Ausgabe 235
Kolumne

Giftgas

Von Peter Grohmann
Datum: 30.09.2015

Die Deutschen atmen Giftgas ein, Tag für Tag. Nicht nur – aber als hoch motorisiertes Land ganz schön deftig. Aber auf die Barrikaden will keiner. Was VW gemacht hat, ist vorsätzliche Körperverletzung, sagt die Deutsche Umwelthilfe. Da geht ich doch glatt einen Schritt weiter und sag: fahrlässige Tötung!

Nu regen Sie sich mal wieder ab - das hier ist eine Glosse und kein juristischer Beitrag zum Paragrafen 222 StGB. Aber wenn alle Welt furchtbar empört tut und man momentan dem "Alles Müller oder was" Zucker in den Arsch bläst, muss man sich als Mensch auf der Straße doch fragen, wo denn die Toten von VW bleiben. Für die da oben ist klar: Der Feinstaub fällt vom Himmel. Kein Stuhlgang, sondern Stühlerücken.

Merke: Allein an dem durch Dieselabgase ausgelösten Lungenkrebs sterben in Deutschland pro Jahr zwischen 1100 und 2200 Menschen. Zusätzlich sterben jährlich 8000 bis 17 000 Menschen an Atemwegs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die auf eine Rußbelastung zurückzuführen sind. Und bis zu zwei Prozent der jährlich rund 800 000 Todesfälle in Deutschland gehen auf den Dieselmotor zurück ("Berliner Zeitung", 22. 7. 15). Ist es denn tatsächlich so ein weiter Weg von Wolfsburg bis zum Paragrafen 222 StGB? "Wer durch Fahrlässigkeit den Tod eines Menschen verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft." Der Paragraf 222 ist offenbar ein Geheimtipp – doch vielleicht geht dem ja mal einer von Ihnen nach. Denn auf die Behörden ist kein Verlass. Die sind oft auf beiden Augen blind, erstens generell, zweitens wegen ihrer Gewerbesteuern, drittens wegen der Spenden.

Umsonst ist der Tod. 2014 zahlte Daimler an CDU und SPD einen Bonus von 100 000 Euro. Die Grünen waren nur mit 40 000 Euro bezahlbar. Das Spnsoring kommt noch dazu, und transparent ist das alles eh nicht. Aber macht nur so weiter! Bei der ganzen VW-Chose hab ich übrigens bisher kein Wort von den Gewerkschaften gehört – vielleicht suchen die ja ihren Arsch in der Hose.

Die kriminellen Akteure in Wolfsburg und global haben da ganze Arbeit geleistet. Speziell VW braucht jetzt keinen Schutz – sondern Druck. Druck von uns. Sonst ist ja keiner da. Denn was bei VW passiert ist, ist kein Versehen, sondern ein bewusster Gesetzesbruch. Aber wenn das so weitergeht, kratz ich meine Feinstaubplakette ab und schenk die meiner Omi Glimbzsch in Zittau. Die da drüben sind nicht so zimperlich wegen ein paar Russ-Partikeln.  

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die Anstifter.


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2 Kommentare verfügbar

  • Blender
    am 01.10.2015
    Diesel müssen draußen bleiben. Die Abgasplaketten wurden unter falschen Voraussetzungen ausgegeben. Für ein generelles Verbot für Dieselfahrzeuge in Umweltzonen (allen voran im Talkessel von Stuttgart) wäre jetzt ein günstiger Anlass gefunden. Es könnte gleichzeitig auch wissenschaftlich begleitet werden um festzustellen wie viel Feinstaub und Stickoxide die "modernen" Einspritzmotoren allein verursachen. Die sind dann die Nächsten die leider draußen bleiben müssen. So kommt Stuttgart dann doch noch um die Strafzahlungen herum. Oder mal reicht die EU-Rechnung für Feinstaubüberschreitungen nach Wolfsburg weiter. Auch ne Lösung.
  • mistkaeferchen
    am 30.09.2015
    MAN WUSSTE DAS SCHON LAGE. WARUM WIRD JETZT DIE KUH DURCH DORF GETRIEBEN. GRUND: VW WOLLTE DAS NEUSTE AUTO IN AMERIKA VORSTELLEN, JUST DA KAM DAS MIT DEN ABGASWERTEN, WARUM AMERIKA WILL EIGENE AUTOS VERKAUFEN, IN DER JETZIGEN WIRTSCHAFTLICHEN LAGE. WAS MACHT MAN IN AMERIKA VW TAUGT NICHTS ,UM DEN EIGENEN MARKT ANZUKURBELN. VW VERLOHR 40 % AN DER BÖRSE, UND RATET MAL WER NUN DIE AKTIEN KAUFT... ERST OPEL KAPUTT GEMACHT UND NUN VW. LOBYISTEN STECKEN DAHINTER.

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