Schimmel über der Kochnische, an Fenster und Türrahmen, an der Wand direkt beim Bett. Der Bewohner dieser Wohnung, der anonym bleiben will, ist einer von über 500 Studierenden, die in den vier Gebäuden des Wohnheims Pfaffenhof 1 direkt am Campus leben – und sein Schimmelbefall ist kein Einzelfall. Der studentische Tutoriumsverein des Wohnheims, der Veranstaltungen auf die Beine stellt und eigentlich für ein geselliges Zusammenleben sorgen will, hat sich mit einem Hilfegesuch an die Presse gewendet: "Die Bausubstanz ist sehr heruntergekommen, es schimmelt in so gut wie allen Häusern an mehreren Ecken in den Bädern und auch in den Küchen", heißt es in einem Schreiben an die Redaktion. Dutzende Fotos untermauern den Vorwurf.
Christoph Ströhle und Bianca Hewage am Pfaffenhof 1. Foto: Julian Rettig
Ende Mai trifft sich der Bewohner mit Kontext am Wohnheimkomplex. Mit dabei sind Bianca Hewage, Vorstandsmitglied vom Tutoriumsverein, außerdem Christoph Ströhle sowie Christopher Szesny von der Studierendenvertretung der Universität Stuttgart (Stuvus). Gemeinsam führen die Studierenden durch mehrere Häuser, zeigen den Zustand in Küchen, Zimmern und die von Flurgemeinschaften genutzten Duschen. "Es ist quasi jedes Bad verschimmelt", erklärt Ströhle, der maßgeblich daran beteiligt ist, diese Zustände an die Öffentlichkeit zu tragen. Er vermutet, dass es an feuchten Wänden liege, die Wohnungen im Souterrain seien besonders stark betroffen. Wenn nur kleinere Schimmelflecken zu sehen sind, kommentiert Ströhle trocken, das sei noch ein gutes Bad oder Zimmer. Inzwischen sei man Schlimmeres gewohnt.
Der Pfaffenhof 1 ist eines von sieben Wohnheimen, die der Vereinigung Stuttgarter Studentenwohnheime (VSSW) gehören. Der Verein wurde Ende der 1960er Jahre von Mitgliedern der Universität gegründet, um dringend benötigten Wohnraum für Studierende zu schaffen. Laut der Webseite gehören der VSSW insgesamt über 2.500 Wohnplätze. Der Verein ist gemeinnützig, muss also keine Körperschaft- und Gewerbesteuer zahlen, und sein Ziel ist laut Satzung "die ideelle und finanzielle Förderung von Studenten". Die Vereinigung sei "selbstlos tätig" und verfolge "nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke".
Auf Beschwerden folgen Drohungen
Das klingt zunächst nicht schlecht. Doch schon in der Vergangenheit gab es Kritik am Verein. Bis 2019 verwaltete noch das Studierendenwerk im Auftrag der VSSW das Pfaffenhof-Wohnheim und zwei weitere Wohnheime. Dann kam es zur Auseinandersetzung zwischen beiden Organisationen, wie die "Stuttgarter Zeitung" damals berichtete. Das Studierendenwerk hatte demnach Sanierungen angemahnt, die VSSW abgewiegelt – und übernahm die Bewirtschaftung der Wohnheime kurzerhand selbst.




0 Kommentare verfügbar
Schreiben Sie den ersten Kommentar!