Ausgabe 414
Kolumne

Der Satan war's!

Von Peter Grohmann
Datum: 06.03.2019

Wie schön: Europaweit wird in diesen Wochen wieder die Straße als praktisches politisches Medium entdeckt. Nein, nicht von dir oder mir – für uns ist ja die Straße Alltag, wir haben ja sonst nüscht und nirgends viel zu melden. Plätze und Straßen sind immer schon der Ort der Wiederkehr und der Wiedertäufer – so wie für den Obdachlosen die Mülltonne oder für den Kettenraucher der Krebs. Doch jetzt entdeckt die andere Seite die Straße. Also die, die sonst nur mit Verachtung und einer Prise Toleranz auf Kundgebungen oder Demonstrationen bei uns reagieren – ausgenommen, es knallt mal richtig echt wie in Hamburg beim G 5 (oder war's G 20?) oder der Protest findet in Algier, China oder Venezuela statt.

Was für ein Spektakel dort: Hunderte von Lastwagen, Tausende Tonnen Überlebensmittel und Medikamente dürfen nicht rein ins Land, weil eine militaristische Junta dem selbsternannten neuen Machthaber Guido die Suppe und das Öl versalzen will. Möglich, dass die Transporte früher oder später nach New York umgeleitet werden, wo nach Angaben der Kommunisten und der Kirche Zehntausende Kinder an Hunger leiden (allerdings in der Regel Farbige). Viele von ihnen besuchen die Mülleimer statt die Schule und sind häufig – ein weltweites Phänomen – zudem Opfer von Ausbeutung und sexuellem Missbrauch.

In den Vereinigten Staaten werden jedes Jahr mehr als 700 000 Kinder Opfer von Gewalt und Misshandlung. Und klar: Kein Essen auf dem Tisch ist ja auch eine Form des Machtmissbrauchs, für den die Gesellschaft verantwortlich ist. Dazu kommen die vergessenen Opfer: Kindersoldaten, minderjährige Prostituierte, unterernährte Kinder; entführte Kinder, die oftmals Opfer des abscheulichen Handels mit menschlichen Organen werden oder zu Sklaven gemacht werden; die Kinder, die Opfer des Krieges sind; die Flüchtlingskinder – und so weiter.

Es ist viel Elend in der Welt, doch das meiste wird gern übersehen. Das meiste Elend ist aber "nicht in der Welt", also weit, weit weg, sondern direkt nebenan: Wer Missbrauch begeht, das heißt: Gewalt (körperlich, sexuell oder psychisch) anwendet, sind vor allem Eltern, Verwandte, die Partner von Kinderbräuten, Trainer und Erzieher, sagt Franziskus. Und fügt am 24. Februar hinzu: "Wenn in der Kirche auch nur ein Missbrauchsfall ausfindig gemacht worden wäre – was an sich schon eine Abscheulichkeit darstellt –, so würde dieser Fall mit der größten Ernsthaftigkeit angegangen."


Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator des Bürgerprojekts Die AnStifter.
Alle "Wettern"-Videos gibt es hier zum Nachgucken.


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2 Kommentare verfügbar

  • Peter Meisel
    am 06.03.2019
    Es hat tatsächlich vieles Beängstigende unser EUROPA? Die schöne Europa vom Griechen Zeus als Stier aus dem Libanon entführt wird heute in den "Medien" geschlachtet?
    Die taz zitiert Emmanuel Macron auf Seite 1 mit "dem letzten Schrei aus Paris" Auch die Financial Times zitiert ihn auf Seite 1: "Macron's appeal revives bid for European renewal"

    Haben wir vergessen, dass die deutsche "Wiedervereinigung" nur durch den Freundschaftsvertrag Frankreich und Deutschland möglich war? Ich habe mir Macrons Text schon mal besorgt: ""Bürgerinnen und Bürger Europas,
    wenn ich mir heute erlaube, mich direkt an Sie zu wenden, dann tue ich das nicht nur im Namen der Geschichte und der Werte, die uns einen, sondern weil dringend gehandelt werden muss. In wenigen Wochen wird die Europawahl über die Zukunft unseres Kontinents entscheiden.
    Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg war Europa so wichtig. Und doch war Europa noch nie in so großer Gefahr." (Der Spiegel)
    • Kornelia .
      am 08.03.2019
      Die, die meine Europa Hoffnung zerstör(t)en, haben in ihrem Instrument EU die Weichen auf Entmenschlichung, Gewalt, Ausbeutung, Kriegsgelüste, Betteln und Unterjochung und verlogene heile Welt gestellt!

      Immer wieder dasselbe: Täter machen sich zu Opfern und jammern, dass einem die Ohren weh tun !
      Das Gefährliche nur: solche TäterOpfer Jammerer sind wie Gift!

      Ich behaupte mittlerweile: eine Institution, die quasi eine eigene Welt geschaffen hat (mit eigener Sprache, mit eigener Moral, mit eigenem Sozialgefüge, mit eigenem Recht und ganz -dramatisch- alltagsferne Lebenswelten) ist nicht mehr reformierbar! Sie gehört abgeschafft!

      Grundsätzlich sollten Institutionen alle 30-50 Jahre einfach auf 'offline' geschaltet werden und dann mind. 10 Jahre 'ohne' vegetieren!

      Ein Macron, der Demonstranten blind schießen lässt (!!), der sollte nicht als Held der EU gefeiert werden!
      Und eine EU, die dermaßen zum Vasallen der Nato und damit der USA wurde, sollte nicht vom 'eigenen Land' schwärmen!

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