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Klimaprotest in Oberschwaben

"Wir behalten uns natürlich vor, auch andere Flächen zu besetzen"

Klimaprotest in Oberschwaben: "Wir behalten uns natürlich vor, auch andere Flächen zu besetzen"
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 Fotos: Klimaaktivist*innen aus Ravensburg 

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Im traditionell tiefschwarzen Oberschwaben hat sich eine Klima-Apo etabliert. Der Altdorfer Wald, wo sich Kiesgruben zu Gunsten der Geldvermehrung ausbreiten sollten, ist seit dem Februar 2021 besetzt. Aktivist Samuel Bosch war von Anfang an dabei. Ein Protest-Jahr in Bildern.

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Bauwut und Flächenfraß sind keine exklusiven Großstadt-Phänomene. Auch im ländlichen Raum "reißen Straßenbauten, Autobahnzubringer die weichhügelige Wiesenlandschaft auf, Fahrzeuge bleiben hinter uniformen Garagentoren versteckt, auf Brachland erheben sich gewaltige Silobauten, Lagerhallen verströmen das gesichtslose Flair von Industrieansiedelungen, überall aufgeräumte Zweckmäßigkeit". So beschrieb der Schriftsteller Peter Renz 2015 seine Heimat in Oberschwaben, die er kaum wiedererkannte: "Ein nüchterner Blick entdeckt eine schleichende Metamorphose, die unser gewohntes Bild von dörflicher Welt zersetzt." 

Sieben Jahre später ist es mit der Naturvernutzung nur noch schlimmer geworden. Doch regt sich etwas im strukturkonservativen Raum. Denn wo sich wertvoller Waldboden in Kiesgruben für volle Kontostände verwandeln soll, ist inzwischen fest mit Protest zu rechnen. "Ende 2020 hatte ich im Augsburger Klimacamp und im Danneröder Forst das Klettern gelernt", berichtet der Aktivist Samuel Bosch. Er gehörte zu den ersten, die vor einem Jahr auf die Wipfel im Altdorfer Wald stiegen – von den AktivistInnen liebevoll "Alti" genannt –, und sich am Baumhausbau beteiligte. Er will nicht nur gegen die profitgetriebene Rodung von Waldstücken protestieren. Auch wie der Regionalplan für Bodensee-Oberschwaben fortgeschrieben werden soll, stellt für ihn und Gleichgesinnte ein Ärgernis dar. 

Im Plan werden die Leitplanken für die wirtschaftliche Entwicklung der Region in den kommenden 15 bis 20 Jahren festgelegt. Doch trotz einer bereits einsetzenden Klimakatastrophe muss der Umweltschutz zurückstehen, geht es doch "primär darum, das uneingeschränkte Wachstum der Gemeinden und verschiedener Industrien weiter zu ermöglichen", wie Bosch kritisiert. Also haben er und weitere AktivistInnen im Februar 2021 angefangen, nicht nur zu protestieren, sondern auch den Dialog mit politischen MandatsträgerInnen zu suchen. Dabei kamen sie mit BürgermeisterInnen aus Ravensburg und der Umgebung ins Gespräch. Boschs Fazit: "Hierbei zeigte sich, dass sie den Ernst der Lage noch nicht verstanden haben."

Also geht es weiter mit Aktionen – darunter durchaus kreative, etwa ein Theaterstück, angelehnt an Don Quijote, das den Einsatz für Klimaschutz als Windmühlenkampf darstellt. Doch auch wenn noch viel zu wenig und das wiederum zu langsam passiert, ist für Bosch und die oberschwäbische Klima-Apo klar: Ihr Engagement für intakte Lebensgrundlagen muss weitergehen. In dieser Schaubühne haben die AktivistInnen unserer Redaktion Bildmaterial ihrer Aktionen zur Verfügung gestellt. Am 25. Februar wird die Dauerbesetzung im Altdorfer Wald genau ein Jahr alt. "Wir behalten uns natürlich vor, auch andere Flächen zu besetzen, wenn es nötig wird", stellt Bosch klar.


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