Mit 65.000 Mitgliedern die größte Partei, fest verankert vor Ort und besonders im ländlichen Raum, im künftigen Landtag wieder durch 56 von 157 Abgeordneten vertreten, die in ihren Wahlkreisen direkt, also mit relativer Mehrheit gewählt wurden: Damit könnte die Südwest-CDU fast an alte Hochzeiten anknüpfen und sich neu positionieren als Baden-Württemberg-Partei – nicht allein, sondern die Realität akzeptierend neben den Grünen.
Sie will aber faktenfern als Siegerin auftrumpfen. Und sich zugleich suhlen in dem Elend, das ihr die angeblichen Schmutzkampagnen ("Rehaugen-Video") bereitet haben in Gestalt von nullkommafünf Prozent Rückstand beim Landtagswahlergebnis. Dieser Stachel sitzt tief. Dass die Truppe um Manuel Hagel dennoch oder gerade deshalb nicht die Souveränität aufbringt, zum Wohle des Landes zügig zu verhandeln, lässt zum wiederholten Male auf einen Mangel an Format schließen. Dabei ist diese Trotzhaltung unpopulär, sie macht eigene Positionen klein. Und sie untergräbt – zu allem Überfluss aus Sicht der CDU-Bundesspitzen – den Anspruch auf ein Regieren auf Augenhöhe. Die Vorstellung, so seien Punkte beim Publikum und Druck auf den Koalitionspartner zu machen, ist abwegig und hochgradig unprofessionell.
Einer, der seinen Frieden nicht macht oder nicht machen möchte mit dem Wahlausgang, heißt Frank Nopper (CDU). "Schauen Sie sich die Baden-Württemberg-Karte an", fordert Stuttgarts Oberbürgermeister bei einem zufälligen Zusammentreffen die in der Karwoche auf der Stuttgarter Königstraße wartende Medienschaffende auf. "Die ist wieder schwarz mit ganz wenig Einsprengseln." Der eine spaziert munter durch die Stadt. Die anderen wollen an diesem Gründonnerstag die komplizierten Sondierungsgespräche zwischen Grünen und CDU im Haus der Katholischen Kirche nicht aus den Augen verlieren. Sie müssen weiter stundenlang draußen warten wie Wegelagerer, weil alle Appelle, die Journalistenschar angemessen arbeiten zu lassen, bisher abperlen an den Schwarzen.




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