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Themenreihe "kurz und rechts"

Flammen des Hasses

Themenreihe "kurz und rechts": Flammen des Hasses
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Bei einem Brandanschlag auf ein Mehrfamilienhaus in Karlsruhe starben vor 30 Jahren drei türkischstämmige Bewohner:innen. Ein neuer Dokumentarfilm erinnert an sie, am 16. Oktober ist Uraufführung. Und: Bereits im August hielt die Kleinstpartei NPD ihren Landesparteitag ab.

In der Nacht zum 16. Oktober 1996 starben Fethiye und Alahittin Yilmaz sowie Hüseyin Evcim bei einem mutmaßlich fremdenfeindlichen Brandanschlag auf das einstige Hinterhaus in der Markgrafenstraße 41 in Karlsruhe. Das Verbrechen wurde trotz 30-köpfiger Sonderkommission, rund 250 verfolgten Spuren und 10.000 DM Belohnung nie aufgeklärt. 

"Die Stadt Karlsruhe hat dieses Verbrechen 30 Jahre lang verdrängt", sagt der Dokumentarfilmer Walter Brähler im Gespräch mit Kontext. "Auch die Medien hatten erstaunlich wenig über diesen Brandanschlag und die schnelle Einstellung des Verfahrens berichtet. Nur so konnte er bald schon in Vergessenheit geraten, nur so konnte verdrängt werden, dass Karlsruhe in den 1990er-Jahren möglicherweise ähnlich wie Mölln oder Solingen ins Fadenkreuz ausländerfeindlicher rechter Terroristen geraten war." Brähler kommt aus dem Pfinztal und arbeitete mehr als 30 Jahre als Journalist und Dokumentarfilmer für ARD, Arte, SWR und die Deutsche Welle. Glaubwürdigkeit ist für Brähler "keine Stilfrage, sondern Haltung und Verpflichtung", sagt er. Im Mai 2026 wurde der Journalist von der "Initiative für Respekt, Toleranz und Vielfalt in Pfinztal" mit dem Pokal "Die bunte Hand" ausgezeichnet. Brähler stehe für das Anpacken und den Schutz demokratischer Werte, hieß es in der Laudatio.

Grafik: Susanne Wais

Die Themenreihe "kurz und rechts" des Rechtsextremismus-Experten Anton Maegerle beleuchtet seit Ausgabe 793 alle zwei Wochen rechtsextreme Entwicklungen in Baden-Württemberg – und manchmal auch darüber hinaus.  (red)

Vor allem auch angesichts der aktuellen politischen Entwicklung sagt Brähler: "Die Stadt braucht eine lebendige Erinnerungskultur, damit später niemand sagen kann, er hätte es nicht gewusst."

Ein bis heute unbekannt gebliebener Täter hatte damals Feuer im Haus gelegt. Gegen vier Uhr erreichten die ersten Notrufe die Feuerwehr. Die 52 Jahre alte Fethiye Yilmaz verbrannte in ihrem eigenen Schlafzimmer, ihr drei Jahre älterer Mann Alahittin sprang aus dem Fenster und starb wenig später an den dabei erlittenen Verletzungen. Hüseyin Evcim, ein Nachbar der Eheleute, kam in den Flammen ums Leben. Der Täter hatte Brandbeschleuniger verwendet.

In der badischen Großstadt bestand damals die Kameradschaft Karlsruhe, der älteste organisationsunabhängige neonazistische Zusammenschluss in Baden-Württemberg. Die führenden Aktivisten pflegten Kontakte zu verschiedenen rechtsextremen Gruppen und Einzelaktivisten im Bundesgebiet. Eine Konstante in rechtsextremen Kreisen bis heute ist die Affinität sowohl zu Waffen als auch zu Gewalt: Am 31. Mai 1996 wurden bei Wohnungsdurchsuchungen im Neonazi- und Skinhead-Spektrum in Stutensee-Blankenloch bei Karlsruhe Waffen gefunden, unter anderem ein Abschussrohr für eine Panzerfaust.

Für das Jahr 1996 konstatiert das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Baden-Württemberg eine Zunahme an rechtsextremen Gewalttaten mit fremdenfeindlicher Motivation. Heute werden die 1990er-Jahre als "Baseballschlägerjahre" bezeichnet, eine Zeit, in der es besonders viele Vorfälle extremer rechter Gewalt gab.

Wenige Monate vor dem Tod von Fethiye, Alahattin Yilmaz und Hüseyin Evcim überfiel eine Gruppe jugendlicher Neonazis am 19. Juli 1996 im 40 Kilometer von Karlsruhe entfernten Eppingen (Kreis Heilbronn) den 44-jährigen Elektriker Werner Weickum. Er wurde von der Gang am Bahnhof von Eppingen ausgeraubt und zu Tode misshandelt. Zehn Täter im Alter von 15 bis 22 Jahren schlugen und traten solange auf den von der Schicht kommenden Arbeiter ein, bis er schwerverletzt liegenblieb. Schließlich stülpten sie dem Mann eine Plastiktüte über das Gesicht, er starb. Seine Leiche wurde von den Tätern außerhalb der Stadt in ein Gebüsch geworfen, wo sie zwei Tage später gefunden wurde. Im Juli 1997 verurteilte das Heilbronner Landgericht zwei 23 Jahre alte Mitglieder der Bande zu lebenslanger Haft. Die übrigen acht Angeklagten im Alter zwischen 16 und 21 Jahren erhielten Jugendstrafen bis zu achteinhalb Jahren wegen Mordes, Beihilfe oder unterlassener Hilfeleistung.

Während der Brandanschlag in Karlsruhe und die brutale Tat in Eppingen es kaum in die überregionalen Schlagzeilen schafften, sorgte ein Anschlag in Lübeck Anfang des Jahres 1996 für weltweite Schlagzeilen. Am 18. Januar wurde in der Lübecker Hafenstraße ein Asylbewerberheim in Brand gesteckt: Sieben Kinder und drei Erwachsene starben, 38 Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Es ist die schwerste und folgenreichste Brandstiftung in einer Flüchtlingsunterkunft in der Geschichte der Bundesrepublik. Bis heute ist nicht geklärt, wer das Feuer gelegt hat. 1998 gestand der Neonazi Maik W. die Tat und belastete seine Kameraden Dirk T., Rene B., Heiko P., zog dann aber seine Äußerungen zurück. Die Staatsanwaltschaft Lübeck stellte 1999 das Verfahren gegen die vier Männer ein.

Das Gedenken an die Brandopfer in Karlsruhe hat im Januar dieses Jahres mit der Einweihung einer Gedenkstele einen festen Ort im Stadtbild erhalten. Am 23. Januar 2026 wurde in der Residenz des Rechts vor der Markgrafenstraße 41 ein Erinnerungsmal eingeweiht. Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) und der türkische Generalkonsul Mahmut Niyazi Sezgin übergaben die Gedenkstele im Beisein vieler Angehöriger der Opfer der Öffentlichkeit. Für Kenan Yilmaz, den ältesten Sohn des ermordeten Ehepaars, ist das ein wichtiger Schritt: "Dieses Denkmal steht für Erinnerung und Verbundenheit", betonte der Familienvater bei der Feierstunde im Namen aller Angehörigen.

Es erinnere Passanten an "ein ganz schlimmes Verbrechen in der jüngsten Geschichte Karlsruhes", sagte OB Mentrup. Der "feige Anschlag" habe Menschen aus dem Leben und der Gesellschaft gerissen, die die Stadt bereichert hätten, erklärte das Stadtoberhaupt und betonte: "Wenn auch nichts beweisbar ist, besteht die Befürchtung eines vielleicht fremdenfeindlichen Anschlags weiter." Der OB verband das Gedenken mit dem Appell, "nicht denen zu folgen, die der Meinung sind, dass Migration die Wurzel aller Probleme ist". Vielmehr sei festzustellen, dass Migration "die Mutter alles städtischen Lebens" sei.

Generalkonsul Sezgin würdigte die Stele als "eine edle Geste der Stadtverwaltung". Damit werde drei Menschen Respekt erwiesen, die durch ihren gewaltsamen Tod ein Teil der Stadtgeschichte wurden. Gewalt in welcher Form auch immer, so der Appell des Generalkonsuls, "darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben".

Auf den Tag genau dreißig Jahre nach dem Anschlag, am 16. Oktober, laden das Generallandesarchiv Karlsruhe mit seiner Dokumentationsstelle Rechtsextremismus (DokRex) und der Journalist und Filmemacher Walter L. Brähler zur Uraufführung des Dokumentarfilms "Markgrafenstraße 41 – Das Feuer, das immer noch brennt" ein. Der Film erzählt die Geschichte der Familie Yilmaz über drei Generationen – von der Nacht des Anschlags bis in die Gegenwart.

Auf die Aufführung folgt ein Podiumsgespräch unter anderem mit Landtags-Vizepräsidentin Muhterem Aras, dem türkischen Vizekonsul Erdinc Tor, Elvin Yilmaz, der Enkelin der Opfer, und Filmemacher Brähler – über den Film, über die Familie und darüber, was Erinnern für Karlsruhe bedeutet. Brähler wünscht sich, dass die Ermittlungsbehörden noch einmal und diesmal genauer hinschauen, was damals geschah. Möglicherweise auch erfolgreicher als damals. "Ich möchte Gerechtigkeit für die Opfer und ihre Nachkommen und eine Sensibilisierung für die gravierenden Folgen rechtsterroristischer Gewalt über Generationen hinweg."

Die Uraufführung von "Das Feuer, das immer noch brennt" findet am 16. Oktober 2026 um 18 Uhr in der Dokumentationsstelle Rechtsextremismus im Generallandesarchiv Karlsruhe statt (Nördliche Hildapromenade 3, 76133 Karlsruhe). Den Film finanziert Walter Brähler selbst, Unterstützung ist willkommen. Zum Trailer des Films geht's hier.

Landesparteitag der Kleinstpartei NPD

Die 1964 gegründete Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) war bis zu ihrer Umbenennung in "Die Heimat" die älteste rechtsextreme Partei in der Bundesrepublik. Ihre große Zeit hatte sie in den 1960er-Jahren. Zwischen 1966 und 1972 war die NS-apologetische Partei in sieben Landtagen vertreten und erzielte dort 61 Mandate, dazu kamen fast 550 kommunale Mandate. Am 28. April 1968 erreichte sie bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg mit 9,8 Prozent ihr bis heute bestes Ergebnis.

Der Autor

Der Journalist Anton Maegerle recherchiert, sammelt und veröffentlicht seit mehr als 40 Jahren Informationen zum Thema Rechtsextremismus. Er ist einer der profundesten Kenner der Szene und hat ein riesiges Archiv. Teile davon hat Maegerle dem Generallandesarchiv Karlsruhe zur Verfügung gestellt. Sie sind Nukleus der Dokumentationsstelle Rechtsextremismus, die das Land Baden-Württemberg 2020 dort eingerichtet hat.  (red)

Im Juni 2023 nannte sich die NPD in "Die Heimat" um. Parlamentarisch und politisch ist sie heute bedeutungslos und spielt nur noch vereinzelt auf kommunaler Ebene eine Randrolle. Die AfD ist der alles bestimmende Akteur im extrem rechten Lager geworden.

Der NPD-Kreisverband Rhein-Neckar um Jan Jaeschke (Jahrgang 1990) trug ebenso wie Gleichgesinnte in Hamburg und dem Saarland die Umbenennung nicht mit. 2024 konstituierte sich auf Initiative von Jaeschke ein neuer NPD-Landesverband im Südwesten. Im gleichen Jahr wurde bei der Bundeswahlleiterin die NPD erneut als Partei eingetragen. Hamburg ist Sitz der Bundespartei, als deren Vorsitzender amtiert Lennart Schwarzbach. In Baden-Württemberg hat die neue NPD eine Mitgliederzahl im zweistelligen Bereich.

Der im nordbadischen Weinheim aufgewachsene Jaeschke gilt als politischer Ziehsohn des 2022 verstorbenen Weinheimers Günter Deckert, vormals NPD-Bundesvorsitzender und notorischer Holocaust-Leugner. Ende August wurde Jaeschke auf einem Landesparteitag in "Mittelbaden" im Amt des Landesvorsitzenden bestätigt. Jaeschke zur Seite als NPD-Landesvize steht Oberstleutnant a.D. Stefan Stängle. Gastrednerin des Parteitags war die "bekannte Aktivistin" Silvia Stolz. Die wegen Volksverhetzung vorbestrafte ehemalige Rechtsanwältin war einst persönliche und politische Weggefährtin des Hitler-Verehrers und Holocaustleugners Horst Mahler.

Die Truppe um Jaeschke macht gelegentlich mit Kleinstdemonstrationen auf sich aufmerksam. Sie kooperiert unter anderem mit den Kameradschaften Rheinhessen und Zweibrücken. Ausgeprägtes Feindbild in diesen Kreisen sind CSD-Demonstrationen. Tatsache ist, dass in den letzten Jahren die Zahl der Straf- und Gewalttaten gegen queere Menschen drastisch zugenommen hat.

Zuletzt organisierte der NPD-Landesverband Baden-Württemberg am 5. September eine Veranstaltungsreihe unter dem Motto "Fahrt für die Familie" in den Städten Rastatt, Offenburg und Lahr. Im Mittelpunkt stand die Kritik an der "fortschreitenden Zerstörung der deutschen Familie durch die 'kommunistisch unterwanderte LGBTQ-Community'". Aus Sicht der NPD schaden "Überfremdung" und "Regenbogenpropaganda" einem "zukunftsorientierten und gesunden Deutschland." In Offenburg bekam die Partei für solche Positionen viel Gegenwind: Einer Handvoll NPD-Demonstrierenden stellte sich eine mehrhundertköpfige Zivilgesellschaft entgegen.

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