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O Gott, Herr Schmid

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Wie Schröders Kinder die SPD in Baden-Württemberg an die Wand gefahren haben. Nils Schmids Ankündigung, Vorsitzender bleiben zu wollen, ist für unseren Autor das Signal, dass "das Elend weitergeht".

Der Befund am Wahlsonntag ist eindeutig: Die SPD im Südwesten ist keine Volkspartei mehr. Ihr Wahlergebnis bewegt sich in den Größenordnungen, die die FDP früher bei mittlerer Performance in Baden-Württemberg erreicht hat.

Das hat Ursachen: Die SPD Baden-Württemberg ist ab der Jahrtausendwende sukzessive von den sogenannten Netzwerkern übernommen worden, einer Truppe ausschließlich karriereorientierter JungberufspolitikerInnen mit einer starken ideologischen Bindung an den neoliberalen Mainstream und die Agenda-2010-Programmatik des Gerhard Schröder. Erhebliche Mitschuld an dieser Entwicklung tragen im Übrigen die Gewerkschaften und vor allem die IG Metall, die dieser Seilschaft vollständig das Feld überlassen haben, um sich stattdessen ausschließlich um Tarifpolitik und die Verwaltung ihrer Betriebsratsfürstentümer zu kümmern.

Im Ergebnis wurde so der soziale Markenkern der SPD aufgegeben und eine größtmögliche Distanz zur sozialdemokratischen Stammwählerschaft hergestellt. Die Definition eines sozial-ökologischen Projekts wurde den Grünen überlassen. Da es der neuen Partei Die Linke außerhalb der Universitätsstädte und einiger großstädtischer Zentren an personellem Unterbau und an entwickelten Organisationsstrukturen fehlt, konnte sie das SPD-Vakuum nicht ausfüllen. Stattdessen gelang es der AfD mit Unterstützung von Teilen der CDU, die soziale Frage mit einer rassistischen Thematik und der Furcht vor Überfremdung zu überlagern. Im Ergebnis hat die SPD – welch ein Menetekel – ihre Hochburg Mannheim an die AfD verloren.

Ein letzter, zwar kurzfristiger und im Prinzip behebbarer Grund des Debakels soll nicht unerwähnt bleiben. Die SPD hat sich mit der Machtübernahme durch die sogenannten Netzwerker bis hin zum Spitzenkandidaten und Parteivorsitzenden Nils Schmid ein Führungspersonal erschaffen, dessen Charisma und Authentizität in etwa dem Bild des strebsamen Oberprimaners entspricht. In einer Zeit, in der durch den Identitätsverlust der Parteien Personen und ihre Ausstrahlung von entscheidender Bedeutung sind, konnte das, wie auch bei der CDU, nur böse enden.

Die Ankündigung von Nils Schmid, Parteivorsitzender bleiben zu wollen, signalisiert im Übrigen, dass das Elend weitergeht. Nach der Tragödie kommt bekanntlich die Farce.

Ulrich Maurer (67) war Vorsitzender der SPD Baden-Württemberg (1987–1999) und Fraktionschef (1992–2001), mit Wahlergebnissen bis zu 33 Prozent. Der "rote Riese" ist 2005 aus der Partei ausgetreten und zur Linken gewechselt, für die er bis 2013 im Bundestag saß. Heute berät Maurer die Bundestagsfraktion der Linken sowie Gregor Gysi.


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22 Kommentare verfügbar

  • Martin Mendler
    am 23.03.2016
    Antworten
    Mein alter Chef meldet sich mit Ratschlägen zu Wort. Paar Körnchen Wahrheit stecken da auch drin. Etwa was Netzwerker anbelangt. Aber aus den Kindern des Ziehvaters Maurer sind eben auch solche geworden. Nun was zum Politischen: Die LINKE vom Uli hat 2,9 Prozent geholt. Ein klares Indiz dafür, wie…
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