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AfD-Fraktionschef Martin Rothweiler

Ein Ex-Identitärer als Mitarbeiter

AfD-Fraktionschef Martin Rothweiler: Ein Ex-Identitärer als Mitarbeiter
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Martin Rothweiler, neuer Vorsitzender der AfD-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg, gilt als unbeschriebenes Blatt. Seiner Partei soll er einen bürgerlichen Anstrich verpassen. Aber einer seiner Mitarbeiter ist ein rechtsextremer Aktivist.

Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg im März dieses Jahres hatte der bisherige AfD-Fraktionschef Anton Baron ausgedient. Emil Sänze, Fraktionskollege und Landesvorsitzender, sagte im Januar 2023 über Baron, nachdem er gegen ihn bei der Stichwahl für den Posten unterlegen gewesen war: "Ich habe ein ambivalentes Verhältnis zu ihm, weil er oft intellektuell nicht folgen konnte – aber er ist ein netter Bursche." 

Seit April führt nun Martin Rothweiler die Landtagsfraktion, Wunschkandidat des Landesvorsitzenden Markus Frohnmaier. Dass er den blassen Baron ersetzt hat, darf auch als Image-Korrektur gesehen werden. Rothweiler repräsentiert nach außen den gemäßigten, bürgerlichen Flügel der Partei. Kürzlich porträtierte ihn die "Stuttgarter Zeitung" als das "proppere Gesicht der Südwest-AfD" und bescheinigte ihm eine makellose Vergangenheit ohne rechtsextreme Verstrickungen.

Rothweiler ist studierter Betriebswirt, lebte und arbeitete zeitweise in Italien. 2013, im Gründungsjahr der AfD, zog er zurück nach Süddeutschland. Noch im selben Jahr wurde er Mitglied der neuen rechten Partei und half in seiner Wahlheimat Villingen-Schwenningen, den dortigen Kreisverband aus der Taufe zu heben. Im AfD-nahen "Verein konservativer Kommunalpolitiker BW e.V." ist er als Beisitzer gelistet, von 2019 bis 2025 arbeitete er als persönlicher Referent des AfD-Bundestagsabgeordneten Marc Bernhard. Noch immer ist er Mitglied im Gemeinderat und Kreistag, trotz Landtagsmandat und Fraktionsvorsitz.

Im Büro arbeitet ein Hardliner

Nach dem großen Sprung vom Kommunalmandat zum Vorsitz der Landtagsfraktion bedarf es fähigen Personals im Büro. Laut Informationen unserer Redaktion soll darunter ein Mitarbeiter sein, der ganz und gar nicht zum bürgerlichen Auftreten Rothweilers passt: der Rechtsextremist Jörg Sobolewski.

Seinen Worten und Taten nach ist Sobolewski ein ideologischer Hardliner. Mit Recherche-Puzzlearbeit lässt sich seine politische Biografie seit 2012 zusammensetzen.

Politisch aktiv wurde er ursprünglich in Berlin und Brandenburg sowie Brüssel. Als Jurastudent war Sobolewski Mitglied der Burschenschaft Gothia zu Berlin, die heute als Nachwuchsschmiede der AfD gilt und Mitglied im extrem rechts dominierten Dachverband "Deutsche Burschenschaft" (DB) ist. Der Gothia trat er 2010 bei, 2016 war er auch Sprecher der DB. Bilder zeigen ihn hinter einem Info-Stand der Gothia auf der neurechten Vernetzungsmesse "Zwischentag" in Berlin 2012 und 2013.

Im Jahr 2013 war er zudem bei der "Identitären Bewegung" (IB) aktiv, auch wenn er angab "nie Mitglied bei den Identitären" gewesen zu sein. Gerne wird die Behauptung, man sei nie Mitglied gewesen, sondern habe sich nur an Aktionen beteiligt, als fadenscheiniges Argument genutzt, um sich abzugrenzen. Sobolewski war laut Medien-Berichten 2013 an einer Störaktion der IB in der Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Reinickendorf beteiligt. Als IB-Vertreter "Felix Hagen" gab er sogar dem RBB ein Interview.

Von der Burschenschaft zur AfD

Später wandte sich Sobolewski der Parteipolitik zu, als Burschenschafter sah er sich dafür besonders geeignet. "Die Zeit" zitierte ihn im März 2017: "Niemand kann so gut organisieren wie Burschenschafter. Parteitage, Bildungsseminare, Mehrheiten – geben Sie uns einen Tag Zeit, und das ist gemacht." 2015 soll er eine Regenbogenflagge im Garten der Burschenschaft verbrannt haben. Ein geleaktes Foto zeigt eine Person, die ihm durchaus ähnlich sieht.

Mit einem Stipendium der DB, mit der sie die Verbindung zu den fünf deutschen Burschenschaften in Chile fördert, studierte er in dem südamerikanischen Land und wohnte bei der Burschenschaft Araucania Santiago de Chile, worüber er im DB-Verbandsorgan "Burschenschaftliche Blätter" berichtete. 

Im Jahr 2017 war er Landesgeschäftsführer der AfD Berlin und organisierte viele Parteiveranstaltungen, was in der Bundeshauptstadt mit einer großen linken Szene herausfordernd gewesen sein dürfte. Ebenfalls 2017 trat er erfolglos für die AfD als Direktkandidat in Berlin zur Bundestagswahl an. Im Jahr zuvor war er bei der Wahl für das Berliner Abgeordnetenhaus gescheitert.

Auf dem Bundeskongress der inzwischen aufgelösten "Jungen Alternative" (JA) im Februar 2018 hielt er eine Rede, in der er seine Sympathien für die "Identitäre Bewegung" bekundete: Sobald diese aus dem Fokus des Verfassungschutzes raus sei – "und da muss sie jetzt auch endlich raus" –, müsse natürlich auch der Abgrenzungsbeschluss auf den Prüfstand. So zitiert ihn 2019 der Verfassungsschutz in einem Gutachten "zu tatsächlichen Anhaltspunkten für Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung". Im Publikum kam er gut an und wurde in das Amt des stellvertretenden Bundesvorsitzenden der "Jungen Alternative" (JA) gewählt, das er bis April 2021 innehatte. Zuvor saß er bereits im Vorstand der JA Berlin. 

Mitarbeiter vieler rechter Abgeordneter

Mit markigen Sprüchen wie diesem im "Zeit"-Artikel macht Sobolewski auf sich aufmerksam: "Wenn ich das mal böse formulieren darf, würde ich sagen: Der Islam muss erst domestiziert und dann herausgezüchtet werden."

Dass Sobolewski nun für den baden-württembergischen AfD-Fraktionschef Rothweiler arbeitet, reiht sich in eine Vielzahl an Anstellungen für rechte Abgeordnete: Er war Mitarbeiter des bayerischen Bundestagsabgeordneten Stephan Protschka sowie der Europaabgeordneten Maximilian Krah und Tomasz Froelich aus Baden-Württemberg. Auch für die Wiener FPÖ-Europaabgeordnete Petra Steger soll er noch Anfang 2026 gearbeitet haben. 

Dazu ist er publizistisch in der extremen Rechten aktiv. Seit 2019 schreibt er für die neurechte Wochenzeitung "Junge Freiheit". Er berichtete aus Seattle, Sydney, Brüssel und Washington mit dem Schwerpunkt Ausland, vor allem auf Osteuropa und Südamerika. Kürzlich schrieb er ein lobendes Porträt des rechten chilenischen Präsidenten José Antonio Kast.

Weiße Deutsche sollen "tonangebend" bleiben

In einem Artikel für das rechte österreichische Magazin "Freilich" verteidigte Sobolewski im vorigen Jahr seinen ehemaligen Arbeitgeber Krah, nachdem dieser mit dem Lager um Götz Kubitschek aus Schnellroda gebrochen und gewisse Zugeständnisse an eine multikulturelle Realität gemacht hatte. Sobolewski stellt sich vor seinen ehemaligen Chef und schreibt, Krah spreche sich gegen Assimilation aus und wolle "das deutsche Volk in seiner ethnisch-kulturellen Identität erhalten", indem die weißen Deutschen "politisch und wirtschaftlich tonangebend" bleiben würden. Krah wolle "ein Deutschland – vielleicht auch ein Europa –, in dem das deutsche Volk als größte Ethnie das öffentliche Leben prägt und einer Koalition aus kleineren Ethnien vorsteht".

Auf eine Kontext-Anfrage zum Hintergrund seines Mitarbeiters reagierte der baden-württembergische AfD-Fraktionschef Rothweiler verärgert, Fragen ließ er unbeantwortet. Seine Mitarbeiter seien "keine Personen öffentlichen Interesses", schreibt er. "Ich äußere mich grundsätzlich nicht zu ihrem Privatleben – ob sie nun Hobbyhorsing oder Kampfsport betreiben, gleiches gilt für unbelegte Anschuldigungen und ehemalige Vertragsverhältnisse außerhalb meines Wirkungsraumes."

Dass der eher unauffällige Rothweiler Sobolewski beschäftigt, zeigt jedenfalls, dass auch er wenig Berührungsängste zu Personen mit einer ausgeprägten extrem rechten Biografie hat. Seinem Biedermann-Image ist das nicht gerade dienlich.

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