Manchmal ist es schwer, die Welt zu verstehen, gerade in diesen Tagen. Und wenn es um Stuttgart und hier konkret um das Thema Wohnraum geht, wird es noch schwieriger. Eigentlich sind sich alle einig, auch die Vertreter:innen demokratischer Parteien in der Stadt: In der baden-württembergischen Landeshauptstadt gibt es zu wenig Wohnungen überhaupt und noch viel weniger bezahlbare Wohnungen. Deutschlandweit fehlen nach einer Studie des Pestel-Instituts 1,4 Millionen Wohnungen, in Stuttgart sind es rund 2.000. Also müsste eigentlich gebaut werden, was das Zeug hält. Wird aber nicht. Dabei fehlt es gar nicht an Flächen für den so dringend nötigen Wohnungsbau. Der Beweis? Das Baulückenkataster der Stadt. Dort sind alle möglichen nicht genutzten Bauflächen für Wohnungen und Gewerbe mit roten und blauen Pünktchen markiert. Das sind gar nicht so wenige. Fast alle sind aber in Privatbesitz und wer bauen will, braucht das nötige Kleingeld dafür. Das ist bei den schon explodierten Baupreisen heutzutage gar nicht so einfach. Und Baugebote, also die im Baulandmobilisierungsgesetz vorgesehene Verpflichtung zum Bauen, sind wegen des Eingriffs ins Eigentum rechtlich schwierig.
Nicht gebaut wird aber nicht nur auf Privatgrundstücken. In der Landeshauptstadt gibt es einige große Flächen, sogar in besten Innenstadtlagen, die der öffentlichen Hand gehören, die bebaut werden könnten – und auf denen seit Jahren nichts passiert. Dazu gehört jetzt auch das Schoettle-Areal, 1,5 Hektar im Stuttgarter Süden, das nach dem Wegzug von Statistischem Landesamt und Universität nun anders genutzt werden sollte. Das Areal ist dank der Initiative Schoettle-Areal seit geraumer Zeit im Fokus der Öffentlichkeit und der Kommunalpolitik, entsprechend viel wurde schon darüber berichtet. Über andere Areale wird dagegen gerne geschwiegen. Zwei Beispiele:
Das Ostend-Areal liegt und liegt und liegt
Für das Ostend-Areal der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), auch mal SSB-Areal oder Depot-Areal genannt, sind in den vergangenen 20 Jahren schon viele Pläne gemacht worden. Es geht dabei um den Innenbereich des außenherum bebauten Quartiers. Dort war schon betreutes Wohnen mit Pflegemöglichkeit vorgesehen sowie auch einiges andere mehr. Im Juni 2023 stellte die SSB das Ergebnis eines Architekturwettbewerbs für das Ostendplatz-Areal vor: unter anderem mit 180 Wohnungen, Fläche für die Stadtteilbibliothek Ost und auch einem neuen Wochenmarkt-Platz. Bei der damaligen Präsentation hieß es, das Areal solle bis 2027 oder 2028 bebaut werden. Passiert ist seitdem nichts. Der Grund: Innerhalb der SSB gab es eine Blockade gegen einen Verkauf, weil ursprünglich auf dem Gelände mal günstige Wohnungen für SSB-Mitarbeiter:innen entstehen sollten. Mittlerweile ist diese Frage offenbar gelöst.




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