Stetten am kalten Markt konnte mit 35,2 Grad Celsius seinem Namen nicht mehr gerecht werden, Stuttgart und Freiburg brachten es auf knapp 39 Grad, Rheinfelden auf 40. Der Bodensee führt ein noch nie dagewesenes Niedrigwasser. Und die der CDU eng verbundene Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Baden-Württemberg "steht fassungslos vor einer europäischen Politik, die zunehmend den Blick für die Realität verliert". Gefordert wird eine "grundlegende Kehrtwende" – aber nicht in der Klima-, sondern in der Verkehrspolitik. Anstelle von Brüsseler Berufspolitikern und Bürokraten sollten nach MIT-Meinung jene "Millionen Menschen, die jeden Tag mit ihrem Geld entscheiden, welche Produkte erfolgreich sind", für die CO2-Flottenvorgaben zuständig sein: "Der Markt ist doch Demokratie pur."
So weit, so abgefahren, vor allem angesichts der Tatsache, dass viele Bereiche durchaus Erfolge im Kampf gegen die Erderwärmung vorzuweisen haben, der Verkehr auf diesem Feld aber überhaupt nichts zu bieten hat. Dennoch agitieren führende Köpfe von MIT und Union seit inzwischen neun Jahren gegen "Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge und gegen ein Verbot von Verbrennungsmotoren". Nur zur Erinnerung: Entgegen einer vorsätzlich weit verbreiteten Falschbehauptung hat die EU solche Verbote nie beschlossen. Beschlossen hat sie vielmehr nach langer Diskussion im Zuge des Programms "Fit for 55", dass ab 2035 lediglich emissionsfrei fahrende Neuwagen zugelassen werden. 2017 war Carsten Linnemann (CDU), später Generalsekretär seiner Partei und seit Kurzem Bundesgesundheitsminister, MIT-Chef. Immerhin hatte er den Dieselskandal noch auf dem Schirm mit seinem damaligen Appell an die Hersteller, "verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen" durch die Annäherung der realen Emissionen an jene im Labor.




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