Das Gedenken an die Brandopfer in Karlsruhe hat im Januar dieses Jahres mit der Einweihung einer Gedenkstele einen festen Ort im Stadtbild erhalten. Am 23. Januar 2026 wurde in der Residenz des Rechts vor der Markgrafenstraße 41 ein Erinnerungsmal eingeweiht. Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) und der türkische Generalkonsul Mahmut Niyazi Sezgin übergaben die Gedenkstele im Beisein vieler Angehöriger der Opfer der Öffentlichkeit. Für Kenan Yilmaz, den ältesten Sohn des ermordeten Ehepaars, ist das ein wichtiger Schritt: "Dieses Denkmal steht für Erinnerung und Verbundenheit", betonte der Familienvater bei der Feierstunde im Namen aller Angehörigen.
Es erinnere Passanten an "ein ganz schlimmes Verbrechen in der jüngsten Geschichte Karlsruhes", sagte OB Mentrup. Der "feige Anschlag" habe Menschen aus dem Leben und der Gesellschaft gerissen, die die Stadt bereichert hätten, erklärte das Stadtoberhaupt und betonte: "Wenn auch nichts beweisbar ist, besteht die Befürchtung eines vielleicht fremdenfeindlichen Anschlags weiter." Der OB verband das Gedenken mit dem Appell, "nicht denen zu folgen, die der Meinung sind, dass Migration die Wurzel aller Probleme ist". Vielmehr sei festzustellen, dass Migration "die Mutter alles städtischen Lebens" sei.
Generalkonsul Sezgin würdigte die Stele als "eine edle Geste der Stadtverwaltung". Damit werde drei Menschen Respekt erwiesen, die durch ihren gewaltsamen Tod ein Teil der Stadtgeschichte wurden. Gewalt in welcher Form auch immer, so der Appell des Generalkonsuls, "darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben".
Auf den Tag genau dreißig Jahre nach dem Anschlag, am 16. Oktober, laden das Generallandesarchiv Karlsruhe mit seiner Dokumentationsstelle Rechtsextremismus (DokRex) und der Journalist und Filmemacher Walter L. Brähler zur Uraufführung des Dokumentarfilms "Markgrafenstraße 41 – Das Feuer, das immer noch brennt" ein. Der Film erzählt die Geschichte der Familie Yilmaz über drei Generationen – von der Nacht des Anschlags bis in die Gegenwart.
Auf die Aufführung folgt ein Podiumsgespräch unter anderem mit Landtags-Vizepräsidentin Muhterem Aras, dem türkischen Vizekonsul Erdinc Tor, Elvin Yilmaz, der Enkelin der Opfer, und Filmemacher Brähler – über den Film, über die Familie und darüber, was Erinnern für Karlsruhe bedeutet. Brähler wünscht sich, dass die Ermittlungsbehörden noch einmal und diesmal genauer hinschauen, was damals geschah. Möglicherweise auch erfolgreicher als damals. "Ich möchte Gerechtigkeit für die Opfer und ihre Nachkommen und eine Sensibilisierung für die gravierenden Folgen rechtsterroristischer Gewalt über Generationen hinweg."
Die Uraufführung von "Das Feuer, das immer noch brennt" findet am 16. Oktober 2026 um 18 Uhr in der Dokumentationsstelle Rechtsextremismus im Generallandesarchiv Karlsruhe statt (Nördliche Hildapromenade 3, 76133 Karlsruhe). Den Film finanziert Walter Brähler selbst, Unterstützung ist willkommen. Zum Trailer des Films geht's hier.
Landesparteitag der Kleinstpartei NPD
Die 1964 gegründete Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) war bis zu ihrer Umbenennung in "Die Heimat" die älteste rechtsextreme Partei in der Bundesrepublik. Ihre große Zeit hatte sie in den 1960er-Jahren. Zwischen 1966 und 1972 war die NS-apologetische Partei in sieben Landtagen vertreten und erzielte dort 61 Mandate, dazu kamen fast 550 kommunale Mandate. Am 28. April 1968 erreichte sie bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg mit 9,8 Prozent ihr bis heute bestes Ergebnis.
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