Mit Klick auf das Bild geht es zur Fotostrecke: Die Busse mit Flüchtlingen kommen zu jeder Tageszeit an.

Nachschub.

2500 Menschen sind in der Messehalle untergebracht.

An den Wasserspendern stehen die Zeiten der Essensausgabe.

Blick in die Halle.

Das Medizinzelt. Es gibt alle Arten von Krankheiten zu behandeln.

Warten ohne Ende.

Kinder sind die Einzigen, die der Situation noch etwas Spaß abgewinnen können.

Mutter mit Kind im Essbereich.

Ladestation. Die Handys werden von ihren Besitzern bewacht.

Das Handy ist die letzte Verbindung in die Heimat.

Duschzelt.

Ein kleines Lächeln für den Fotografen.

Wäschespinne Messezaun.

Wer zurück in die Halle will, muss sich durchsuchen lassen.

Ausgabe 237
Schaubühne

Stuttgart macht Platz

Fotos: Martin Storz
Datum: 14.10.2015
Noch bis Donnerstag werden rund 2500 Flüchtlinge übergangsweise in Halle 1 der Messe am Flughafen untergebracht sein. Es ist eine Unterkunft, wie es in Deutschland mittlerweile sehr viele gibt. Kontext-Fotograf Martin Storz war dort.

Monströs! Das war mein erster Eindruck, als ich die Messehalle betreten habe. Zehntausend Quadratmeter, alles offen und sehr hoch. Wahnsinnig groß.

Es gibt keine Stimmung in dieser riesigen Halle. Weder gute noch schlechte. Ein Transitort. Dort durchzulaufen gibt einem ein komisches Gefühl. Als würde ich ohne Rücksicht in die Privatsphäre dieser Menschen eindringen. Wie sie dort liegen, das sind intime Momente. Tausendfach.

Es ist recht dunkel dort drin, eine Messe wird ja normalerweise durch ihre Stände beleuchtet. Und es riecht nach nichts, das fand ich verwunderlich. Nicht nach Menschen, nicht nach Desinfektions- oder Putzmittel, nicht einmal nach Essen. Dafür flirrt ein dichter Klangteppich in der Luft. Tausende Stimmen, dicht ineinanderverwoben. Der einzelne Mensch ist nicht herauszuhören, außer es schreit einmal ein Kind. Es ist nicht über die Maßen laut, aber ich habe mich trotzdem gefragt, wie da einer schlafen kann.

Bereits am Eingang liegen die Geflüchteten. Diese ganze Halle ist voll, zweieinhalbtausend Leute – Männer, Frauen, Kinder, Alte. Ich bin dort durchgelaufen und habe auf liegende Menschen geschaut. Sie verlassen ihre Plätze nicht. Jeder ist darauf bedacht, seine sieben Sachen zu bewachen, falls er etwas dabei hat. Natürlich können die Flüchtlinge raus aus der Halle und wieder hinein. Aber es geht kaum einer. Wohin auch? Es gibt dort oben keine Umgebung, die sie erkunden könnten. Links geht es zur Autobahn, rechts zum Flughafen. 

Auf der Empore können Familien schlafen, wenn sie wollen. Da ist es ruhiger und ein bisschen geschützter als in der Halle. Unten in der weiten Halle sind vor allem Männer untergebracht. Natürlich dürfen sich dort auch Familien aufhalten, jeder, wie er will. Eine Freifläche für Kinder gibt es auch, dort können sie spielen.

Malteser sind für die ärztliche Versorgung zuständig. Das Rote Kreuz macht wahnsinnig viel. Alle versuchen dort eine halbwegs anständige Infrastruktur aufzubauen. Schwierig ist es mit dem Waschen von Kleidung. Draußen gibt es Bottiche für die Wäsche. Toiletten gibt es genug, das ist ja eine Messehalle. Aber es gibt keine Duschen. Ein Bundeswehr-Zug aus Bruchsal hat Zelte aufgestellt mit ABC-Dekontaminationsduschen. Normalerweise duschen sich in ihnen Soldaten von Chemie oder Verstrahlung sauber.

Tageszeiten sind in der Halle nicht vorhanden, es gibt keine Nachtruhe, keinen definierten Tag. Die Busse kommen, einer nach dem anderen, tagsüber, nachts. Es herrsche immer Gebrumm, sagen die Leute.


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6 Kommentare verfügbar

  • by-the-way
    am 17.10.2015
    @CharlotteRath

    Zitat: "Die Parole "Ami go home" wollte ich mit meinem Beitrag nicht herausfordern (vorher sollten noch ein paar Fragen zum Thema 'Völkerrechtsverletzungen von deutschem Boden aus?' geklärt werden)."

    Wieder mal vollkommen korrekt, aber glauben Sie wirklich, dass diese Völkerrechts-Verbrecher sich in Den Haag vor Gericht stellen lassen?

    70 Jahre nach Kriegsende bezahlen WIR, immer noch, die Kosten der Besatzung, obwohl wir, rein vom Geburtsalter her, keinerlei Schuld am Zweiten Weltkrieg und den begangenen Verbrechen haben.

    Es wird hohe Zeit, die Besatzer endlich rauszuschmeißen!

    Zumal diese, von deutschem Boden aus, einen Drohnen-Krieg führen (wie ar das gleich? : "von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen"...) - und das dazu, ohne jegliche Kriegserklärung an die Staaten, in denen sie willkürlich morden.

    Und mit ihrer Kriegstreiberei die ganze Flüchtlings-"Misere" verursacht haben.

    SCHULDIGE!

    Es wird Zeit, sich dieser "Seuche" zu entledigen!
  • Horst Ruch
    am 16.10.2015
    ...etwas zynisch, aber so ist die Milliarden-Investition des Landes mittels Steuergeldern wenigstens nützlich geworden.
    Verdammt flexibel, einmal Menschen auf der Flucht zu sehen, und dann demnächst die CMT mit den bunten Werbeständen ferne Länder und deren Bewohner kennenzulernen.
  • CharlotteRath
    am 15.10.2015
    @by-the-way
    Die Parole "Ami go home" wollte ich mit meinem Beitrag nicht herausfordern (vorher sollten noch ein paar Fragen zum Thema 'Völkerrechtsverletzungen von deutschem Boden aus?' geklärt werden).
    Aber ein bisschen Zusammenrücken schon könnte helfen - und wäre vielleicht sogar ein Beitrag zu einer besseren Völkerverständigung. Präsident Obama hatte ja jüngst angekündigt, dass die USA auch einige syrische Flüchtlinge aufzunehmen würden, und wo sie das tun, steht ihnen vermutlich frei.

    Das Eigentum an diesen Kasernen, einschließlich Bauunterhaltung, liegt beim Bund. Zu welchen Konditionen die Kasernen den derzeitigen Nutzern überlassen werden bzw. wurden, müsste bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben erfragt werden. Dort wird Kommunen sogar Hilfe bei einer Konversion angeboten!

    Ob das der 'Major for peace', Stuttgarts OB Kuhn, schon weiß? So bekäme vielleicht auch sein erklärtes Schwerpunktthema "Wohnraumschaffung" endlich etwas Schwung ...
  • by-the-way
    am 14.10.2015
    @ CharlotteRath

    Zitat: "In und um Stuttgart gibt es übrigens Liegenschaften der Bundesrepublik Deutschland, die mindestens 20.000 Menschen Platz bieten würden, beispielsweise Kurmärker Kaserne und Hellenen-Kaserne auf der Gemarkung von Stuttgart, Panzer-Kaserne Böblingen ... "

    Vollkommen korrekt, das wollte ich auch schon schreiben.

    Man müßte nur, endlich mal, die verdammten Besatzer
    (WSP = Wohnungs-Schaffungs-Programm: "Ami go home!") nach hause schicken, dann wäre jegliches Wohnungsproblem sofort beseitigt.

    Und die Verursacher der ganzen Misere müßten dann ihre Kriege von zu hause aus führen...

    P.S.:
    am letzten Wochenende habe ich in Heidelberg massenweise leerstehende Ex-Ami-Kasernen gesehen.
    Es gibt also Wohnraum - massenweise - notfalls muss man eben den Besitzer enteignen! ;-))
  • Blender
    am 14.10.2015
    Man möchte den Menschen die Würde nehmen. "Wir machen das mit Euch, weil wir es können". Keine Trennwände, keine Privatsphäre, kein Sicherheit, keine Ruhe und nachts keine Dunkelheit. Wo bleibt die Umsetzung unseres ersten Grundgesetzparagraphen? Die Würde des Menschen ist (unantastbar?) leicht verletzlich! Wir sollten unsere freiheitlich demokratische Grundordnung besser Verteidigen.
  • CharlotteRath
    am 14.10.2015
    Die Gebäude der Neuen Messe Stuttgart liegen auf der Gemarkung des Landkreises Esslingen, nicht in Stuttgart. Die Messe wird auch nicht alleine von der Stadt Stuttgart, sondern zur anderen Hälfte vom Land Baden-Württemberg betrieben.

    In und um Stuttgart gibt es übrigens Liegenschaften der Bundesrepublik Deutschland, die mindestens 20.000 Menschen Platz bieten würden, beispielsweise Kurmärker Kaserne und Hellenen-Kaserne auf der Gemarkung von Stuttgart, Panzer-Kaserne Böblingen ... alle für eine mehrtägige Unterbringung von Menschen gebaut und entsprechend ausgestattet.

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