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Ausgabe 181
Schaubühne

Orgien in Stein

Von Fritz Schwab
Fotos: Martin Storz
Datum: 17.09.2014
Wie gehen Abscheu und Feierlaune eigentlich zusammen? Stuttgarts OB Fritz Kuhn hat sein Kommen bei der Eröffnung des "Gerber" angekündigt. Dabei hatte er sich bei seinem Wahlkampf eindeutig von dem Projekt distanziert.

"Von den Neubauten im Gerberviertel und am Österreichischen Platz sind wiederum Orgien in Stein zu befürchten. Es gibt zu viele seelenlose Büroprojekte von Großinvestoren. Es darf keine neuen Einkaufszentren nach Gerber und Milaneo geben." Soweit der später gegen den im Ruch der Investoren-Nähe stehenden Sebastian Turner obsiegende Kuhn in einem Beitrag für die "Stuttgarter Zeitung". Auf das Mienenspiel des Oberbürgermeister bei der Eröffnung des Gerber-Areals darf man gespannt sein. In der Disziplin Gesicht-in-Falten-Legen spielt Kuhn in der schauspielerischen Champions-League. Und vielleicht zittert ihm auch ein wenig der grüne Daumen beim Banddurchschneiden.

Der Bauherr sieht die (Immobilien-Top)-Lage natürlich weitaus weniger ambivalent. „Insbesondere gegenüber dem ehemaligen, in die Jahre gekommenen Bürobestand stellt das Gerber eine eindeutige Aufwertung für das gesamte Viertel dar. Wer das Vorhaben kritisiert, sollte auch die Frage nach einer für einen privaten Investor wirtschaftlich tragfähigen Alternative beantworten können." Soweit der Bauherr WürttLeben, Tochter der Wüstenrot und Württembergische AG. Ein gutes Stück Unverstandensein schwingt in dieser Erklärung mit, denn die Macher des Projektes verweisen darauf, dass die Alternative für das ehemalige Hauptverwaltungsgebäude ihrer Versicherung ein möglicherweise Jahrzehnte dauernder Leerstand gewesen wäre. Zudem sich der Komplex und sein Nachfolgerbau im Schatten der einzigen Innenstadt-Hochstraße befindet - mit entsprechender Abgas- und Lärmversorgung.

Wer angesichts der durchaus brachial anmutenden Architektur mit dem Finger auf die bösen Investoren zeigt, muss sich mindestens genauso laut fragen, wer das alles genehmigt. Und wer das Verschwinden von Gastronomie auf dem Marktplatz beklagt, müsste sich eigentlich auch darüber wundern, warum die Stadt es nicht hinbekommt, direkt vor oder im Rathaus ein einladendes Lokal zu etablieren.

 

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16 Kommentare verfügbar

  • Oli
    am 22.09.2014
    @Ulrich Frank
    sehr guter Kommentar!
    Die Wahrheit zu hören tut immer wieder gut! Ich meine damit die Wahrheit im Sinne des Allgemeinwohl! Nicht die egoistische, zerstörerische und manipulierende Wahrheit im Sinne des Kapitals, der privaten Investoren oder unserer korrupten PolitikerInnen.
  • Ulrich Frank
    am 21.09.2014
    Wäre es nicht so daß Politiker gerne bei Freigaben (z.B. von Autobahnteilstücken) und Eröffnungen sich zeigen, bei Ereignissen oder events die öffentlichkeitswirksam Positivität und "Zukunft" verströmen und insbesondere unser grüner OB Kuhn Phototermine besonders gerne aufsucht wie anscheinend den anstehenden beim von ihm kritisierten Gerber (obwohl es ein privater Bau ist), wo er sich in Gegenwart lachender Gesichter quasi im erweiterten grünen Dauerwahlkampf - nach Verstreichen der grünen Schamfrist - anderen als den abgehakten Wählerschichten als normal und begehrenswert darbieten kann, dann könnte man es immer noch als Normalität abtun.

    Ist es aber so daß die Regentschaft dieses Herrn in vieler anderer Hinsicht als 100%ige Fehlanzeige einzustufen ist und er dort wo es staubt und der Aufenthalt nicht angenehm ist - obwohl er, im Wahlkampf, für alle Stadteile dasein wollte - nicht präsent ist und die von ihm übernommene hoheitliche Lotterherrschaft (aus der Perspektive des Bürgers) der Stuttgarter Stadtverwaltung (einschließlich Polizei), vor allem im Dienste der IHK, weiterwirkt, dann fragt man sich weshalb Herr Kuhn überhaupt kandidiert hat und nicht nur aufgestellt wurde weil er aus Funk und Fernsehen bekannt ist.

    Die Anwohner der Rosensteinstrasse sind z.B. schon seit Monaten den Nebenerscheinungen des von ihm ebenfalls "kritisch" begleiteten Projekts Stuttgart 21 ausgesetzt, und zwar über das zulässige Maß hinaus. Lastzüge der Firma Rädlinger fuhren nicht nur über die zugelassenen Strassen sondern Erde verlierend auch über Wohnstrassen ohne daß dem von "unseren", dazu abgestellten Ordnungshütern Einhalt geboten wurde. Bei größerer Luftbewegung weht Zementstaub von der Verlade- und Abfüllstelle im Bahnbetriebswerk in den Rosenstein hinein. Zementlaster verlieren Beton auf der Strasse. Der bleibt liegen und wird in den folgenden Wochen durch Autoreifen zu Feinstaub kleingemahlen und in die Luft gestäubt wo er nachts, zusammen mit dem Erdstaub, im Gegenlicht der Scheinwerfer, zu sehen ist und tagsüber in den Augen zu spüren. Und ins gesamte Viertel der Prag getragen wird, in welchem die erhabene Stadtwaltung wohl darauf wartet daß der Regen alles wegspült und sie wie üblich nichts zu tun braucht (beim Rechnungen schreiben ist sie fleißig, das reicht). Gereinigt wird nur sporadisch und nicht bis in die großen Ränder und Kanteln in denen Staub und Kleingeröll liegenbleibt. Die Gehwege unter der Eisenbahnunterführung scheint es für "unsere" Stadtverwaltung nicht zu geben - dort liegt Unrat und Erdstaub schon seit Monaten. Über die bis in die Nachtstunden hinausgehenden Bau- und Rammarbeiten am Bahndamm hinaus müssen die Anwohner auch noch die Staus und Abgase durch die Ampelanlage ertragen. Welch letztere vor ca. 5 Wochen am Wochenende völlig sinnfrei lief obwohl beide Fahrspuren frei waren - man hatte vergessen sie wie üblich übers Wochenende zu deaktivieren. Es ist wohl anzunehmen daß Vertreter "unserer" Polizei an diesen zwei Tagen mehrfach an dieser Stelle vorbeifuhren bzw. sinnlos aufgehalten wurden - Abhilfe wurde von dieser Seite nicht geschaffen. Wie auch nicht bei den illegalen Durchfahrten - das ganze Potential einschließlich Polizei-Kavallerie muß ja, auf Geheiß eines Herrn Schairer der sich bei dieser Gelegenheit schon einmal überarbeitet bei den Montagsdemos zur Einschüchterung aufgefahren werden. -

    Wie es überhaupt kaum noch verwundern kann, daß es - trotz Gefahr im Verzug, in dieser Stadt geschlagene 5 Wochen dauert bevor nach einer Meldung auf dem Revier ein verstelltes unwirksames Verkehrszeichen welches Fahrern Schleudergefahr signalisieren soll wieder richtig aufgestellt wird obwohl an der Stelle bereits mehrere Unfälle passiert waren (Untertürkheimer Kelterplatz).

    Aber Herr Kuhn merkt hiervon nichts weil er wegschaut. Wie sein von der Stuttgarter Lokalpresse zum 65. Geburtstag als "elder statesman" mit Lebensart-Ambitionen süßlich hofierter Amtsvorgänger bekommt er nichts mit. Herr Schuster über dessen alles andere als gut bestelltes Haus gerne der pauschale Mantel des Schweigens gelegt wird wandelt, wenn er in die Stadt herunterkommt, ja auf Pfaden die nicht durch Stuttgart 21 betroffen werden, genauso wie die grünen Kerninteressenten und Vertreter/Innen anderswo wohnen, z.B. im Westen oder auf luftiger Höhe beim Onkel Otto.

    Alle 6-8 Wochen stößt Herr Kuhn dann, wenn es nicht mehr anders geht, ein Fanal der "kritischen Begleitung" aus, worauf die Bahn AG garantiert pfeift weil sie weiß wie es mittlerweile läuft. Der Chef des Umweltamts der Stadt sagte ja, so war es jedenfalls auf einer der letzten Montagsdemos zu hören, daß beim Kindergarten an der Rosensteinstrasse keine Feinstaubmeßstation aufgestellt wird weil auch bei überhöhten Werten nichts unternommen werden würde.

    So sieht grüne Sozialpolitik aus - eine solche noch, der die Reduktion von Feinstaub am Herzen zu liegen scheint. Eine Politik die, wie Joe Bauer es treffend beschrieben hat, saft- und kraftlos ist.

    Jörg Nauke, als Journalist wohl zu gut um jemals Lokalchef der StZ (unter dem aktuellen Regiment) werden zu können, hat vergangene Woche (19. Sept, S.19) einen treffenden Artikel veröffentlicht (bekommen), der auch online einsehbar ist: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.gerber-und-milaneo-in-stuttgart-keiner-will-die-zentren-beschlossen-haben.3bc4b589-6bb6-4f24-816e-01ff0455f889.html. Die Zwangsjacke der Alternativlosigkeit wurde den betroffenen Bürgern auch von der "kleine Leute"-Verwaltungspartei SPD schon früh angezogen. Im Interview-Artikel mit Alexander Kotz (in welchem er Fritz Kuhn in die Parade zu fahren glauben konnte) vom 4. Sept. 2014 (S.19, StZ) mit dem Titel "OB Kuhn hat ein Problem mit Stuttgart 21" - die übliche Frechheit ist nicht zu überlesen - sagt der Fraktionschef zu den erst jetzt von den Verantwortlichen registrierten städtebaulichen Problemen: "Mit dem Wissen und dem Erleben der vergangenen Jahre würde man das A1-Areal am Bahnhof so nicht mehr aufsiedeln. Das Milaneo wäre vermutlich kleiner ausgefallen..." Neben der Anmaßung der Phraseologie des Städtebaus - von welchem Herr Kotz ausweislich der jetzigen Resultate keine Ahnung hat - fällt das seltsame Wort "Erleben" auf. Was ist damit, mit diesem Ausdruck offen gelassenen Inhalts gemeint? "Erleben" der verprügelten sich gegen verordnete "Innovation" und "Cukunft" wehrenden Stuttgarter Bürger am Schwarzen Donnerstag? Erleben einer "christlichen" Partei die einen religiös verbürgten unbegrenzten Dispokredit für angewandte Dummheit zu haben scheint? Mystik der CDU? Wenn der Tiefbahnhof nicht funktioniert, ist es dann auch ein "Erleben"?

    Aber zunächst war es halt einmal bequem für die Verwaltung, große Areale wegzuhauen. Und eindrucksvoll zu klotzen.

    Und ein Herr Hahn von der SPD meinte, wenn ich das noch richtig in Erinnerung habe, schluffig, das würde schon noch werden.

    Alles sehr fraglich. Alles was schiefläuft war absehbar in einer Stadt und in einem Land dessen politische (und wirtschaftliche) Elite auf ungeheuer provinzielle Weise veralteten und hergeholten Zielen nachhechelt, in Akten von "gran (!) performance" (Daimler AG-Anzeige). Herum stehen vor allem mit Feinstaub bedeckte politische Pappkameraden.

    - Nicht zu vergessen die Medien und ihr generelles Versagen. Aus aktuellem Anlaß sei hingewiesen auf: http://www.heise.de/tp/artikel/42/42784/1.html und http://www.heise.de/tp/news/Netzwerk-Nichtrecherche-2400320.html
  • Neigeschmäkta
    am 20.09.2014
    Aber es soll ein urban outfitters rein, das ist stark!
  • Kornelia
    am 19.09.2014
    Lieber @Wolle: sie scheinen nicht im Alltag/ in der Realität zu leben, oder? Und Ihnen scheint ein "über kritiker herzuziehen ins Blut gegangen zu sein", denn wenn sie sehen könnten würden Sie sehen: der Kontext steht für eine neue Form des Journalismus.... STN und STZ jammern rum, incl deren Leser, oder?

    wenn Sie sehen und lesen könnten wüssten Sie: es sind viele Ideen und Veranstaltung zu Stadtentwicklung gelaufen und finden noch statt mit den und von den Kritikern!!!

    wenn Sie nicht soviele Vorurteile hätten und bei jeder Kritik sofort Mauern bauen würden, könnten Sie sehen....
    könnten Sie sehen und nachdenken und daraus lernen und damit neue Dinge entdecken, aber hinter DenkMauern geht das nicht!

    und dann könnten Sie Kritik als ein positives Handeln erleben: Die stillen Ihhgitt----Denker stimmen mit den Füssen ab: Sie gehen oder beteiligen sich nicht und oder ziehen weg.
  • Und Wolle jammert über 40 Stunden
    am 18.09.2014
    pro Woche - und mehr - Fremdbestimmtsein. Tscha. Nicht Tschakka. Schon Monthy Python wusste viel über "den Sinn des Lebens".
  • Heinrich
    am 18.09.2014
    @Wolle: Du sprichst mir aus dem Herzen wenn ich die Kommentare hier lese.
  • Frank-Michael Lange
    am 18.09.2014
    Keine Panik: Alle Jahre wieder saust der Presslufthammer nieder!
  • Wolle
    am 18.09.2014
    Ach wie jede Veränderung beweint wird.
    Ich freu mich auf das Gerber. Sieht super aus.

    Wo ist eigentlich die Stadt auf unserem Planeten die sich nicht ändert?
    Wann war eigentlich die Epoche in den letzten 5000 Jahren in der Stillstand herrschte?
    Und zu dem Investorengejammer:
    Geht mal nach Zwickau. Dort gibt es wenig Investoren. Die Stadt sieht nahezu aus wie vor 25 Jahren. Ein Traum für Leute mit Veränderungsphobie.
    Leider ziehen dort alle jungen Leute weg. Eine Tragödie.

    Wer sich nicht mehr ändert ist tot.

    PS: Warum wird in Kontext über alles gejammert? Man konnte noch nie einen konstruktiven Artikel über die Zukunft lesen.
    Es ist doch nicht zielführend, den andern vollkommen passiv beim Gestalten zuzuschauen um dann am Bauzaun stehen und motzen.
    Was bringt das?
    Warum beteiligt man sich nicht an der Gestaltung?
    In wenigen Jahren gibt es die größte städtebauliche Chance die Stuttgart je hatte.
    Und ihr? Wartet was die bösen Gestalter machen um hinterher schimpfen zu können.
    Warum macht ihr nie mit wenn es um die Zukunft geht?
    Warum schaut ihr nur in den Rückspiegel?
    Auf geht's, beteiligt euch am Stuttgart der Zukunft! Gestalten macht mehr Spaß als Nörgeln!

    „Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.“ Albert Einstein
  • duck soup
    am 18.09.2014
    Das Procedere heißt "GLASPALAST-RECYCLING" und zeigt sich in der aktuell laufenden Stadtentwicklung (wenn man das so nennen kann): ECE, Cloud 7, Gerber, Breuning-Erweiterung. Jeder dieser Entwürfe zeichnet sich durch ein veraltetes, in den 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts als Sciencefiction missverstandenes Zukunftsprojekt aus. Und alle haben sie gemeinsam, dass sie in den Hochglanz-Werbebroschüren immer viel heller, gläserner, ätherischer und weißmacherischer daherkommen, als Tante Clementine erlaubt. Die Wahrheit ist wesentlich betonlastiger, düsterer und klotziger. Die klobigen Prestigebauten verschandeln nicht nur das Straßenbild, sondern nehmen auch Licht, Luft (wichtige Entlüftungsschneisen) und notwendigen öffentlichen Raum weg.
    Praktisch an diesen Investorenkästen ist das Recycling. Nach etwa zehn bis zwanzig Jahren kann alles abgerissen und wieder neu aufgebaut werden. Legomanie vom Feinsten.
    Und ach ja, die Zukunft. Die ist sowas von vorgestern, dass sich das Wurmloch praktisch schon in den Schwanz beißt.
  • Kornelia
    am 17.09.2014
    das erschreckende ist: man lernt nicht! Bildung ist offensichtlich nur noch begrenzt zu sehen!

    vom Run auf die "Einkaufszentren auf die grüne Wiese" bundesweit, europaweit betrieben, hätte man doch lernen müssen das Vieles eine Wippen-Funktion hat:
    wenn ich da Gewicht drauf verlagere geht da nix mehr!!

    Die Auslagerung von einkaufen hatte zur Folge dass in den Städte kein Brot, kein Nagel...keine täglichen Gebrauchsartikel zu haben waren............

    Die jetztige bundesweite (wieder einmal einer macht und alle machen nach :-(( rein in die Stadt.....je gebalter desto besser hat doch den gleichen Effekt:
    den Alltag leben, mensch sein.. Kind sein wird immer problematischer:

    Wir entwickeln moderne Zoos für die "artgerechten Menschen/Tier/Pflanzenhaltung": nur noch in bestimmte (von MenschenZooBetreuern bewachte) Bereiche dürfen dann Menschen und Tiere und Pflanzen rumGehen, rumGammeln, rumSpielen, RumGehen, rumSitzen, rumWachsen, rumGedeihen, rumSchreien, rumLachen, rumKnutschen...

    Alles deutsch Korrekt/Ordentlich bestimmt und geplant und gestattet!
  • Sven
    am 17.09.2014
    "...Wer das Vorhaben kritisiert, sollte auch die Frage nach einer für einen privaten Investor wirtschaftlich tragfähigen Alternative beantworten können."
    Nein, genau das muss ein Ktitiker dieses Projekts nicht können! Die Kritik zielt nämlich vorrangig auf diese Art privater Investoren ab. Zuerst Zerstören, dann mit dem Verkauf des Baus in einzelnen Ladeneinheiten gegenüber den Erstellungskosten unvorstellbar hohe Gewinne einstreichen (Geld zu Geld), den Menschen mit "neu" und dummen Sprüchen das Projekt als Fortschritt verkaufen, um ihnen letztendlich soviel geld wie möglich aus der Tasche zu ziehen. Private Investoren solcher Volksverdummungsprojekt braucht die Menschheit nicht!
  • Kornelia
    am 17.09.2014
    so wird gezahlt:
    Money Money von der Allgemeinheit
    Die Straßenbauer:
    "Der gesamte Umbau der Wolfram- und Heilbronner Straße kostet 6,6 Millionen Euro. Davon trägt die Bahn rund 60 Prozent. Den Rest übernimmt die Stadt. Auch beim Gerber teilen sich Stadt und Investor die Kosten von rund 2,2 Millionen Euro. "
    REstinfrastrukturkosten?
    aber auch
    Mensch, Gesundheit UNmobilität:
    "... wird künftig wesentlich mehr Blech unterwegs sein. Ein vor drei Jahren im Auftrag der Stadt erstelltes Gutachten prognostiziert für die Heilbronner Straße eine Zunahme von 25 Prozent auf täglich 64 000 Fahrzeuge. An der Wolframstraße, über die in Kürze der Besucher- und Lieferverkehr ins Europaviertel läuft, legt der Verkehr um 41 Prozent auf täglich rund 27 000 Fahrzeuge zu."
    und beim Gerber?
    "Studie „Verkehrsuntersuchung Quartier S in Stuttgart-Mitte“. Laut dieser muss nach der Eröffnung des Gerbers mit 6300 Fahrten pro Tag gerechnet werden. Die Studie geht zudem davon aus, dass rund die Hälfte des einlaufenden Verkehrsaufkommens über die Tübinger Straße und 100 Prozent des auflaufenden Verkehrs in Zukunft über die Tübinger Straße abgewickelt wird. Dies bedeutet rund 4700 Fahrten am Tag mehr, welche die Straße dann verkraften muss."

    als habe man noch nier vom Feinstaub, von Gesundheitsschäden von Verkehrslärm im Gemeinderat gehört!!!
  • Kornelia
    am 17.09.2014
    Während früher die Dienstboten oben in den Kammern verbannt wurden, bauen sich heute die eingebildeten Reichen (so manche habe mehr Schulden als reales Geld..) ihre Privat Dependanzen auf den Köpfen der Untertanen.
    und ein guter Einblick wie Denkmalschutz21 geht
    "....die an der Ecke Tübinger/Sophienstraße auf drei Ebenen in das denkmalgeschützte Gebäude einzieht. Die alte Fassade bleibt erhalten."

    wohnen in Exclusiv und abgeschottet von "denen da unten"!
    "Über dem Einkaufszentrum entstehen zirka 70 Wohnungen, auf rund 7.500 Quadratmetern. Unter anderem gibt es fünf frei stehende Stadthäuser. Auch von ihnen aus wird man einen Blick auf die Stadt und ihre Umgebung haben, als befände man sich in einem Hochhaus. Eine Wohnsituation, wie es sie in Stuttgart nicht oft anzutreffen sein dürfte. "

    und wie immer: das drum herum wird wenig beachtet: wie kommen die Menschen zum Gerber? Kann man urbanes Schustersche Leben kaufen? per Minderheiten ExclusivNobel-Kollektions Katalog?
    China: Geisterstädte!
    https://www.google.de/search?q=China+Geisterst%C3%A4dte&ie=utf-8&oe=utf-8&aq=t&rls=org.mozilla:de:official&client=firefox-a&channel=sb&gfe_rd=cr&ei=6U8ZVL-qNqaG8Qez1YD4DA
  • M. Stocker
    am 17.09.2014
    Wer ums Himmels Willen hat eigentlich Michael Gaedts Kopf mit 'Beddoh' verfüllt, sich an einem dermaßen lächerlichen CDU-Pseudorock-Spektakel mit Hupfdohlen-Nummer zu beteiligen?? Ich fasse es nicht. Danke, Kontext, für den Film! Was lernen wir daraus? Schuster ist billiger als Judas, sein Verrat an Stuttgart kostet nur einen Silberling. In die Edelstahl-Urne kommt ein Amtsblatt, das damals sorgsam filtrierte Abbild der Geschehnisse in Stuttgart. Das passt wunderbar zu diesem OB gewordenen Aktendeckel und Statdtzerstörer.
  • M. Stocker
    am 17.09.2014
    Danke für das Foto: alleine der Spruch: 'Hier wächst Stuttgart zusammen' sollte uns am Verstand der Projektbetreiber zweifeln lassen. War Stuttgart an dieser Stelle je getrennt, und wenn ja durch was? Und was wächst jetzt da bitte?

    Ich würde sagen: eine monströse städtebauliche und architektonische Scheußlichkeit.

    Aber der Spruch geht mir nicht aus dem Kopf. Ich werde den Verdacht nicht los, dass das aus der Sprüche-Klempnerei eines leicht verbrezelten Werbegenies aus Berlin stammt. Der schon mal einen lächerlichen achtgleisigen Haltepunkt als 'Das neue Herz Europas' schön- und wichtigtexten wollte. Wenn an dieser Stelle etwas trennendes ist, dann ists die Paulinenbrücke. Die wird sicher nicht abgerissen, da sonst der chronisch verstopfte City-Ring den Dauerinfarkt erleiden würde. Und dann auch die solvente Kundschaft leider auf die Anfahrt mit dem eigenen Auto verzichten müsste.

    Und warum heist der Zuckerbäckerkasten jetzt eigentlich 'Gerber'? Waren die historischen Gerber wirklich an dieser Stelle? Ich dachte immer, die heutige Gerberstraße wäre das ehemalige Gerberviertel gewesen. Die ist eine ganze Ecke weg und verläuft sinnvollerweise ein ordentliches Stück (Nesen-)bachabwärts.

    Nein, ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich mich eines Tages nach der spröden Architektur des DAK-Verwaltungsgebäudes, auch mit Kunst am Bau, zurücksehne. Ein Glück, dass die Bauherren nicht noch weitere 200 m in die Höhe bauen durften. Sonst hätten wir eine waschechte Replika der stalinistischen Imperial-Architektur Moskaus aus den 40er-Jahren. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Vielleicht sollten wir die popelige Paulinenbrücke lieber gleich in Stalinbrücke umbenennen.

    Haben die Architekten als Kinder zu lange mit Lego-Burgenbaukästen gespielt? Oder im Büro zuviel schlechte Werbung auf Viva/ComedyCentral angeschaut?

    BAUE DEIN IMPERIUM! donnert es dort alle paar Minuten aus der Glotze, und dann wachsen in atemberaubendem Tempo Türme, Bögelchen, Balkönchen und Zinnen aus dem Couchtisch, ein Wunderwerk imperialer Architektur. Wie im 'Gerber'. Nichts dagegen, wenn diese Fake-Ornamentik aus dem Baukasten des Neoklassizismus irgendwo auf der grünen Wiese steht, als Musical-Theater beispielsweise, oder als architektonisches Selbstverwirklichungsdenkmal eines mittelständischen Eiche-Rustikal-Unternehmers in einem Industriegebiet im Remstal oder am Fuße der Alb.

    Aber so was mitten im öffentlichen Raum in Stuttgart? Graut es denen eigentlich vor garnichts?

    Ja gut, unsere Jeunesse Doree geht inzwischen in Seppelhosen und Dirndl aufs Cannstatter Volksfest, und bei IKEA kann man Möbel im Landhaus-Stil kaufen. Ist das ein Grund, auch den öffentlichen Raum mit lächerlichem altbackenem Zierrat zu verhunzen?

    Oder lag es am ganzen Gedenktrubel um den 1. Weltkrieg, sich eine kleine Anleihe bei wilhelminischer Imperial-Architektur zu gönnen?

    Bitte zur Verdeutlichung der Schönheit dieses Kastens in den Bögen die abgesetzten Streifen der Sandstein-Optik-Verkleidung vergolden. Es werden sich in Stuttgart doch noch ein paar engagierte Künstler oder Sprayer finden.
    Oder besser gleich ein Dauerkunstwerk von Christo daraus machen lassen. Verhüllen - und nie wieder auspacken. Obwohl, das wäre angesichts dessen, was Christo sonst so verhüllt, schon entschieden zu viel der Ehre.
  • FernDerHeimat
    am 17.09.2014
    "Spätrömische Dekadenz" und "Brot und Spiele" kommen einem in den Sinn - wobei "spätkapitalistische Dekadenz", "korrupter Grössenwahn" und "menschenfeindliche Kälte" noch viel besser passen.

    Nein, das Gerber - ebenso wie das Milaneo - sollte man mit aller Entschlossenheit und Konsequenz boykottieren. Hier gibt es nichts, was man woanders nicht schöner, freundlicher und umweltverträglicher bekommt.

    "Sollen sie Kuchen essen."

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