KONTEXT:Wochenzeitung
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Kontext-Fest in der Kulturinsel Bad Cannstatt

Wir hauen weiter auf die Kacke

Kontext-Fest in der Kulturinsel Bad Cannstatt: Wir hauen weiter auf die Kacke
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 Fotos: Jens Volle 

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Heiß ging es her am vergangenen Wochenende. Kontext trotzte der Hitze und feierte den 15. Geburtstag. Es wurde ein herrliches Fest.

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Zum Wochenbeginn kam die ersehnte Abkühlung in Stuttgart, die Temperatur blieb unter 30 Grad, nachdem am Wochenende in ganz Deutschland und auch in der Landeshauptstadt Hitzerekorde gemessen worden waren. Fast 40 Grad zeigte das Thermometer am späten Samstagnachmittag an. Tipps, wie diese Hitze zu überstehen ist, gab's vergangene Woche zuhauf. "Eine Siesta ist bei mehr als 30 Grad eine gute Idee", hieß es etwa in der Landarzt-Kolumne der FAZ und die "Süddeutsche Zeitung" riet, kühle Plätze aufzusuchen, etwa Kirchen – oder gar Friedhöfe, wenn es dort Trinkwasserbrunnen gibt.

Für Stuttgarterinnen und Kontext-Liebhaber gab es am Samstag eine seltene Gelegenheit, um sich eine Abkühlung zu gönnen – ohne Friedhofsstimmung, ganz im Gegenteil. Während scheinbar sämtliche Veranstaltungen wegen der Temperaturen flachfielen (lustigerweise auch der Bevölkerungsschutztag), feierte Kontext seinen 15. Geburtstag in der Kulturinsel. Mit vielen Gästen, darunter Stadträtinnen und Bezirksbeiräte und sogar ein amtierender und ein ehemaliger Landesminister. Ja, zwanzig oder dreißig Gäste mehr hätten noch Platz gehabt – aber so war's auch sehr schön.

Wer die Rampe zu den kühlen Kellerräumen der Kulturinsel hinabstieg, spürte schlagartig den Temperaturunterschied zu draußen. Und kam gleich richtig in Schwung, zumindest wenn gerade Volker Lösch auf dem Bildschirm im Eingangsbereich im Stakkato gratulierte. Er sandte eine der 13 Videogrüße, die dort zu sehen waren, und wünschte Kontext "ewiges Bestehen". Seine Aufforderung "haut rein, besauft euch, feiert, haut auf die Kacke" haben zum Glück nicht alle so wörtlich genommen. Wer weiß, was sonst passiert wäre. Besonders freute uns, dass wir zwei Oberbürgermeister für Geburtstagsgrüße gewinnen konnten: Frank Nopper (CDU) aus Stuttgart und der parteilose Boris Palmer (früher Grüne) aus Tübingen merkten in ihren Videos zwar an, dass sie nicht immer mit der Kritik von Kontext zufrieden seien – aber doch froh, dass es uns gibt. Und wer Lust hatte, konnte selbst auf einer Leinwand Grüße für Kontext hinterlassen: "Weiter so!" und "Kritisch bleiben", ist darauf zu lesen.

Von wegen Pleite!

Gesprochen wurde nicht nur in Videos, sondern natürlich auch auf der Bühne im Innenhof – schließlich gibt es viel zu erzählen nach 15 Jahren Zeitungsgeschichte. Als Kontext-Mitgründer eröffnete Josef-Otto Freudenreich das Programm. "Unabhängig in die Pleite", zitierte er den Titel eines "Zeit"-Artikels aus dem Jahr 2012: Damals stand Kontext kurz vor dem Aus und konnte nur dank vielen kleinen und einer sehr großzügigen Spende gerettet werden: "Weil wir euch hatten, euch, die wollten, dass wir leben." Und siehe da: 14 Jahre später gibt es Kontext noch immer – nicht reich, aber auch nicht kurz vor der Pleite. Die gesamte Rede findet ihr hier. Noch mehr Kontext-Stationen und historische Ereignisse, etwa die Volksabstimmung zu Stuttgart 21 oder die Corona-Zeit, waren auf dem Zeitstrahl von 2011 bis heute abgebildet, der im Flur studiert werden konnte.

Aus Berlin in ihre alte Heimat angereist ist Barbara Junge, eine der drei taz-Chefredakteurinnen. Immer wieder bekomme sie zu hören, die Kontext sei so, wie die taz sein sollte – da bekamen wir ganz rote Ohren. Und Junge erinnerte an unseren Gründungsmythos, ein Thema, das nach wie vor eng mit der Kontext-DNA verwoben ist: Stuttgart 21. Die Kontext-Wochenzeitung hätte es "ohne den Protest gar nicht so lange gegeben", sagt sie. Insofern habe "dieser Griff ins Klo" – der Tiefbahnhof, nicht der Protest dagegen – ja doch eine gute Sache bewirkt. Barbara Junges vollständige Rede findet ihr hier. Anstifter und Kontext-Kolumnist Peter Grohmann wünschte der Redaktion in seiner Laudatio im Stile einer Fernseh-Liveschalte "himmlischen Frieden". Später saß die Redaktion dann selbst auf der Bühne und erzählte Anekdoten aus dem Berufsalltag: über Begegnungen mit Markus Söder oder Otto Walkes und – natürlich – S 21.

Keine langen Redebeiträge sollten den Tag dominieren. Vielmehr ging es um das Beisammensein drumherum. Das Duo Malmzeit, Jochen Neuffer (alias Sumatra Bop) und Jörg Scheller (alias Earl Grey), brachte uns zur Tea-Time ihren "Kammermetal" näher – ihre Losung: Make metal small again. DJ Joe Whirlypop legte, anders als ursprünglich geplant, drinnen bei der Bar auf. "Weil sonst die Platten schmelzen", wie Kontext-Redakteurin und Moderatorin Gesa von Leesen erklärte.

Viel zu sehen – außer Politnasen

Nicht schlimm, so gab's zur Ausstellung unserer Fotografen eine musikalische Umrahmung. Die besten Bilder aus 15 Jahren Kontext zu Kultur, Protest, Arbeit und Sozialem waren an den Wänden und Säulen zu sehen. Nur keine Politnasen – die sehen Sie in unseren Ausgaben ohnehin genug, meinten Martin Storz, Joachim E. Röttgers, Jens Volle und Julian Rettig, die ehemaligen und aktiven Knipser unserer Redaktion.

Wer sich lieber draußen aufhielt, konnte per Siebdruck einen Beutel mit dem Kontext-Logo oder dem Küken aus unserer Volontariatskampagne (gezeichnet von Redakteur Oliver Stenzel) verzieren. Für Engagierte und Interessierte haben das Freie Radio Stuttgart, die Anstifter, die Omas gegen Rechts, das Umsonst & Draußen, die Hoffnungsmacher, die Kulturgemeinschaft und das Netzwerk gegen die Bezahlkarte für Geflüchtete Infotische hergerichtet. Hervorragende afrikanische Speisen wie Samosa gab es beim Essenswagen von Kahombo. Daneben ging bei Psyfood liebt dich Dal mit Fladenbrot und veganem Çiğ Köfte über die Theke. Wer sich abkühlen wollte, konnte sich bei der Gefriertruhe am Eis bedienen. Oder, wie es Redakteur Minh Schredle vormachte, sich so lange unter die Wassernebelanlage stellen, bis man tropfte.

Unser Fazit: Es war herrlich. Niemand ist umgekippt und alle strahlten gute Laune aus. Und so bleibt uns nur, danke zu sagen: an die Kulturinsel und ihre Mitarbeiter:innen für diese tolle Location und Bewirtung. An alle Redner:innen, an die Engagierten an den Infoständen, an die Musiker, den DJ. An Lisa Salway und Renate Winter-Hoss aus der Kontext-Verwaltung, die das Fest hervorragend geplant haben. Und – last, but not least – vielen Dank an Sie, unsere Kontext-Community. Hoffentlich können wir noch einige Geburtstage mit Ihnen feiern!

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