Punkte gibt es für digitalen Außenauftritt und Karriereseite, "Modern-Work-Angebote & agile Unternehmenskultur", Mitarbeiterbewertungen und digitale Arbeitskultur, Zukunftsstrategie und Innovationsinvestitionen sowie digitale Stellenpräsenz und Technologie-Auszeichnungen.
Der Ton ist freundlich. Die Unternehmenskultur sei von "Vertrauen, Eigenverantwortung und partnerschaftlichem Miteinander" geprägt. Die Stadtwerke böten ein "motivierendes Arbeitsumfeld", der Bericht attestiert "technologische Exzellenz" und eine "wertschätzende Unternehmenskultur". Wer nur den Prüfbericht liest, könnte meinen, im Ludwigsburger Arbeitsleben seien die gröbsten menschlichen Probleme bereits gelöst.
Das klingt nach Gesprächen mit Beschäftigten, nach Betriebsbesuchen. Dokumentiert ist davon nichts. Im Kleingedruckten heißt es, sämtliche Angaben basierten auf öffentlich verfügbaren Quellen. Als Beleg für eine gute Arbeitskultur verweist der Bericht darauf, dass die Stadtwerke bereits andere Arbeitgeberauszeichnungen erhalten haben. In der "beeindruckenden Sammlung externer Auszeichnungen" erscheint sogar "Arbeitgeber der Zukunft 2026" – also genau jenes Siegel, dessen Vergabe der Bericht empfehlen soll. Ob das Punkte brachte, bleibt offen. Frühere Auszeichnungen sprechen jedenfalls für die neue, die danach selbst in der Sammlung landet.
Löhne, Befristungen, Arbeitsbelastung, Überstunden oder die Qualität der Mitbestimmung untersucht der Bericht dagegen nicht. Ein Siegel für gute Arbeitgeber lässt damit ausgerechnet das aus, woran Beschäftigte ihren Arbeitgeber messen.
Ein Geschäft mit Auszeichnungen
Das diind gehört zum Firmen- und Medienumfeld des Hamburger Unternehmers Jens de Buhr mit einem Hang zu Instituten und Auszeichnungen. De Buhr gründete 2006 das Deutsche Institut für Service-Qualität, DISQ, 2017 folgte das diind in die JDB-Gruppe. Auch das DISQ vergibt zahlreiche Auszeichnungen und lizenziert kostenpflichtige Testsiegel. Brigitte Zypries, Schirmherrin beim "Arbeitgeber der Zukunft", ist dort Vorsitzende des Beirats.
Die Prüfverfahren unterscheiden sich. Das DISQ nutzt etwa Kundenbefragungen und verdeckte Tests. Das darauf aufbauende Geschäftsmodell ähnelt sich dann bei beiden Instituten: Aus Auswertungen oder Untersuchungen werden Auszeichnungen, die sich lizenzieren lassen. Dazu kommen Medien, Veranstaltungen und Kommunikationsangebote aus demselben Umfeld, die die Wirkung der Auszeichnungen verstärken sollen.
Wie wichtig dieses Geschäft ist, beschrieb de Buhr im August gegenüber dem Branchenmagazin "Horizont" selbst. Die Siegelgeschäfte machten demnach rund 40 Prozent der immerhin achtstelligen Umsätze der JDB-Gruppe aus. Ein KI-gestütztes "Radarsystem" sammle Informationen über Zehntausende Mittelständler, identifiziere potenziell erfolgreiche Firmen und generiere personalisierte Mailings mit dem Angebot, sich als "Nominierte" um eines der Siegel zu bewerben. Stuttgart wurde per Mailing aufmerksam, die Stadtwerke wurden angesprochen. Ob dies über das beschriebene System geschah, ist offen.
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