Sie beraten die Bundesregierung: fünf Wirtschaftsweise aus dem Morgenland. Foto: Sachverständigenrat

Ausgabe 293
Wirtschaft

Die Sekte der Ökonomen

Von Jens Wernicke (Interview)
Datum: 09.11.2016
Die "Wirtschaftsweisen" sprechen gerne vom Wettbewerb. Nur für sie selbst gilt das nicht. Sie kennen nur eine Theorie, die Neoklassik, mit der sie das herrschende System absichern, sagt die Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann in ihrem neuen Buch.

Frau Herrmann, Ihr Buch trägt den Titel "Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung" – haben Sie jetzt die Seiten gewechselt?

Der Titel ist ironisch gemeint. Er spielt darauf an, dass in der heutigen Mainstream-Ökonomie der Kapitalismus überhaupt nicht vorkommt. Die sogenannte "Neoklassik" tut so, als würden wir uns in einer Art fiktivem Mittelalter befinden und als hätte es die Industrialisierung nie gegeben. In der herrschenden Theorie fehlt alles, was einen voll ausgereiften Kapitalismus ausmacht. Großkonzerne kommen nicht vor, auch die grassierende Spekulation wird ausgeblendet. Investitionen und Kredite spielen keine zentrale Rolle – ja selbst Geld und Gewinne sind völlig nebensächlich.

Also ein Glasperlenspiel im Elfenbeinturm.

Leider sitzen die Wirtschaftswissenschaftler nicht isoliert in einem Elfenbeinturm, wo sie keinen Schaden anrichten können. Im Gegenteil, sie sind so mächtig wie keine andere Disziplin. Sie beherrschen alle Expertengremien, beraten die Regierungen und lenken die Zentralbanken. Es ist nicht übertrieben: Die Irrtümer der Ökonomen kosten nicht nur Milliarden, sondern sogar Menschenleben. Allein die jüngste Finanzkrise hat weltweit Billionen gekostet. Dieser teure Crash war nur möglich, weil die Ökonomen eine Theorie vertraten, in der Finanzkrisen gar nicht vorkamen: Stattdessen wurde behauptet, dass die Finanzmärkte stets zur "Effizienz" und zum "Gleichgewicht" neigen würden.

Sie verstehen Ihr Buch als Brandrede gegen die Mainstream-Ökonomie, der sie blanke Ideologieproduktion vorwerfen.

Die heutige Ökonomie hat mit Wissenschaft nichts mehr zu tun – sondern ist eine Religion. Wer das Mantra vom Gleichgewicht nicht glaubt, kann an einer großen Universität keine Karriere machen. Alle wichtigen Lehrstühle sind von Neoklassikern besetzt. Deshalb ist auch nicht zu erwarten, dass sich die Ökonomie von innen erneuert. Generationen von Studenten werden indoktriniert: Derzeit sind in Deutschland 429 676 Studierende im Fach Wirtschaft eingeschrieben. Sie lernen nie, ihre Disziplin kritisch zu hinterfragen. Stattdessen müssen sie sich durch Lehrbücher quälen, die "Musteraufgaben" und "Musterlösungen" präsentieren – also suggerieren, dass es eine "Wahrheit" namens Neoklassik gäbe.

Aber es gibt doch viele verschiedene Schulen in der Ökonomie: Klassiker wie Adam Smith, Karl Marx und John Maynard Keynes haben sehr unterschiedliche Ansätze vertreten.

Zum Dogmatismus der Mainstream-Ökonomen gehört, dass sie die wichtigsten Theoretiker ihres eigenen Faches ignorieren. Adam Smith, Karl Marx und John Maynard Keynes werden an den Universitäten kaum, verzerrt oder gar nicht mehr gelehrt. Dabei haben diese Theoretiker ihre Disziplin begründet und umgewälzt. Ohne sie gäbe es die moderne Volkswirtschaftslehre überhaupt nicht. Natürlich waren Smith, Marx und Keynes auch Kinder ihrer Zeit, sodass manche ihrer Ideen durch die historische Entwicklung widerlegt wurden. Aber anders als die heutigen Ökonomen haben sie die wesentlichen Fragen gestellt – und sich in der realen Welt umgesehen.

Es müsste auch den Neoklassikern auffallen, dass sie mit ihrer Theorie zu kurz springen. Die Realität schlägt doch täglich zu.

Es hat eine politische Funktion, dass die Neoklassiker so nachdrücklich behaupten, dass die Wirtschaft stets zum Gleichgewicht tendieren würde: Dies entsorgt das leidige Thema "Macht". Plötzlich ist es keine Frage mehr, warum einige reich und viele arm sind. Jeder bekommt, was angeblich seiner "Leistung" entspricht. Die Neoklassik ist eine Theorie, die für die Privilegierten sehr bequem ist.

Können Smith, Marx oder Keynes erklären, warum die Armen arm und die Reichen reich sind und was dagegen unternommen werden kann?

Adam Smith hat bereits vor 240 Jahren klar erkannt, dass nicht die Intelligenz oder die "Leistung" erklärt, ob jemand arm oder reich ist. Stattdessen sah er genau, dass die Herkunft entscheidend ist – und dass Arbeiterkinder kaum Chancen haben. Karl Marx hat beschrieben, wie der Einsatz von Technik dazu führt, dass am Ende nur noch wenige Großkonzerne übrigbleiben, die ihre Branchen beherrschen. Der Wettbewerb wird ausgehebelt, und es entsteht ein Oligopol. Und Keynes hat erstmals die Macht der Finanzmärkte analysiert. Er gilt ja oft als "linker Spinner". Das ist eine völlig falsche Wahrnehmung. Keynes war selbst professioneller Spekulant und hat ein Vermögen von umgerechnet 22 Millionen Euro hinterlassen. Aber gerade weil er lebenslang mit Derivaten spekuliert hat, wusste er genau, dass man die Finanzmärkte sehr stark regulieren muss, wenn man verhindern will, dass eine kleine Elite sich auf Kosten der Mehrheit bereichert.

Wodurch entstehen Krisen und in welcher Situation befinden wir uns Ihrer Meinung nach?

Gefährliche Finanzkrisen entstehen immer dadurch, dass zu viele Kredite vergeben wurden. Dieser Schuldenberg lastet dann auf der Realwirtschaft. In genau dieser Situation befinden wir uns jetzt. Es hat sich eine "Superblase" aufgepumpt, die bis zum Zerreißen gespannt ist. Allen Bankern ist klar, dass es zu einer weiteren schweren Finanzkrise kommen wird. Genau deshalb ist jetzt die Angst so enorm groß, dass die Deutsche Bank in die Pleite schlittern könnte.

Aber wir wissen doch alle: Krisen gehören zum Kapitalismus.

Finanzkrisen lassen sich vermeiden: Man muss nur die Banken entmachten. Investmentbanken sind völlig überflüssig; Sparkassen reichen aus. Historisch lässt sich zeigen, dass das Wachstum immer dann am stärksten war, wenn es keinen "Freihandel mit Geld" gab, sondern Kapitalverkehrskontrollen dafür sorgten, dass man mit Devisen nicht spekulieren konnte.

Was ist von Smith, Marx und Keynes zu lernen?

Finanzminister Schäuble sollte unbedingt einmal Smith lesen, der schon vor 240 Jahren wusste, dass Exportüberschüsse unsinnig und extrem gefährlich sind. Smith war keineswegs ein radikaler Liberaler, obwohl die Neoklassiker immer so tun, als wäre er ihr Stammvater. Marx hat ganz klar gezeigt, dass der Kapitalismus keine Marktwirtschaft ist, weil es keinen Wettbewerb gibt – und auch nicht geben kann. Es ist daher extrem bedenklich, dass heute immerzu nach "Marktlösungen" gesucht wird und sich der Staat zurückzieht. In den letzten Jahren wurden fast alle öffentlichen Güter verkauft: Wasserwerke, Krankenhäuser, Elektrizitätswerke, Sozialwohnungen. Jetzt wird diskutiert, ob man auch die Autobahnen durch "Private-Public-Partnership" indirekt privatisiert. Besonders krass war die Riester-Rente, die exemplarisch zeigt, wer von diesen "Marktlösungen" profitiert: Die staatlichen Subventionen haben nur die Allianz und die Deutsche Bank reich gemacht. Von Keynes kann man lernen, wie ein Weltwährungssystem aussehen müsste, das die Devisenspekulation sofort beendet. Dieser Vorschlag ist brandaktuell: Momentan kreisen täglich fünf Billionen Dollar um den Erdball, um mit Währungen zu hantieren.

Wie streut man einer so großen und gut geölten Macht- und Propagandamaschine Sand ins Getriebe?

Ich setze auf Aufklärung. Mein Buch habe ich geschrieben, damit auch Nicht-Ökonomen verstehen, welche Theorien es gibt – und wie absurd der herrschende Mainstream ist.

 

 

Info:

Ulrike Herrmann, Jahrgang 1964, ist ausgebildete Bankkauffrau, hat Wirtschaftsgeschichte und Philosophie studiert, ist Wirtschaftskorrespondentin der taz und Autorin zahlreicher Bücher. Ihr neuestes ("Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung") ist im Frankfurter Westend Verlag erschienen, steht auf der Spiegel-Bestsellerliste und kostet 18 Euro. Am 10. 2. 2017 liest sie in der Stuttgarter Stadtbibliothek.


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11 Kommentare verfügbar

  • rudof
    am 02.02.2017
    Bin mehr oder weniger durch Zufall hier gelandet.
    Gefühlsmäßig redet fast jeder der Kommentatoren von einem anderen Kapitalismus . Findet sich bei Marx oder Smith dieser Begriff überhaupt?
    Wenn schon der Kapitalismus verschieden ist, ist das auch seine Negation. Zu Frau Herrmann schweige ich, da ich das Buch nicht kenne.
    Smith und Marx beschäftigten sich mit dem Kapital und nicht mit dem Kapitalismus und zwar in hervorragender Tiefe. Auch so Ricardo. In den vier Bänden des Kapital sucht man das Wort Kapitalismus vergebens, zumindest in den Sachwortregistern
    Ohne Kapital ist eine Wirtschaftsordnung 2017 nicht möglich. So auch bei Marx nachzulesen. Sofern eine Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, die auf dem Kapital basiert, der Kapitalismus ist, gibt es derzeit keine andere Möglichkeit der Wirtschaft. Wird der Kapitalismus auf die Eigentumsfrage reduziert, ist es schwieriger zu fassen. Wenn die Eigentumsfrage im Vordergrund stehen soll, wird es noch schwieriger, siehe Marx zur Frage der Aktiengesellschaft.
  • Peter der Kleine
    am 16.11.2016
    Ich denke Ulrike Herrmann hat völlig recht in diesen Belangen. Die vorherrschende Wirtschaftsordnung wird rein ideologisch vertreten und versteckt hinter einer naturwissenschaftlichen Fassade seine eigentlich unglaublichen Prämissen und Dogmen.

    Eine sehr interessante Lektüre zur Neoklassik und ihrer empirisch nicht haltbaren Grundlage hat auch Walter Ötsch mit "Mythos Markt" geliefert.

    Ich habe vor einiger Zeit einen Vortrag von Ulrike Herrmann mitverfolgt und finde den Buchtitel daher sehr passend. Sie erläutert sehr genau, warum sie einerseits glaubt, dass das Ende des Kapitalismus naht und andererseits, warum dieses Ende nicht sehr schön sein wird, da es keinen Plan für einen geordneten Übergang in Alternativsysteme gibt. So wie ich sie verstanden habe, ist das mit ein Grund, warum am Status Quo so krampfhaft festgehalten wird.

    Schwabe meinte weiter oben, ein "bisschen Kapitalismus" kann es nicht geben. Dem möchte ich zumindest teilweise dagegen halten, dass in den 1950er und 60er Jahren Vollbeschäftigung und Prosperität unter anderem deshalb so hoch waren, weil die Anstrengungen des kapitalistischen Wirtschaftens hauptsächlich in die Realwirtschaft (und daher Arbeitsplätze) geflossen sind und erst in den 70er Jahren (wieder) ein deutlicher Umschwung in Richtung Bevorteilung der Finanzwirtschaft (sprich Deregulierung der Finanzmärkte) begonnen hat.

    Manche behaupten, dass sei ein "natürlicher" Prozess innerhalb des Kapitalismus, aber es zeigt, dass er zumindest eine Zeit lang zähmbar und daher weniger zerstörerisch wäre. Dem Problem der systemimmanenten Produktivitätssteigerung damit aber auch nicht beizukommen.

    Insgesamt steht das System durch seinen Wachstumszwang vor unlösbaren Aufgaben. Meines Erachtens ist es keineswegs gesichert, wie zB der Club of Rome propagiert, dass ein durch Innovation getriebener, gerechter, ressourcenschonender und globaler Kapitalismus zu bewerkstelligen ist.

    Es wäre also extrem wünschenswert im Sinne einer friedlichen und halbwegs gerechten Zukunft, Wege zu finden, unsere Gesellschaft behutsam in mehrere der ja großteils als Modelle schon vorhandenen Alternativsysteme zu (beg)leiten.
  • Gela
    am 15.11.2016
    @Schwabe: nur ein kleiner Tip: Anführungszeichen bedeuten, dass etwas zitiert wird! Lesen Sie das , was Sie offenbar nicht verstanden haben, noch mal in aller Ruhe durch - so schwer ist es nicht! Den ironisch gemeinten Titel finde ich übrigens auch nicht so gelungen, aber Frau Hermann erklärt ihn doch.
  • Kontext:Wochenzeitung
    am 14.11.2016
    Wie schon in der Netiquette erwähnt, empfehlen wir, einen Artikel zu lesen, bevor man ihn kommentiert. Vorsicht, Süffisanz! Dasselbe gilt übrigens auch für Bücher. Und für Kommentare, auf die man sich bezieht. Das hilft oft.
  • Schwabe
    am 14.11.2016
    Ein amüsantes, phantasiereiches Feuerwerk der neu erfundenen (?) Begrifflichkeiten das hier abgefeuert und wie nicht anders zu erwarten, von Gela unkritisch übernommen wird.

    Gela versucht hier allen ernstes zu suggerieren, dass die "Mainstream-Ökonomie" (?) bzw. die "Neoklassik" (?) (beides meint wohl die heute vorherrschende Wirtschaftsordnung - also die Ideologie des Neoliberalismus) nichts mit dem ("voll ausgereiften" (?)) Kapitalismus zu tun hätten.
    Doch da kann sich Gela auf den Kopf stellen, die vorherrschende neoliberale Ideologie resultiert aus dem Kapitalismus und ist mit diesem somit untrennbar verbunden. Um davon abzulenken helfen auch noch so viele Nebelkerzen (z.B. neue Begrifflichkeiten/Erklärungsversuche) nicht.

    Anmerkung nochmal zum Buchtitel (Untertitel):
    Was macht es für einen Sinn, seinem Buch einen ironisch gemeinten Buchtitel (lt. Autorin) zu geben, wenn die Ironie für den potentiellen Käufer/Leser nicht erkennbar ist?
    Auch Marx und Keynes in einem Satz zu nennen bzw. von beiden gleichzeitig lernen zu wollen halte ich für nicht ganz unproblematisch. Denn dahinter verbergen sich m.E. sich grundsätzlich unversöhnlich gegenüberstehende Wirtschaftsordnungen.
  • Gela
    am 13.11.2016
    @ Schwabe: lesen Sie doch einfach mal den 1. Absatz des Interviews genau: "Der Titel ist ironisch gemeint. Er spielt darauf an, dass in der heutigen Mainstream-Ökonomie der Kapitalismus überhaupt nicht vorkommt. Die sogenannte "Neoklassik" tut so, als würden wir uns in einer Art fiktivem Mittelalter befinden und als hätte es die Industrialisierung nie gegeben. In der herrschenden Theorie fehlt alles, was einen voll ausgereiften Kapitalismus ausmacht. Großkonzerne kommen nicht vor, auch die grassierende Spekulation wird ausgeblendet. Investitionen und Kredite spielen keine zentrale Rolle – ja selbst Geld und Gewinne sind völlig nebensächlich. " - Also ganz einfach: Frau Hermann will mit dem Titel "Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung" kritisieren, dass nach ihrer Meinung in der neoliberalen Theorie reale fatale Erscheinungen und Folgen des Kapitalismus einfach ausgeblendet werden...
  • Schwabe
    am 12.11.2016
    Hervorragender Artikel bzw. Interview - vielen Dank!

    Was mich jedoch irritiert bzw. was ich für bedenklich halte ist der Titel "Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung". Dieser passt m.E. nicht zu dem hier geführten Interview und wird von Ulrike Herrmann als "..ironisch gemeint." erklärt.

    Zum Titel des Buches habe ich spontan mehrere Theorien (Theorien deshalb, da ich das Buch nicht gelesen habe):
    Erstens, Ulrike Herrmann meint ihn wirklich ironisch, dann stellt sie damit meines Erachtens den Inhalt ihres Buches auf den Kopf (wenn ich diesen mit dem Inhalt des hier geführten Interviews gleich setze).
    Zweitens, Ulrike Herrmann meint ihn wirklich ironisch und hat sich aus Feigheit (evtl. aus Vermarktungsgründen) nur nicht getraut im Titel auf eine notwendige Überwindung des Kapitalismus hinzuweisen (wenn ich den Inhalt des Buches mit dem Inhalt des hier geführten Interviews gleich setze).
    Drittens, Ulrike Herrmann meint ihn nicht ironisch, was m.E. bedeutet, dass mit dem Buch der Eindruck vermittelt werden soll, Denker wie Adam Smith oder Karl Marx schön und gut, doch sie haben unrecht (dann würde ich behaupten, dass der Inhalt des hier geführten Interviews einen falschen Eindruck vom Inhalt des Buches vermittelt).

    Sollte "Drittens" zutreffend sein (der Titel des Buches ist nicht ironisch gemeint) würde ich dagegen halten, das es "ein bisschen" Kapitalismus bzw. einen reformierbaren Kapitalismus nicht geben wird. Genau so wenig wie eine Frau nur "ein bisschen" schwanger sein kann. Das lehrt uns m.E. die Geschichte des Kapitalismus bzw. dessen begleitende Politik.

    Vielleicht kann Ulrike Herrmann ja etwas Licht in (mein) dunkel bringen.

    Abschließend von mir zu den sog. "Wirtschaftsweisen" (Sekte der Ökonomen):
    "...und wer nicht an mich glaubt wird stigmatisiert als Verschwörungstheoretiker, Spinner o.ä".
  • Kh
    am 09.11.2016
    Toller Artikel. UND noch viel toller, dass Sie überhaupt diesen Aspekt anreißen.

    Weiter so!
  • Fritz
    am 09.11.2016
    Ross und Reiter beim Namen genannt! Danke!

    Ja, die Geisteswissenschaft, die in ihrer Manie und totalitärem Anspruchsdenken wohl eher eine Geisteskrankheit ist, hat leider weite Teile der Politik und Wissenschaft infiziert. Und auch die Bevölkerung. So denkt man heute gern "effizient", rechnet "mit dem Cent" und "rationalisiert" sein Leben.

    Selbst das Humboldtsche Ideal der Bildung musste einem verlängerten Schulbetrieb im Namen der "berufsnahen Ausbildung" (Bachelor/Master) weichen. Damit die Betriebswirte endlich auch direkt in den Hochschulen Einfluss nehmen können.

    Oder ging es mehr darum, daß Humboldt noch den "gereiften Charakter" am Ende der Lernphase des Studiums im Sinn hatte und nicht nur die "Leistungseinheit"?

    Wie auch immer, die Scheuklappen des betriebswirtschaftlichen Denkens (im Gegensatz zur so gern verachteten Volkswirtschaft) schaden dem Gemeinwohl im Sinne einer Eisenbartschen Kur schon seit Jahrzehnten! Z.B. auch durch Lohnverzicht bzw. -drückerei, Steuervermeidung (und -hinterziehung) mit allen legalen Tricks. Geisteskrank sind da nur die, die diese Kriminellen bekämpfen.

    Und nicht zu vergessen die puren Sozialverachtung in Gesetzesform für alle Armen, Schwachen und Arbeitslosen namens "Hartz IV". Von der gemeingefährlichen - im Gegensatz zu gemeinnützigen - Bertelsmann Stiftung der SPD (unter Schröder) und den Grünen (unter Fischer) angedient und von der noch viel willigeren CDU (unter Merkel) bis heute mit aller Entschlossenheit fortgesetzt. Damit das Ende der wirtschaftlichen Nahrungs-, äh, Verwertungskette seinen Platz kennt und behält.

    Ganz an der "Spitze" dieses Pyramidenspiels wiederum stehen die Chefideologen, die Überwesen und Überweisen, die von den Medien so gern als die "Wirtschaftsweisen" bezeichnet werden. Was für ein Knuddelwort! Und was für ein Blendwerk dahinter!

    Denn wenn die Medien schon mit Vorliebe die habgierigen Soziopathen im Management als "Vorbilder" anpreisen, dann müssen es hier im gleichen Masstab die weltfernen und fixierten Spinner in ihrem sicheren Elfenbeinturm der C4-Professur sein. Die sind quasi auf Staatskosten unfehlbar.

    Und den totalitären Anspruch ihrer Religion konnte man in den letzten Jahrzehnten auch zur Genüge erleben. Allein schon wenn der Hosenanzug die Verankerung des "Rechts auf Privateigentum" in eine europäische Verfassung forderte. Ja, da wird dann nämlich jeder Kritiker daran automatisch zu einem Verfassungsfeind. Für all die Zeitgenossen, die nicht in einem totalitären Staat aufgewachsen sind (und zu einem Sonderstudium in der UDSSR gezwungen wurden).

    So ist dann jeder Kritiker an diesem Wahn automatisch ein "Linker", "Spinner" und "Systemfeind" (= Terrorist).

    Denn die Götter aus den Höhen ihres (mental) zutiefst einseitig umwölkten Olymps können nicht fehlen! Nur - gelegentlich - vielleicht - einmal daneben liegen.

    Amen.
  • Peterwmeisel
    am 09.11.2016
    Dieser Text ist absolut richtig, danke. Wenn Mainstream Politiker solchen ignoranten "Betriebswirtschaftlern" glauben und per Agitation und Propaganda die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) verfallen, dann erleben wir die Marktkonforme Demokratie von Frau Merkel.
    Diese Sicht ist viel zu eng für eine Volkswirtschaft. Zumal das Volk in einer Demokratie, vom Zorn geweckt aufwacht und Alternativen wählt (gr. Demos = Volk, kratein = Macht).
    In Deutschland ist vor 2 Jahren die AfD aufgetaucht und seit heute haben die USA auch ihre Alternative für Amerika, AfA? Die Politik hat das Volk ignoriert!
    Zu meiner Zeit 1968 wurden die oben zitierten Ökonomen an der Uni Heidelberg noch gelehrt.
    Zitat: "Zum Dogmatismus der Mainstream-Ökonomen gehört, dass sie die wichtigsten Theoretiker ihres eigenen Faches ignorieren. Adam Smith, Karl Marx und John Maynard Keynes werden an den Universitäten kaum, verzerrt oder gar nicht mehr gelehrt. Dabei haben diese Theoretiker ihre Disziplin begründet und umgewälzt.
    Mit Blick auf Griechenland hätte jeder Ökonom dies erkennen müssen.
    Mir ist deshalb ein Plakat zum Anliegen geworden, weil es die zitierten Widersprüche darstellt.
    https://www.dropbox.com/s/lnt4hg9iiye57k0/Screenshot%202015-10-24%2019.53.30.png?dl=0
    Der Mittelpunkt "Eine Titanik pro Woche" stammt von CHARLIE HEBDO.
  • Krüger
    am 09.11.2016
    Peter Bofinger ist anderer Meinung!

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