, die Eigentumsfrage ganz grundsätzlich zu stellen.
    Übrigens: Von den weiteren politischen Parteien jenseits der LINKEN und deren "Konzepten" dazu ganz zu schweigen.

    Denn die Frage ist doch evident, ob wir als Spezies, als globale Kultur, überleben wollen. Es ist die Frage, welche die jungen Menschen als #FridaysForFuture auf die Straße treibt (endlich!) - und die (noch) nicht wissen, dass sie die Eigentumsfrage, welche der "Systemfrage" immanent ist, sehr radikal stellen...

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