KONTEXT:Wochenzeitung
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Jeden Tag was Neues

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Heute kommt Folge 7. Und wenn dieses Editorial kommenden Mittwoch vom nächsten abgelöst wird, wird auf unserer Seite Folge 13 erschienen sein. Denn Kontext leistet sich in diesen bewegten Zeiten ein Novum: Unter dem Titel "Vorhang auf!" gibt es jeden Tag (statt nur ein Mal die Woche) etwas Neues. Einen Artikel von und für KünstlerInnen aller Art, die von Corona besonders empfindlich getroffen sind, weil sie derzeit an keinem Ort außer im virtuellen Raum auftreten können und somit kein Geld mehr verdienen. Die Sopranistin Theresa Szorek zum Beispiel, die ihr Stück mit dem saftigen Nieser noch in einem Kindergarten aufführte, bevor er geschlossen wurde. Oder Dorle Ferber, die vor Jahren eine Künstlerkommune im winzigen Ort Owingen-Taisersdorf angesiedelt hat, um das alternative Leben zu erproben. Sie sitzt momentan genauso fest wie alle anderen Kulturschaffenden.

Viele Einsendungen haben wir auf unseren Aufruf, Stücke für eine digitale Bühne bereitzustellen, erhalten. Und wir sind begeistert! Jeden Tag aufs Neue von der Vielfalt, die in unserem Postfach landet, von all den großartigen Videos, Musikstücken, Ideen und Performances. Viele werden in den kommenden Tagen und Wochen auf der digitalen Kontext-Bühne ihren Auftritt haben und Sie, liebe LeserInnen, haben einen Logenplatz in unserem Kulturersatzprogramm. Wenn Ihnen ein Stück besonders gut gefällt, scheuen Sie sich nicht, den Kunstschaffenden über deren Homepage ein paar freundliche Worte zukommen zu lassen oder den ein oder anderen Euro. Aktuell geht unser Vorhang auf für Elena Seeger und ihr "Fliegenlied".

Das Schöne, das Fröhliche und gut Gelaunte kann im Moment nicht hoch genug geschätzt werden. Wichtig aber ist, auch den kritischen Blick nicht zu verlieren, denn gerade Notsituationen wie die derzeitige können sehr gut instrumentalisiert werden. Das zeigt sich aktuell in Ungarn, wo Viktor Orbán nun per Dekret regiert. Oder im türkischen Edirne, wo Flüchtende unter widrigsten Bedingungen festsitzen und Corona schon früh als Begründung verwendet wurde, weshalb man sie nicht über die Grenze lassen könne. Und mitten in der Krise reißt die Wohnbaugesellschaft der Stadt Stuttgart Personalwohnungen für Klinikangestellte ab, weil sich mit Neubauten einfach mehr verdienen lässt als mit sanierten Wohnungen, die für Menschen in der Pflege bezahlbar sind. Allen Ernstes?

Corona hat längst auch die Finanzmärkte erreicht, und die Lage dort sieht übel aus. Laut dem Wirtschaftsexperten Gerhard Schick droht uns eine "globale Krise ungekannten Ausmaßes" – was insofern beunruhigt, als der Mann nicht als Alarmist bekannt ist. Unser Interview mit Schick in der aktuellen Ausgabe stellt den Auftakt einer Serie dar, in der wir zur Diskussion stellen wollen, was sich tun lässt, um Krisenfolgen insbesondere für ärmere Menschen abzumildern. Denn bei alledem zeigt sich eines immer klarer: Nach Corona wird es nicht weitergehen können wie davor. Diese Krise, so bleibt zu hoffen, bringt neben sehr viel Leid hoffentlich auch "ein neues Wir", wie es der Philosoph Michael Weingarten anmahnt.

Bis "danach" wird es noch dauern. Solange stellen wir von Kontext eine Forderung auf: Balkone sollten ein Menschenrecht werden! Hoch die Internationale Freisitz-Solidarität!


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