Das reich bebilderte Werk ist mehr als ein Beitrag zur Regionalgeschichte. Es ist gerade in Zeiten einer spürbaren Krise demokratischer Gewissheiten ein kraftvolles Plädoyer für die Demokratie. Jörg Schweigard, Historiker und Journalist, rückt in seinem eben erschienenen Buch "Eine neue Ästhetik des Lebens – Wegbereiter der Moderne im Stuttgart der Roaring Twenties 1919–1933" Stuttgart als einen zentralen Schauplatz der Zwischenkriegsmoderne ins Licht. Und widerspricht damit implizit der Fixierung vieler Historiker auf Berlin. "Wenn man sieht, welche Persönlichkeiten in dieser Zeit in Stuttgart waren, dann muss man zugeben, dass es noch mehr liberale und fortschrittliche Städte in Deutschland gab", betont er im Gespräch mit Kontext. Tatsächlich entfaltet sich in seinem Buch ein vibrierendes Stuttgart-Panorama: eine Stadt als Experimentierfeld für neue Lebensformen, neue Kunst, neue Politik.
Die Jahre zwischen 1919 und 1933 erscheinen bei Schweigard nicht als bloße Vorgeschichte der Katastrophe, sondern als ein offener Möglichkeitsraum. Inspiriert vom Zeitzeugen Sebastian Haffner beschreibt er eine "neue Ästhetik des Lebens" – einen Aufbruch, der alle Bereiche durchdringt: von Architektur und Design bis zu Körperkultur und Sport, Medien und Alltagsleben. Keine Frage: Diese Moderne war eminent politisch. Sie stellte Gewissheiten infrage, rüttelte an Hierarchien und eröffnete neue Freiheiten.




0 Kommentare verfügbar
Schreiben Sie den ersten Kommentar!