Jin Joo Lee aus Korea macht sich – wie viele ihrer internationalen Kommilitonen – Sorgen um ihre Zukunft. Zur Fotostrecke aufs Bild klicken.

Lu Cheng aus China hat gerade erst angefangen, Architektur in Stuttgart zu studieren. Sie sagt: "Wären die Pläne der Landesregierung schon vor einem Jahr bekannt geworden, wäre ich heute nicht in Baden-Württemberg."

Yongchul Kim aus Korea arbeitet parallel zum Studium als Aufseher in der Schwabenausstellung des Landesmuseums.

Die Chinesin Weiran Wang gibt nebenher Kunstunterricht für Kinder. Aktuell stellt sie bemalte Keramik in Luxemburg aus.

Ji En Lee aus Korea malt für ihre Diplomarbeit Stuttgarter Baustellen.

Der Japaner Hiroki Tsukiyama setzt Börsenkurse in Kunst um. Im Bild: die Kursschwankungen der Internetwährung Bitcoin.

Die Koreanerin Seulmina Lee ist seit fünf Jahren in Deutschland. Auch sie kann nicht in Stuttgart weiterstudieren, wenn sie Gebühren zahlen muss.

Mana Yamaguchi konnte sich ihr Studium in Deutschland zunächst dank eines Stipendiums leisten. Jetzt finanziert sie es über Arbeit in einem japanischen Restaurant.

Ausgabe 294
Schaubühne

Zahlen fürs Malen

Von Minh Schredle
Fotos: Joachim E. Röttgers
Datum: 16.11.2016
Das hat das grüne Wissenschaftsministerium deutschlandweit exklusiv: eine Ausländergebühr fürs Studium. Betroffen sind 16 000 junge Menschen. An den Hochschulen herrscht allgemeines Schweigen – nur an der Kunstakademie Stuttgart gibt’s Widerstand.

Jin Joo Lee zwingt sich zu einem kleinen Lächeln. "Einfach ist das schon jetzt nicht", sagt die 28-jährige Koreanerin, sprich: das Studium zu stemmen und gleichzeitig den Lebensunterhalt zu finanzieren. Seit fast fünf Jahren lebt sie in Deutschland. Zuerst in Berlin, wo sie gearbeitet und Deutsch gelernt hat, dann in Stuttgart, wo sie im siebten Semester an der Kunstakademie eingeschrieben ist. Um über die Runden zu kommen, ist sie auf Nebenjobs angewiesen. Erst als Küchenhilfe in asiatischen Restaurants, jetzt als Aufseherin im Naturkundemuseum.

Jin Joo ist eine von rund 16 000 Nicht-EU-Ausländern, die zum Studieren nach Baden-Württemberg gekommen sind. Nach den Plänen der Landesregierung sollen sie ab dem nächsten Wintersemester mit 1500 Euro pro Halbjahr zur Kasse gebeten werden. Das soll Löcher im Haushalt stopfen helfen, 48 Millionen Euro soll das Wissenschaftsministerium dazu beitragen, denn "die Haushaltskonsolidierungen stehen im Zeichen der Schuldenbremse", so der Amtssprech.

Ministerin Bauer war einst gegen Studiengebühren

Richtig ist, dass sich alle Bundesländer dem Spardiktat unterworfen haben, richtig ist aber auch, dass nur im Südwesten eine exklusive Ausländergebühr in Vorbereitung ist. Wohlgemerkt: Unter der Federführung der grünen Ministerin Theresia Bauer, die mit 41 Prozent der Stimmen das Direktmandat in der internationalen Studentenstadt Heidelberg gewonnen hat. Noch 2012 meldete sie als großen Erfolg: "Studiengebühren in Baden-Württemberg gehören der Vergangenheit an." 2013 schaffte Niedersachsen als letztes Bundesland die Gebühren ab. Seitdem sind nicht einmal aus den unionsgeführten Regierungen vergleichbare Vorhaben bekannt geworden.

Immerhin: Aus dem linken Lager der Grünen kommt Kritik. "Keine Studiengebühren für niemand", fordert Kai Gehring, Hochschulsprecher der Bundestagsfraktion. Die Sprecherinnen der Grünen Jugend, Lena Schwelling und Leonie Wolf, sehen in Bauers Vorstoß einen "weiteren Schritt, das Attribut 'sozial' aus dem grünen Selbstverständnis zurückzudrängen". Unterstützt werden sie von den Verfassten Studierendenschaften aus Konstanz, Mannheim, Freiburg, Biberach und Karlsruhe, die sich hinter der Forderung versammeln: "Bildung an und für sich ist ein Grundrecht und muss allen offenstehen." Hochschulen haben sich an dem Aufruf nicht beteiligt, bei den Parteien fand sich nur die Linke zur Unterschrift bereit.

An der Kunstakademie Stuttgart will das Lehrpersonal die Ausländergebühr nicht widerspruchslos hinnehmen. "Das hätte ich vielleicht von der AfD erwartet, aber doch nicht von den Grünen", kritisiert Cordula Güdemann. Die Professorin für Malerei unterrichtet hier seit mehr als 20 Jahren. Aus dem Stegreif zählt sie eine ganze Reihe von StudentInnen aus dem Nicht-EU-Ausland auf, die für herausragende Leistungen mit dem Akademiepreis der Hochschule ausgezeichnet worden sind. Ilker Basirli aus der Türkei, Sae Esashi aus Japan, Jingfang Li aus China, Seunghee Hong aus Südkorea oder Tesfaye Urgessa aus Äthiopien.

"Sie alle tragen einen erheblichen Teil zur Reputation unserer Akademie bei, gerade international", betont die Professorin. Tesfaye Urgessa beispielsweise gehöre zu den erfolgreichsten Künstlern in der Galerie Marko Schacher in Stuttgart. "Wenn er pro Semester 1500 Euro Gebühren hätte bezahlen müssen, hätte er hier nie studieren können", erzählt sie und legt nach: Die bürokratischen Hürden seien schon jetzt sehr hoch, gegenüber den Ämtern müssten monatlich Nachweise über die finanzielle Lage erbracht und mindestens 700 Euro vorgewiesen werden. Für zwei Studierende hat sie selbst eine Bürgschaft übernommen.

Die Professorin wartet bis heute auf eine Antwort

Im Oktober hat Güdemann einen entrüsteten Brief an Ministerin Bauer verfasst, auf eine Antwort wartet sie bis heute. Gerne hätte sie auch eine von Staatssekretärin Petra Olschowski gehabt, die zuvor Rektorin der Kunstakademie war. Aber: "Auch hier kein Wort", klagt Güdemann. Auf Anfrage von Kontext verteidigt Olschowski die Gebühren. Diese würden den Hochschulen helfen, das Aufgabenfeld Internationalisierung anzugehen, sagt sie. "Nicht zuletzt geht es derzeit aber auch darum, wie in Zeiten der Schuldenbremse verantwortungsvolle Politik umgesetzt werden kann", teilt sie mit. 

Verantwortungsvoll finden diese Politik allerdings nicht alle. So wird Güdemann von zahlreichen KollegInnen an der Kunstakademie unterstützt. Unter anderem von Holger Bunk, ebenfalls Professor für Malerei. "Viele meiner talentiertesten Studenten kommen nicht aus Europa", sagt er, "davon profitieren wir alle." Darunter gebe es zwar auch welche, die den Auslandsaufenthalt von reichen Eltern finanziert bekommen, aber die meisten müssten hart arbeiten, um sich das Leben hier leisten zu können – "gerade in einer so teuren Stadt wie Stuttgart". Stephan Rößler, der an der Kunstakademie als Fachkoordinator zwischen Lehre und Verwaltung vermittelt, ergänzt: "Studenten dürfen maximal 20 Stunden pro Woche arbeiten. Die Verdienstmöglichkeiten sind also ohnehin stark eingeschränkt. Wie soll das denn funktionieren, wenn pro Monat noch 250 Euro an Kosten dazukommen?"

Alle drei sind sich darin einig, dass die geplanten Gebühren dem Standort Baden-Württemberg schaden. Für viele Betroffene wäre die Wahl des Studienplatzes dann keine Frage mehr der Präferenz, sagt Bunk, sondern des finanziell Machbaren: "Ausgeschlossen werden die Ärmsten." Auch seine Briefe an das Ministerium blieben unbeantwortet.

Während die Kunstakademie Flagge zeigt, halten sich die Universitäten bedeckt; womöglich aus der Sorge heraus, selbst Opfer des Rotstifts zu werden, wenn sie sich allzu laut dazu äußern. Der Rektor der Uni Stuttgart, Wolfram Ressel, der außerdem Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz Baden-Württemberg ist, mag auf Anfrage keinen Kommentar abgeben. Bekannt ist nur seine Einschätzung vom Juni dieses Jahres, die besagte, dass er den Ausländeranteil an seiner Universität ohnehin zu hoch findet und insbesondere die Chinesen "zur Ghettobildung neigen". Ein Trostpflaster hat das Wissenschaftsministerium noch parat: Es soll Ausnahmeregelungen für Bedürftige geben. Wie die aussehen werden, ist allerdings offen.

Für die Betroffenen ist das belastend. "Die Ungewissheit ist schlimm", sagt Jin Joo Lee, "wir wüssten gerne, was auf uns zukommt." Sie bemüht sich, zu lächeln. Sie sitzt auf einem kleinen Hocker zwischen Staffeleien und Skizzen. Hier, im Raum 206 der Kunstakademie, ist ihr Zuhause. "Ich arbeite gerne mit Kontrasten, mit Widersprüchen – und dem Grotesken", erzählt sie. Ihre Bilder werden in ihrer Heimat ausgestellt, bis vor Kurzem waren sie auch in Stuttgart zu sehen. "Ich bin wirklich glücklich über die Möglichkeiten, die ich hier habe", sagt sie, und man merkt ihr die Dankbarkeit an. Aber auch ihre Sorgen. 


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!

14 Kommentare verfügbar

  • Fritz
    am 20.11.2016
    Liebe Marie,

    "Puh"

    Eine klare Ansage!

    Ich bin wohl ganz bestimmt ein Oberlehrer, aber zumindest lese ich die Artikel hier vorher durch und predige nicht einfach in einem Kommentar zu einem Thema los, das nichts damit zu tun hat.

    Und Mehrdeutigkeiten in seinem Text sollte man als Verfasser gefälligst ausräumen und sich nicht aus "moralischer Überlegenheit" dafür zu schade halten.

    Danke.
  • Marie
    am 20.11.2016
    Die weltweite arm-reich Schere hat m.E. nun mal Grundsätzliches verändert. (Vielleicht auch weil es nicht mehr nur reicher Westen gg arme Entwicklungsländer geht, sondern direkt vor Ort geschieht!)
    Da nicht darüber zu reden ist ungerecht und unfair!

    Als im letzten Jahrundert Rentner verbilligten Zugang zu Theatern, Einrichtungen und ÖPNVs bekamen war das damals weil die meisten Rentner von "geht so bis geht knapp bis gar nicht" über die Runden kamen..... da waren diese Vorteile m.E. gerecht..... heute wo es richtig richtig reiche Rentner gibt und in Mülleimern Wühlende ist doch die GiesskannenErmässigung nicht mehr gerecht?! Oder?

    Als im letzten Jahrhundert Studis bundesweit Ermässigungen bei vielen Dingen bekamen, waren viele Studis eher knapp bei Kasse und ihnen den Zugang zu Vielem zu ermöglichen total sozial gerecht, aber heute wo die Einen schon mit dem goldenen Löffel auf die Welt kommen, schon heute Anstellungen über Vitamin B und Papa bekommen obwohl sie noch Windeln tragen und Andere sich lebenslang verschulden müssen (s.USA) ...... ist die Gießkanne doch eher ungerecht, oder?

    Als im letzten Jahrhundert gedacht wurde: "die armen Künstler, die leben von der Hand in den Mund und wenn sie dann tot sind verdient Sotheby Millionen".... da muss die Solidargemeinschaft was machen.... Gesetz: Kunst am Bau und die Künstlersozialkasse..... super Idee..... nur heute ist teilweise kaum noch klar wer eigentlich alles Künstler ist..... und manche sind ungeheuer reich und Andere können nur noch hoffen, nach ihrem Tod.... vielleicht....
    Ist da die Solidargemeinschafts-Gleichheit wirklich gerecht?

    Wenn alle Eltern 190 Euro Kindergeld bekommen, die Einen das 18±Jahre aufs Sparkonto packen können, die Anderen es direkt von anderer Behörde als Einkommen abgezogen bekommen, sind dann Giesskanne 190 Euro gerecht?

    Grundsätzlich gilt für mich:
    das Reduzieren und Volldarlehen von Bafög durch Kohl/Genscher war ne Katastrophe, doch Schröder/Fischer haben noch weiter (ab)getrieben!
    Grundsätzlich gilt für mich:
    Deutschland gibt zu viel Geld für Blabla Hochglanz Wahlkampf Bildungsziele Gedöns aus und in Wahrheit viel viel zu wenig den Einrichtungen.
    Und mit SozenGrün Agenda und den darauf folgenden ElitisierungsUnis ist der Idee der "Bildung für alle" immer mehr ein Riegel vorgeschoben!

    Nicht zu sehen, dass es krasse und massive Klassenbildung, also Rassismus gibt, ist blind!
    Der Neofeudalismus nimmt immer mehr Fahrt auf! Und jetzt weltweit und weltumspannend!

    Und im Gegensatz zu vielen, die eine klare Position zu haben scheinen, habe ich meine noch nicht wieder gefunden.
    Das hat nichts mit ausländischen oder einheimischen Studis zu tun!

    Von eingeborenen Studenten erlaube ich mir eher einen Überblick, von Ausländischen habe ich keinen... da dachte ich eigentlich, einige würden mit fundiertem Faktenwissen aufwarten!
  • Marie
    am 20.11.2016
    @Fritz
    Warum ist seit rot/grün, seit Schröder/Fischer das bashen gegen/mit "bildungsferne Schicht" so hipp geworden? Gibt es irgendwie wieder ein BildungsRassismus?
    "Wir sprechen latein und französisch, möge er mir aus den Weg gehen?"
    Merkwürdig......

    Und hören wir endlich auf, sofort auf "Kritisches im Zusammenhang mit Ausländern" mit Feindlichkeit gegen Ausländer zu verbinden!

    Sorry, Sie kriegen da Dinge in den falschen Hals, die so von mir in keinster Weise genannt und benannt wurden!
    "Und wieso wird das von Ihnen auf den Fall dieser Auslandsstudentin angewandt? Stehen diese Studenten in irgendeiner Form für eine repräsentative Mehrheit der Studierenden bei uns? Oder diese Studentin für die Mehrheit der Auslandsstudenten."
    Wo habe ich "diese Auslandsstudentin" ist, tut, macht .. geschrieben?

    Und warum müssen Deutsche den beleerenden Oberleerer raushängen lassen?
    "Wissen Sie was ein Austauschprogramm (z.B. Erasmus) ist? Oder ein Förderprogramm? Warum wird der Auslandsstudentin hier pauschal unterstellt, "reich" zu sein? Oder eine "gute" Wohngelegenheit in der "teuren" Stadt zu haben? Die könnte (wie viele) ebenso ausserhalb der Stadt bzw. in einer WG wohnen."
    Puh!
  • Fritz
    am 19.11.2016
    @Marie:
    "sorry, aber schwarz - weiss denken passt nicht!"

    Ein hoher Anspruch, vor allem wenn man ihm selber gerecht wird!

    "In allen Bereichen hat sich -auch international- eine gigantische Schere zwischen arm und reich gebildet!
    Da denke ich, sollte das Gießkannenprinzip mal ernsthaft, mit Fakten angereichert, diskutiert werden!"

    Was hat denn bitte das eine mit dem anderen zu tun? Haben Sie meine Aussage überhaupt im richtigen Kontext (no pun intended) gelesen?

    Sorry, aber entweder werden ALLE gleich behandelt, dann ist das "Gießkannenprinzip" (ein grässliches Wort) ein immanenter Bestandteil davon, oder nicht.

    Und wieso wird das von Ihnen auf den Fall dieser Auslandsstudentin angewandt? Stehen diese Studenten in irgendeiner Form für eine repräsentative Mehrheit der Studierenden bei uns? Oder diese Studentin für die Mehrheit der Auslandsstudenten?

    "Mich würde interessieren, wie gut situiert die Auslandsstudenten sind!"

    Warum ist das relevant? Wissen Sie was ein Austauschprogramm (z.B. Erasmus) ist? Oder ein Förderprogramm? Warum wird der Auslandsstudentin hier pauschal unterstellt, "reich" zu sein? Oder eine "gute" Wohngelegenheit in der "teuren" Stadt zu haben? Die könnte (wie viele) ebenso ausserhalb der Stadt bzw. in einer WG wohnen.

    Sorry, aber Sie scheren über den Kamm. Und Ihre Argumentation - auch im nachfolgenden Posting - ergibt keinen sinnvollen Zusammenhang zu diesem Artikel!
  • Jordan G
    am 19.11.2016
    Liebe/r OMG,

    da handelt es sich wohl um ein Mißverständnis. Es soll ja nur darauf hingewiesen werden, daß diese Studierenden schon für ihre Lebenshaltungskosten bis zum Anschlag jobben müssen. Sie können nicht noch mehr Geld aufbringen, also falls Studiengebühren kommen, ist Schluss. Daran ist nichts Herzzerreißendes, es ist existenziell. Daß auch deutsche Studierende jobben müssen, und das viel zu viel, ist bekannt. Die Curricula in allen Studiengängen sind heute nicht vergleichbar mit denen vor 10 oder mehr Jahren. Das gilt auch für die Kunst.
    Kunst ist kein Luxus, sie gehört wie Musik, Philosophie und Literatur zum Leben. Oder geht es nur noch um Ökonomie, national und global? Gegenwärtig sieht es ja so aus!
    Es ist sehr bedauerlich, wie gering das Interesse am Kunststudium seitens der Bevölkerung ist.
  • Marie
    am 18.11.2016
    @Gollor-Knüdeler
    Mir geht mittlerweile das denglische und das Schielen gen internationales Renommee auf den Senkel!

    "Man sollte man bedenken, dass diese Studierenden zur Bildung und Bereicherung der Kulturlandschaft beitragen. Gerade auf dem Gebiet der Kunst und Gestaltung ist internationale Vielfalt sinnvoll und übt positiven Einfluss auf alle Studierenden aus."

    Wenn ich den Zustand, den sozial demokratischen Zustand, gerade der sogenannten Gebildeten angucke, dann täte eigentlich ein "Revival der 60/70/80 er gut".
    Da wurde viel dafür getan, dass wenigstens in den Unis eine "Durchmischung" der Bevölkerungsschichten, ein entRassimus angestrebt wurde!

    Gerade der Rechtsschwenk europaweit, weltweit zeigt doch deutlich:
    Die Gebildeten haben keine Ahnung mehr von den "bildungsfernen Schichten"!
    Und da "Man sollte man bedenken, dass diese bildungsfernen SchichtStudierenden zur Bildung und Bereicherung der Kulturlandschaft beitragen.
    Gerade auf dem Gebiet der Kunst und Gestaltung ist Klassen Vielfalt sinnvoll und übt positiven Einfluss auf alle Studierenden aus."

    Und warum eines der reichsten Länder der Welt so knausrig mit Bildungsgeld (ich glaub da liegen wir bei Malta oder so) umgeht, wird mir immer ein Rätsel sein!

    Und hier sei auf einen "Nationenstatus" verwiesen: Deutschland hat keine nennenswerten Ressourcen, braucht also gut ausgebildete Menschen für morgen!

    Immer mehr Arbeitsplätze werden ins Ausland verlagert!
    Was passiert also mit all den jungen Menschen, die wir hier vor Ort im Stich lassen und weswegen Kulturbeauftragte und Wissenschaftler sich irgendwie überhaupt nicht sorgen!

    In Brasilien werden gerade ganze Unis zu StreikUnis!
    In Deutschland "kümmert" man sich ums internationale Renommee und 3.MittelFörderung!


    EINE Lösung weiss ich auch ad hoc nicht.......
  • Marie
    am 18.11.2016
    @Fritz.... sorry, aber schwarz - weiss denken passt nicht!

    In allen Bereichen hat sich -auch international- eine gigantische Schere zwischen arm und reich gebildet!
    Da denke ich, sollte das Gießkannenprinzip mal ernsthaft, mit Fakten angereichert, diskutiert werden!

    Während gerade auch hier in Stuttgart so mancher Student von den Eltern ne Eigentumswohnung als StudiWohnung zur Verfügung gestellt bekommt, können viele andere sich Studium definitiv nicht leisten!
    Auch Auslandsstudium wird übers Portemonaie "gelöst"!
    Mich würde interessieren, wie gut situiert die Auslandsstudenten sind!
  • Claudia Gollor-Knüdeler
    am 18.11.2016
    Ich finde es beschämend für BW Studiengebühren für internationale Studierende einzuführen, weil BW auch zu den reichen Bundesländern gehört. Man sollte man bedenken, dass diese Studierenden zur Bildung und Bereicherung der Kulturlandschaft beitragen. Gerade auf dem Gebiet der Kunst und Gestaltung ist internationale Vielfalt sinnvoll und übt positiven Einfluss auf alle Studierenden aus.
  • Fritz
    am 18.11.2016
    Liebe heike schiller,

    Studiengebühren sind immer ungerecht. Punkt. Es gibt kein Land auf der Erde mit "fairen" Studiengebühren.

    Unser System OHNE Studiengebühren ist fairer. (Und schon das ist nicht besonders fair gegenüber sozial Schwachen.)

    Warum müssen wir "über den Tellerrand" schauen und uns an schlechten Beispielen orientieren? Weil Leute behaupten, daß etwas nichts "taugt", das nichts kostet?

    Gerade die USA sind das allerschlechteste Beispiel. Die Zustände dort im Bildungswesen brauchen wir hier ganz bestimmt nicht. Oder kennen Sie ausser Harvard und Yale keine Beispiele? Wie wäre es mit einer (namenlosen) Universität im Mittleren Westen?

    Und haben Sie eigentlich mal mitbekommen, was mit den Studiengebühren gemacht wurde, die bei uns erhoben wurden? Die absolute Mehrheit des Geldes wurde nicht FÜR die Hochschulen verwendet. Meinen Sie daß das beim "nächsten Mal" anders sein wird?

    Es ist schon schlimm genug, daß hier z.B. immer weniger Bafög ausgezahlt wird. Und das würde mit Studiengebühren noch mehr zur sozialen Auslese führen. So wie beim letzten Mal auch schon.

    Ausser natürlich Sie legen Wert darauf. "Ich habe damals abdrücken müssen und die bekommen es jetzt für lau!"
  • OMG
    am 18.11.2016
    Ich bin prinzipiell gegen Studiengebühren. Aber dass der Artikel mit der Herzzerreißenden Geschichte beginnt:

    "....Um über die Runden zu kommen, ist sie auf Nebenjobs angewiesen. Erst als Küchenhilfe in asiatischen Restaurants, jetzt als Aufseherin im Naturkundemuseum....."
    Sorry, ich habe neben dem Studium 20h/Woche gearbeitet. Das schadet nicht.
    Links hat man oft die Haltung, dass der Staat für alles sorgen muss. Man muss aber selbst für sich sorgen. Das ist, solange man gesund ist, ganz primitiv.
    Man darf auch nicht vergessen , dass andere Menschen arbeiten gehen um das Studentenleben zu finanzieren.
    Und das Kunststudentenleben ist wahrscheinlich nicht soooo belastend, dass man nicht nebenher arbeiten könnte.
    Ein Kunststudium in einem fernen Land ist Luxus. Znd Luxus kostet.
  • Dirk
    am 17.11.2016
    Ich halte das für ein gutes Beispiel für den unsäglichen Glauben an die "schwarze Null". Die Bundesregierung hat das Ziel formuliert, den Anteil der ausländischen Studierenden auf bundesweit 300000 anzuheben, um die geburtenschwachen Jahrgänge auszugleichen und dem zukünftigen Fachkräftemangel zu begegnen und ausgerechnet ein grün geführtes Ministerium konterkariert diese Ziel. Nun wird man natürlich einwenden können, dass die Künstler der Kunsthochschule keine Fachkräfte der Zukunft seien, aber die angekündigten Studiengebühren treffen im gleichen Maße auch die Ingenieurswissenschaften. So sind zum Beispiel an der Universität Ulm die am stärksten vertretenen Nationen die Türkei, China, Indien, Pakistan und Bangladesch, dazu kommen noch Kamerun, Nigeria etc. Die Studierenden aus diesen Ländern werden sich nicht alle die Studiengebühren von 3000 € pro Jahr leisten können und nicht alle werden in den anderen Bundesländern einen Studienplatz bekommen. Für die Universität bedeutet dies einen Rückgang der Studierendenzahl und vor allem werden auch die internationalen Kooperationen darunter leiden und damit auch der Wissenstransfer. Die Gebühren auch noch damit zu begründen, dass die Hochschulen die Mittel für zur Bewältigung der Internationalisierung, sprich Integration, benötigen, verspottet die Betroffenen. Internationalisierung werden die Hochschulen nicht mehr bewältigen müssen, wenn die ausländischen Studierenden nicht mehr kommen und internationale Kooperationen wegbrechen.
    Angebracht wäre es mehr in Bildung zu investieren und die Hochschulen deutlicher zu unterstützen, denn es gibt keine bessere Investition als in die Bildung zu investieren.
  • heike schiller
    am 17.11.2016
    man mag das in der tat ungerecht finden, dass ausländische studierende gebühren zahlen sollen. aber man könnte auch mal über den tellerrand schauen. studiengebühren sind für studierende ja der normalfall - nicht hier, aber in anderen ländern. und diese müssen entrichtet werden auch von denen von hier, die auslandssemester machen wollen. dieser tage habe ich eine junge amerikanerin kennengelernt, die für ein jahr hier studiert: für ihre eltern seien diese beiden semester hier preiswerter als die gebühren in den usa. und so könne sie 2 fliegen mit einer klappe schlagen: sie komme ins ausland und ihre eltern seien finanziell nicht so belastet, weil die beiden semseter hier dort angerechnet werden. ich fürchte, diese beispiele gibt es zuhauf. ich habe schon die abschaffung der studiengebühren in bW für einen fehler gehalten. ich glaube, das ist ein kompliziertes feld, das sicher einer debatte bedarf, aber diese schwarz/weiß malereien sind natürlich wenig dazu angetan, die sache gut auf den weg zu bringen, sondern skandalisieren bloß.
    mit freundlichen grüßen heike schiller
  • Rolf Schmid
    am 16.11.2016
    DAS, die Entscheidung sowie das Schweigen der Amtsträger zu den - allzu wenigen - Protesten "passt" doch wie die berühmte Faust aufs Auge sowohl zum Tiefbahnhof als auch zur Bildungsmisere im Ländle! Und, nicht zu vergessen, auch zu der gewandelten Haltung der inzwischen nur noch anpasserischen GRÜNEN, wo ein gewandelter Ex-Linker nicht nur Ministerpräsident, sondern auch Steigbügelhalter für Bonner Nullen in "seiner" Landesregierung - und Gegner einer Vermögenssteuer - ist!
    Ich bin geborener Badener und bedauere inzwischen meine badische Abstammung, weil ich mich für das handeln des hochrangigsten Badeners, der "schwarzen Null", sowie die hochrangigsten Schwaben in der Bundespolitik und im Ländle schäme!
  • Fritz
    am 16.11.2016
    Was für eine Schande. Aber die - wichtige - Frau Bauer hat sicherlich etwas viel Besseres zu tun als sich für die Politik ihres Vereins zu rechtfertigen. Möge die Grünen das Schicksal der FDP ereilen.

Neuen Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochvormittags unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.JETZT ANMELDEN

Letzte Kommentare:
















Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!