Ausgabe 389
Kolumne

Schwabendemokraten

Von Peter Grohmann
Datum: 12.09.2018

Dass die schwedischen Sozialdemokraten am Sonntag das schlechteste Ergebnis seit Erfindung der freien Wahlen eingefahren haben, ist der SPD nichts Neues. Hier bei uns liegen bekanntlich die Hellroten heute gleichauf mit den Blauen, und die setzen gerade zum Überholen an. Da und dort (dort vor allem) sind sie schon stärkste Partei. Also Aufstehen, Sitzenbleiben, Wegsehen, zu Hause bleiben, wie blonden deutschen Töchtern zu raten ist?

Unterdessen trödeln und tendeln immer mehr Länder, von Marx bis Mainau, von der Etsch bis an den Belt, putzmunter ins demokratische Abseits. Bei vielen Menschen im Lande überwiegt aber vor allem die Sorge, dass es bei künftigen Wahlkampfkosten-Rückerstattungen (aus Steuermitteln) noch düsterer aussehen wird als jetzt schon. Wir finanzieren das Abseits – voll ins Blaue hinein.

Ein gewichtiger sesshafter Repräsentant der Schwabendemokraten, bei dem man künftig ebenfalls etwas genauer hinsehen muss, ist Volker Kauder (beide CDU). Kauder hat sich über Macron echauffiert. Der Franzose wandte sich dieser Tage frech an die christ-demokratische Europäische Volkspartei (EVP), in der auch die CDU wohnt: "Man kann nicht gleichzeitig Merkel und Orban unterstützen." Kann man zwar, macht man zwar – doch wo ein Rechter Recht hat, hat er recht. Kollega Seehofer hingegen bereitet gerade ein Treffen mit Orban vor – bei der Jahrestagung der Modelleisenbahner in der kleinen ungarischen Grenzstadt Gyékényes. Achtung, Fake news! Aber warum nicht?

Eher muslimisch-sunnitisch-weltoffen geprägt sollte dagegen ein Sonntagsbraten sein, zu dem die Menschen in einer Stuttgart Flüchtlingsunterkunft ihre vorwiegend deutschstämmigen Nachbarn eingeladen hatten. Essen, Trinken, Kennenlernen – das war das Motto des Nachbarschaftsfestes. Eintritt frei. Ein niederschwelliges Angebot, das freilich viel Überwindung kosten mag – so viel, dass nicht ein Einziger, keiner, niemand, Null die Einladung zum integrativen Gastmahl annahm. Man muss wissen, dass im Stuttgarter Fasanenhof viele Flüchtlinge wohnen – aus Pommern, Ostpreußen, Schlesien, dem Sudetengau, neuerdings auch aus Russland, und die wissen, wie schwer es ist, sich in Deutschland zu integrieren. Etliche haben es bis heute nicht geschafft, wie wir sehen. Auch die Kauders blieben weg – weg wie die Sozis, die Christen, die Antifa, die Liberalen und die Normalen. So mussten die 188 Bewohner am Ehrlichweg ihre Suppe selbst auslöffeln. Aber sie konnten sich trösten: Zu ihrem Sommerfest seinerzeit kam auch nur einer.


Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator des Bürgerprojekts Die AnStifter.
Alle "Wettern"-Videos gibt es hier zum Nachgucken.


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2 Kommentare verfügbar

  • Kornelia .
    am 12.09.2018
    Och Peter, der Deutsche, insbesondere der Schwabe, braucht die persönliche 4Wochen vorher Einladung! Einfach so spontan vorbei gehen? Igitt!
    Und dann essen, tz, mühsam hat sich der Deutsche an Spagetti, Tzasiki und Gambas gewöhnt und gelernt, diese fehlerfrei zu essen.... Und nu, soll er sich blamieren?

    Und auch die schwäbischen Christen, (die Antifas brauchen eh das anti, um zu kommen), die Liberalen, die Sozis und wie sie sich alle nennen, sind Menschen die..... s.o
    Bist du einfach reingeschneit, mit frau und maus?
  • Peter Meisel
    am 12.09.2018
    Schwaben und Demokraten??
    Freie Wahlen stellen einen Zwang für den Souverän dar. Er muss hinschauen, urteilen und sich entscheiden! (Leben in einer Res Publika)
    Wer die Erzählung der 7 Schwaben kennt, wird Ihren Satz: „Also Aufstehen, Sitzenbleiben, Wegsehen, zu Hause bleiben, wie blonden deutschen Töchtern zu raten ist“ wiederkennen.
    KRABAT ist der Anspruch für den Souverän sich selbst zu regieren. Aber tatsächlich mangels einer Europäischen Verfassung trödeln und tendeln wir ins demokratische Abseits.
    Für Schwaben ist Geist und Gier die Struktur des Seins? Es ist eine alte Geschichte. Das Jahr 1492 war entscheidend für diese strukturell konservative Stadt Stuttgart, eine Stadt, die für ihre Pietisten und ihre Kehrwoche bekannt ist. In jenem Jahr wurde in Stuttgart die Ordnung, Sauberkeit, das Selbstbewusstsein der Bürger und per Gesetz die Kehrwoche eingeführt: "Einmal pro Woche seinen Dreck zu Haues aufkehren und vor der Stadt in den Nebenfach schütten. Der Ort der S21 Baugrube.
    Es geschehen noch Zeichen und Wunder, heute am 11. September üben wir den Ernstfall, im Hauptbahnhof mit Stuttgart 21! Entgegen der Vernunft üben wir die Katastrophe, den Untergang?
    Bei Homer hieß der Held, Odysseus, der Listenreiche, der Städtezerstörer! Die Bürger von Stuttgart üben dieses mal selbst vorher die Zerstörung ihrer Stadt und ihrer Zukunft?

    Danke den zugewanderten Menschen, die zeigen, daß Mensch sein, Gemeinsamkeit bedeutet: Zitat einer anderen Kultur: „Eher muslimisch-sunnitisch-weltoffen geprägt sollte dagegen ein Sonntagsbraten sein, zu dem die Menschen in einer Stuttgart Flüchtlingsunterkunft ihre vorwiegend deutschstämmigen Nachbarn eingeladen hatten. Essen, Trinken, Kennenlernen – das war das Motto des Nachbarschaftsfestes.“
    Es scheint die Angst aus dem Bayerischen Wald zu sein, die dazu führt, daß die Kauders, wie die Sozis, die Christen, die Antifa, die Liberalen und die Normalen, wie die 188 Bewohner am Ehrlichweg ihre Suppe selbst auslöffeln.
    Mich hat Ihr Zustandsbericht wunderbar an Hegel in Stuttgart erinnert: Eine fröhliche Wissenschaft?

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