Zuerst fragen sie nach der Kultur. Welchen Film, welches Buch, welche Musiker:in würde das Ratsmitglied empfehlen? Das Jugendwort 2025 war "das crazy" – wie hieß es zu ihrer Zeit? Rose von Stein, Jahrgang 1958, sagt schnafte. Bei den anderen, im Alter zwischen 32 und 52, überwiegt geil, heute immer noch im Gebrauch. Auf die Frage nach dem größten politischen Ereignis ihrer Schulzeit nennt von Stein die Ostpolitik Willy Brandts, bei den Jüngeren überwiegt der Anschlag auf die New Yorker Twin Towers am 11. September 2001. Für die heutigen Jugendlichen, da sind sich fast alle einig, war es Corona.
Die Interviews wurden im Losverfahren zugeteilt – jede:r Schüler:in hat eines gehört. Schritt für Schritt lernen sie ihre Abgeordneten kennen: Warum sie in den Gemeinderat gegangen sind; wie ihre Arbeit dort aussieht; was sie mit den Abgeordneten der anderen Fraktionen verbindet; was ihnen wichtig ist. Das Mandat entspreche ungefähr einer 70-Prozent-Stelle, meint Dahme. Das könne sich nur leisten, wer wie sie Halbzeit arbeitet. Der Arbeitstag beginnt morgens um 8.30 Uhr mit Ausschusssitzungen und endet oft mit Abendterminen. Die CDU-Frau Weichselgartner sagt dagegen, in ihrer Fraktion gebe es fast nur Selbstständige.
Das entspricht den Erwartungen. Doch es gibt auch Überraschungen. Weichselgartner liebt Michael Jackson. Für Puttenat ist Anstand ein hoher Wert, ein Wort, das früher vor allem Konservative im Mund führten. Was von Stein, die älteste, mit Roth, dem Jüngstem verbindet, ist die Einschätzung, unsere Gesellschaft habe zu viel Angst vor Veränderungen. Roth beobachtet, dass man im Gemeinderat in der Regel gut miteinander auskäme, auch wenn sie sich manchmal scharf angehen. Mit Hannes Rockenbauch (SÖS) sei er nicht immer einer Meinung, doch er bewundere seine Redefertigkeit.
"Oft nicht im Sinne von uns Jugendlichen"
Zuletzt fragen Kastner und Gorbunov die Politiker:innen, was in der Rede vorkommen sollte, welche die Schüler:innen für sie schreiben. Von Stein möchte gern wissen, wie sie sich die optimale Schule vorstellen. Puttenat will dagegen keine Vorschriften machen. Samuel Pitterle hat sich sein Thema selbst gesucht: Gerechtigkeit, insbesondere zwischen den Generationen. "Was Erwachsene als gerecht empfinden, ist für die Jugendlichen ungerecht", sagt er in seiner Rede. "Das beste Beispiel ist der momentane Rentenvertrag. Die Jugendlichen müssen alles für die Erwachsenen ausbaden. Alle ihre Fehler. Deswegen will ich Gerechtigkeit für die Jugendlichen und für die zukünftige Generation schaffen."
"Cool. Interessant", antwortet Pitterle auf die Frage, wie er das Projekt fand. "Es war mal was Neues." Er gehört zu denjenigen, die sich freiwillig gemeldet haben, um den Abend im Schriftstellerhaus vorzubereiten und dafür eine weitere Rede zu schreiben. Sein Thema diesmal: Routine. Wie es ist, wenn man jeden Tag früh aufsteht, und wie, wenn das im Rentenalter plötzlich nicht mehr der Fall ist. Von den Gemeinderäten wird Thorsten Puttenat kommen, der nicht nur das Projekt, sondern Gorbunovs Arbeit auch sonst ganz toll findet. Isabelle Weichselgartner muss aus terminlichen Gründen absagen, betont aber: "Ich empfinde das Projekt als spannend und freue mich sehr, daran mitgewirkt zu haben."
0 Kommentare verfügbar
Schreiben Sie den ersten Kommentar!