Grünes Messe-Parkhaus über der A8, eine von Ambers Visionen für Stuttgart. Weitere mit Klick auf den Pfeil.

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Das Stuttgarter Rathaus, vollends ergrünt ...

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... wie auch vis-à-vis die Einkaufsmeile am Marktplatz.

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Grün wie der Reichstag.

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Oder die City in Frankfurt.

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Ein Beispiel aus der Wirklichkeit, begrünt von Vera Enzi.

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Ebenso real: dieser Dachgarten in Wien.

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Der Bosco Verticale, senkrechter Wald, in Mailand.

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Diese Buche.

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Ausgabe 399
Schaubühne

Bäume auf die Dächer, Wälder in die Stadt!

Von Conrad Amber (Text und Fotos)
Datum: 21.11.2018
Wird ein Baum gefällt, wissen meist weder Handelnde noch Verantwortliche, welche Tragweite das hat. Naturfotograf Conrad Amber zeigt sie auf, in Wort und Bild. Der Mann mit Herz für Baumriesen reist als Vorkämpfer für bewaldete Städte durch die Lande. In Stuttgart hat er Station gemacht und ein paar Visionen mitgebracht.

Die gute Nachricht zuerst: Ich glaube an die Machbarkeiten, an den Erfindungsreichtum der Menschen. Ich werde immer wieder überrascht, welche genialen Lösungen erfunden und erdacht werden. Wir hatten – noch keine 30 Jahre her – das Waldsterben ausgelöst durch den sauren Regen, der wiederum durch uns verursacht wurde und die dramatische Verschmutzung unserer Fließ- und Stillgewässer, in welchen das Baden verboten, ja manchmal lebensgefährlich war. Beide Herausforderungen haben wir recht gut in den Griff bekommen.

Aber was draußen in der Natur passiert, wie Pflanzen und Tiere als eigenständige, ja selbstbestimmte Lebewesen "funktionieren", das haben wir verlernt oder gar nie richtig verstanden. Wir haben die Formensprache der Natur verlernt und sie durch unsere Ordnungssprache ersetzt. Wir brauchen Übersicht, Ordnung, Sauberkeit und – vielleicht – Digitalisierung. Überall, wo etwas wächst und lebt, wird verdrängt, reguliert, geschnitten, gestaltet, geformt, gezüchtigt, gerodet, vernichtet, entfernt!

Es dauert 50 bis 80 Jahre, bis dieser Verlust wieder ausgeglichen ist. Keiner denkt so weit. Wer rechnet denn wirklich mit der Zeit, mit diesen Menschenleben langen Zeitspannen?

Weil wir alle Zahlen besser verstehen als die komplexen Vorgänge der Natur, möchte ich am Beispiel einer 100-jährigen Buche erklären, was sie für uns tut, welche Wirkung sie hat. Sie hat 600.000 Blätter und damit eine 1.500 Quadratmeter große Blattoberfläche. Sie atmet und erzeugt 4,5 Tonnen Sauerstoff pro Jahr – so viel, wie 15 erwachsene Menschen zum Atmen jährlich brauchen. Gleichzeitig entnimmt sie sechs Tonnen Kohlendioxid aus der Luft. Fast unglaublich: sie filtert zusätzlich eine Tonne Feinstaub und Dreck. Sie pumpt täglich bis zu 400 Liter Wasser in ihre Krone, kühlt damit die Umgebung um drei bis fünf Grad Celsius herunter.

Conrad Amber

Foto: privat

Conrad Amber lebt in Österreich, streift als Naturfotograf durch die Wälder und reist als Bildvortragender durch die deutschsprachigen Lande. Er hat zwei Bücher veröffentlicht: "Baumwelten und ihre Geschichten" und "Bäume auf die Dächer, Wälder in die Stadt!" mit "Projekten und Visionen eines Naturdenkers". Beide sind im Stuttgarter Kosmos-Verlag erschienen, ihnen entstammen die hier gezeigten Bilder. Weitere Fotos findet man auf Ambers Website. (sw)

Ein Kraftwerk mit unfassbarer Energie. Und das macht sie für uns 200 Jahre lang, kostenlos, ohne Pflege. Für uns!

Müsste man diesen Baum in seinem Wert und Wirkung ersetzen, müsste man 2.000 Jungbäume mit 1,5 Kubikmeter Kronenvolumen pflanzen. Kosten dafür: 150.000 Euro. So nebenbei: Der Holzwert liegt bei maximal 500 Euro! Dies alles gehört überlegt, reiflich überlegt, bevor wir einen Baum fällen. Das Ende der Befehlskette ist bekanntlich die Kettensäge.

Deshalb rufe ich Euch zu: Geht hinaus und pflanzt Bäume. Zu jeder Gelegenheit: zur Geburt Eurer Kinder und zu einem Todestag, zum Hochzeitstag und zum Tag der Scheidung, zur Lohnaufbesserung und zur Kündigung, zu einem wertvollen Ereignis oder nur aus Langeweile. Zu jedem Haus gehört ein Baum, in jeden Garten gehören Bäume und an jeden Straßenrand gehören Alleen. Lasst uns wieder Freunde der Bäume werden. Gebt den Bäumen ihre Würde zurück!


Conrad Amber hat diese Rede, die wir hier gekürzt abdrucken, am 19. November auf der 442. Montagsdemo gegen Stuttgart 21 gehalten.


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