Philipp ist 11 und kann den Schulalltag nicht ohne Schulbegleitung bewältigen. Er benötigt Unterstützung beim Abholen seines Rollstuhls vom Bus, beim Bereitstellen von Schulmaterialien, beim Essen und beim Toilettengang. Seine Mutter Stephanie Palm war selbst länger krank, die aktuelle Situation belastet sie sehr. Die Stadtverwaltung Stuttgart versteht das System der Unterstützung für Kinder mit Behinderung offenbar nicht richtig – so zumindest lässt sich das Gefühl von Palm und all den anderen Eltern von Kindern beschreiben, die seit Anfang Februar die Schule nicht mehr regulär besuchen können, weil ihnen die Schulbegleitung fehlt. Denn die Stadt hat dem dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) als Träger des Begleitungsangebots fristlos gekündigt. Als Grund nennt sie Unstimmigkeiten bei Rechnungen, Leistungen seien teils zweimal abgerechnet worden. Der ASB bestreitet das.
Sicher aber ist: Durch die Kündigung sind die gesamten Abläufe an sonderpädagogischen Schulen von heute auf morgen zusammengebrochen. Besonders stark betroffen ist die Helene-Schöttle-Schule mit 61 Kindern, die Margarete-Steiff-Schule mit 20 Kinder, sowie die Bodelschwingh- und die Gustav-Werner-Schule.
Denn erst nach der Kündigung beauftragte die Stadt neue Träger. Die müssen aber erstmal Personal finden. 63 Mitarbeitende wechselten vom ASB zu neuen Trägern und konnten so dieselben, ihnen bereits bekannten Kinder begleiten. Laut Schulverwaltungsamt waren nach einem Monat 121 von 146 Kindern wieder in der Schule, etwa die Hälfte von ihnen mit neuen Schulbegleiter:innen und noch in einer Hospitations-, also Probe- und Kennenlernphase. Die Verwaltung geht davon aus, dass sich der Schulbetrieb erst nach den Osterferien wieder stabilisiert.
Schwierige Zeit für Eltern und Kinder
Philipp musste zunächst drei Wochen zu Hause bleiben. Danach gab es eine erste Hospitationsphase mit einer neuen Schulbegleitung. Doch die Zusammenarbeit, die vor allem auf Vertrauen basiert, funktionierte nicht, nun wird wieder eine neue Begleitung für den Jungen gesucht. In dieser Zeit geht Philipp zwar zur Schule, ohne Begleitung aber hat seine Anwesenheit "nichts mit Lernen zu tun", sagt seine Mutter. Er komme sehr frustriert nach Hause. Die Lehrkräfte versuchen, ihn so gut wie möglich zu unterstützen, können dann aber ihre eigentlichen Aufgaben nicht erfüllen.




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