Für die Brachfläche namens C-Areal in der Karlsruher Nordstadt sind schon viele Pläne geschmiedet worden: große Versprechen, immer neue Gesellschaften, ausbleibende Bauanträge, schließlich die Suche nach frischem Geld. Gebaut wurde nie.
Eigentlich sollte das Firmengeflecht um Christoph Gröner hier Wohnraum entwickeln. Doch der Bauunternehmer hatte zuletzt mit einer Reihe von Rückschlägen zu kämpfen: Insolvenzen, Gerichtsverfahren, ausbleibende Zahlungen, stillstehende Bauprojekte. Auf dem C-Areal sollen – so jedenfalls immer wieder bekräftigt – trotzdem Wohnungen entstehen, nun liegt es in den Händen der CGRE AG, die Entwicklung voranzutreiben.
Mit der Jussak A GmbH ist dort ein neuer Mehrheitseigner eingestiegen, ein Investor, hinter dem sich Hinweise auf den österreichischen Industriellen Hans Peter Haselsteiner und sein Umfeld verdichten. Über eine Kapitalerhöhung und Aktienkäufe sichert sich der Investor rund zwei Drittel der Anteile und bringt mindestens 30 Millionen Euro ein. Nach außen bleibt jedoch unklar, wer tatsächlich hinter dem Einstieg steht: Die Anteile werden über eine Stiftung mit Sitz in Liechtenstein gehalten, eine Konstruktion, bei der wirtschaftlich Berechtigte nach außen kaum nachvollziehbar sind.
Ein neuer Eigentümer und viele offene Fragen
Die Spur führt zugleich in ein Umfeld, das man aus anderen Immobilienkrisen kennt, etwa zum Sanierer Erhard Grossnigg, einem langjährigen Weggefährten Haselsteiners. Beide waren zuletzt auch im Umfeld der Signa-Insolvenz des Unternehmers René Benko aktiv: Grossnigg als Sanierer, Haselsteiner als Investor.
Die Struktur ist neu, das Muster vertraut: Kapital trifft auf Krise. Für das C-Areal bedeutete das bislang: nichts Sichtbares. Für mehrere Baufelder gibt es "keine Veränderungen". Bauanträge sind weiterhin nicht eingegangen. Lediglich für ein Baufeld bereite der Vorhabenträger derzeit einen Antrag vor, so die Stadtverwaltung Karlsruhe auf Kontext-Anfrage. Nun soll sich zumindest auf dem Gelände etwas bewegen. Nach Angaben der CGRE wurden Abbrucharbeiten beauftragt, die in dieser Woche beginnen sollen.
Noch wird nicht gebaut
Eigentlich war man schon weiter. Bauanträge waren angekündigt, Fristen gesetzt, Vertragsstrafen vereinbart. Die Stadt hat diese Strafen inzwischen geltend gemacht – ein Schritt, der zeigt, dass die Geduld begrenzt ist. Ob die Forderungen tatsächlich beglichen wurden, bleibt offen. In der Verwaltung verweist man auf laufende Verfahren, Details seien vertraulich.
Auch die Zeitachse ist verschwunden. Die Stadt kann weder sagen, wann gebaut wird, noch wann Wohnungen fertig sein könnten. Ein Projekt dieser Größenordnung und keine belastbare Perspektive. Die CGRE macht "die aktuelle Wirtschaftskrise" für die Verzögerung verantwortlich, die auf Investorenseite "finanzielle und strukturelle Neuordnungen" notwendig gemacht habe. Dabei ist die aktuelle Konstellation nicht neu. Dass die CGRE AG das C-Areal übernehmen soll, hatte Christoph Gröner bereits vor rund einem Jahr angekündigt. Erst jetzt hat die Stadt diesen Wechsel offiziell bestätigt. Ein Gespräch mit dem Vorstand um Ex-CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla habe stattgefunden.
Dass diese Strukturveränderung erst jetzt sichtbar wird, passt ins Bild eines Projekts, das sich seit Jahren eher verschiebt als entwickelt. Die CGRE kündigt Bauanträge "in den kommenden Monaten" an und stellt erste Genehmigungen für 2026 in Aussicht. Konkrete Zeitpläne, belastbare Termine oder detaillierte Finanzierungsangaben bleiben jedoch weiterhin aus. Für das Teilprojekt "Greenville" nennt die CGRE nun rund 700 Wohnungen. In früheren Planungen war von etwa 1.000 Einheiten die Rede – ein Hinweis darauf, wie stark sich das Projekt im Verlauf der Krise verändert hat.




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