Ausgabe 393
Kolumne

Botschaften aus dem Wald

Von Peter Grohmann
Datum: 10.10.2018

50 000 oder 30 000? Piepegal, das Signal stimmt. Vom Hambacher Forst bis nach Berlin ist's eine ganze Strecke, und die entspricht dem Abstand der Parteien zu ihren Wählern. Ob die Botschaften aus dem Wald tatsächlich oben ankommen, wird sich zeigen. Bisher überzeugten die Spezis in den Reichs- und Landtagen eher durch ihre Hartleibigkeit und, was die Natur angeht, durch ihre Unfähigkeit zu trauern. Ende Gelände? Aktuell hat der Bundesrechnungshof der Regierung Versagen bei Umweltschutz und Energiewende vorgeworfen und das Wirtschaftsministerium abgewatscht. Nun schließt sich Kay Scheller, Chef des Hauses, gar der Kritik der S-21-Gegner an: Die Bahn kann nicht mit Steuergeldern umgehen, das ganze Gerippe ist intransparent, die Bahn brauche also endlich wieder Aufpasser. Momentan schüttet die Regierung das Geld mit vollem Händen auf die Schienen, hat aber den Mund zu halten, wo es um die Verwendung der Mittel geht, um Kontrolle. Vertrauen ist gut, Kontrolle besser, das weiß Scheller von Lenin. Doch der Internationalismus der Bahn erschöpft sich in weltweiten riskanten Investitionen – und die Bundesregierung lässt es schleifen. Es fährt ein Zug nach Nirgendwo ...

Das kommt davon, sagte ich der SPD schon zu Schröders Zeiten, aber die hören ja nicht auf unsereins! Heute hilft wohl auch kein Dirndl auf der Wiesn was. Die Grünen fühlen sich jetzt schon ganz wohl im schwarzen Wamserl. Sind sie etwa auch nur eine Partei wie alle anderen? Die bayerischen Aussichten für Sonntag sind also nicht nur eine Kaltwetterfront für die SPD, sondern auch für die Demokratie. Dass es mit SPD mancherorts nicht so gut geht wie gehofft, ist nur die halbe Wahrheit. Nicht dass ich was gegen Regierungswechsel habe – aber ganz ohne SPD geht die Chose nicht.

"Nu klar!", sagte meine Omi Glimbzsch in Zittau, etwa, wenn ich sie fragte, ob es einen Mann auf dem Mond gäbe. Sie kannte nur Louis Armstrong. Heute krallen sich mangels eigner Fantasie und Masse die Parteien hier was von der Zivilgesellschaft und dort was von Aldi: Go Green.

Wird schun werd'n mit der Mutter Bär'n!
Mit der Mutter Knorrn ist doch ooch gewor'n!
Nur Mutter Schmidt, Gott, die hat gelitten!
Die ham'se sieben Mal geschnitten
und dann ham'se erscht gesehen
dass sie 'n Holzbeen hat zum Steh'n ...


Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator des Bürgerprojekts Die AnStifter. Alle "Wettern"-Videos gibt es hier zum Nachgucken.


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2 Kommentare verfügbar

  • Jue.So Jürgen Sojka
    am 10.10.2018
    Piependeckel, nichts ist egal! Ja steht der den im Wald – oder: „Egal ist 66, und das ist 88!“
    *** Von uns Kindern in den 60ern angewandt, wenn besonders abwegiges geäußert ward. ***

    Bislang zu „Reichs-“tagszeiten, hinübergerettet in heutige Zeiten, war das Wort
    «Wehret den Anfängen!»
    eben lediglich Wort, das zwar ausgesprochen/geschrieben jedoch nicht durch lebhaftes Tun be~reicher~t in Anwendung gebracht wurde! [b][1][/b]

    Im Hambacher Forst, wie in BaWü bei STUTTGART 21; und eben auch von den "Höfen" der Rechnung auf Landes- und Bundesebene – die Worte in unserem Grundgesetz [b][2][/b] nicht begreifend.
    Die „richterliche Unabhängigkeit“ – oder wie in unserer Landesverfassung „Unabhängigkeit wie die Richter“ – muss halt auch frei von allem "Höfischen" angewandt werden; unabhängig eben!!!
    In NRW von Richtern/Innen selbstverständliche eigene Handlung~s~Grundlage:
    OVG Münster und VG Aachen höflich den "Höfischen" Absage erteilt – WDR Klaus Scheffer 05.10.2018, 15:25 | … Es ist eine Ohrfeige der Richter. …
    [b]Laschet hätte sich vorher einbringen müssen[/b]
    Und was macht eigentlich Ministerpräsident Armin Laschet? Nach dem Spruch aus Münster verlangt er, nun müssten sich alle an einen Tisch setzen. Die unterschiedlichen Interessen müssten miteinander versöhnt werden. Das schlägt der Regierungschef vor, dessen Innenminister keine Gelegenheit ausgelassen hat, den Protest zu kriminalisieren. …
    https://www1.wdr.de/radio/wdr5/kommentar-rodungsstopp-hambach-100.html

    Jetzt angedacht, nur mal so angedacht:
    Die Präsidialen an den Rechnungshöfen würden ebenso erkannt haben -ja sogar mit richterlicher Unabhängigkeit ausgestattet-, wie der BUND, dass bei Zuwiderhandlung der Vertreter des Volkes, die Gerichte anzurufen sind!?!
    Würde sich da heutzutage noch eine/r aus Regierungskreisen erlauben, sich über die Feststellungen unserer Rechnungsprüfer hinwegzusetzen, oder sich sogar entgegen zu stellen?!? [b][2][/b]
    Die Annahme darf gewiss geäußert werden: NEIN

    [b][1][/b] Dalida & Friedrich Schütter - Worte, nur Worte – veröffentlicht 1978 https://www.youtube.com/watch?v=1qHSXoPmbXs 1972 Dalida & Alain Delon - Paroles, paroles

    Worte, nur Worte, nur Worte, nur Worte
    Die worte die du da redest will nicht mal der wind

    Die stimme lügt das Wort betrügt es klingt so fahl


    [b][2][/b] [b]Grundgesetz Artikel 114[/b] [Rechnungslegung – Rechnungsprüfung]
    „(2) Der Rechnungshof, dessen Mitglieder richterliche Unabhängigkeit besitzen, prüfen…“
    [b]Landesverfassung B-W[/b] Das Finanzwesen
    [b]Artikel 83[/b] „(2) Die Rechnung sowie die gesamte Haushalts- und Wirtschaftsführung des Landes werden durch den Rechnungshof geprüft. Seine Mitglieder besitzen die gleiche Unabhängigkeit wie die Richter. Die Ernennung…“

    [b][2][/b] 30. Okt. 2008 Bericht des Bundesrechnungshofes gemäß § 88 Abs. 2 BHO https://de.scribd.com/document/39699824/Brief-Des-Bundesrechnungshofes-aus-dem-Jahr-2008-zu-Stuttgart-21
  • Horst Ruch
    am 10.10.2018
    ....nicht piepegal ist allerdings die Mediendarstellung!! ARD am Sonntag 20.00 Uhr 10 000 Demonstranten. ZDF am Sonntag 21.45 Uhr über 50 000 Teilnehmer...... 40 000 mehr,als die Polizei erlaubt.

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