Ausgabe 237
Kolumne

Addieren statt kritisieren!

Von Peter Grohmann
Datum: 14.10.2015

Ich sag mal so: Ich war auch kein Musterschüler, und die Stanford University war für mich keine echte Option, allenfalls die Parteihochschule der KPdSU. Wie sagte Karl Marx dort schon ganz richtig? "Being that determines their consciousness!" Und dazu braucht's keine Doktorarbeit – piepegal, wer sie letztlich abgeschrieben hat! Oft genügt es ja schon, wenn man eins und eins zusammenzählen kann. Nehmen Sie – nein, nicht Stuttgart 21 – die Olympischen Spiele in Hamburg. Denn in Hamburg ist sauber gerechnet worden. Wenn dort am 29. November bei neblig-kalten Wettern über Feuer und Flamme für Olympia vom Volk abgestimmt wird, kann man heute schon das Ergebnis vorhersagen: 52 zu 48. Woher ich das habe? Reine Pyrokinese! Das ist die Fähigkeit, mit der Kraft der Gedanken Feuer zu erzeugen und es ein Weilchen brennen zu lassen. Der Hamburger als solcher hat da so seine Erfahrungen mit dem Rechnen, wie die Elbphilharmonie zeigt. Die sollte ursprünglich 77 Millionen kosten – inzwischen sind's 789 Millionen. Das Geld ist ja nicht weg – es ist nur woanders. Und das liegt nicht an den philharmonischen Klobürsten, die 292 Euro kosten sollten pro Stück.

Bei Olympia geht alles ganz koscher zu: 11,2 Milliarden Euro, mit Tiefbahnhof. Olaf Scholz: "Peter, das ist die am besten durchgerechnete Bewerbung ever!" Nicht ganz so ever ist die Frage, wer die Zeche zahlen soll. Üblich ist die Drittelung zwischen austragender Stadt (Hamburg), Bundesland (Hamburg) und Bund. Da ist der Steuerzahler natürlich fein raus. Die Hansestadt Hamburg will aber lediglich 1,2 Milliarden Euro übernehmen. Den Rest? Vielleicht die Partner? Etwa das IOC? Es steht für Gigantomanie, Kommerzialisierung, Korruption, Intransparenz und undurchsichtige Machenschaften. Kaum eine Diktatur, in der das IOC nicht zu Gast war. Skandale gehören zum IOC wie die olympischen Ringe – es ist faktisch der Bruder der FIFA.

Sei's drum. Sie kennen mich – ich bin der Letzte, der hier rumkritisieren will. Ich habe selber genug Dreck am Stecken. Mein Vorschlag: Wir addieren 1 + 1 (= zusammenzählen): 10 Milliarden Miese bei VW, 8 Milliarden bei der Deutschen Bank, 7 bei Olympiade, 8 bei Stuttgart 21 und 4 beim BER. Macht zusammen 37. Das entspricht exakt den Rückstellungen der Energieriesen für den Abriss der Atomkraftwerke. Noch ist das Geld da. Im Jahr 2024 sieht alles ganz anders aus. Wetten? Greifen wir heute zu!

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die Anstifter.


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3 Kommentare verfügbar

  • Horst Ruch
    am 16.10.2015
    ...ja Grohmann, immer noch nicht begriffen ? Jeder Euro mehr bringt in die Staatskasse fast 20 Cent Mehrwertsteuer.Also bei bei 10 Euro fast 2 Euro. Bei 100 Euro beinahe 20 Euro....bei 1000 so um die 200. Ab 1 Milliarde rechnet sich das alles von ganz alleine. Deshalb ist der Finanzminister froh, wenn sich Projekte nicht im vorgefaselten Kostenrahmen halten. Wachstum als sittliches Leitmotiv ist doch genial, gell?
  • Habnix
    am 14.10.2015
    "Das zahlt der Staat".Der Staat ist der Steuerzahler.
  • Blender
    am 14.10.2015
    Die Rückstellungen der Energieriesen für den Abriss der Atomkraftwerke stehen nur auf dem Papier und sind wahrscheinlich geringer; denn die haben das Geld ja nicht auf dem Sparbuch, sondern in Firmenbeteiligungen (Aktien) angelegt, und wer sollte für 37 Mrd. Aktien kaufen? Falls es durch weiteres Missmanagement dann zum Wirtschaftskollaps kommt haben die AKW-Betreiber plötzlich nur noch Peanuts für den Rückbau. Wetten dass die Top-Manager das vor den Politikern und der Bevölkerung wissen und rechtzeitig die entsprechend passenden Optionsscheine auf sinkende Aktienkurse kaufen. Finger weg von Aktien, ihr werdet verlieren.

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