In den tiefen Lagen des Stuttgarter Kessels wirkten die letzten Hitzewellen besonders quälend. Doch glaubt man der Deutschen Bahn, könnte der in Bau befindliche Stuttgart-21-Tiefbahnhof künftig zu einer kühlen Oase in der Stadt werden. Das legte zumindest ein Video nahe, das am 16. August auf dem Youtube-Kanal der Projektgesellschaft Stuttgart-Ulm veröffentlicht wurde.
"Warum Stuttgart 21 keine Klimaanlage braucht" ist das Filmchen betitelt, und René Krull vom Technischen Projektmanagement erklärt darin, dass durch die Einbettung des Tiefbahnhofs in die Erde die Bauteile die Temperatur des Untergrunds annähmen. Und: Weil der Hauptbahnhof am tiefsten Punkt des Stuttgarter Talkessels läge und alle Tunnel nach oben führen, würde von oben einströmende Luft sich abkühlen und drücke nach unten in den Bahnhof herein – das sorge auch dafür, dass hier die Temperatur ziemlich konstant bleibe. Außerdem sorgten noch die Luftbewegungen durch die ein- und ausfahrenden Züge für einen Luftaustausch. Diese Effekte, so Krull, spüre man schon jetzt auf der Baustelle. Nicht im Video, aber im Begleittext ist überdies davon die Rede, dass "die ganzjährig rund 15 Grad kühlen Tunnel" die einströmende Luft temperieren.
Der Spott in den Kommentaren unter dem Video ließ nicht lange auf sich warten. Unter anderem Verweise auf andere unterirdische Bahnhöfe, in denen es oft unerträglich heiß wird. Oder zur nahegelegenen S-Bahn-Station am Hauptbahnhof, wo das sommers auch der Fall sei. Woraufhin sich die Bahn zu einer Replik genötigt sah: Die Länge der anschließenden Tunnel mache hier den Unterschied, so ein Bahnsprecher. Beim Tiefbahnhof seien die Tunnel mehrere Kilometer lang und lägen bis zu 220 Meter tief, wohingegen die S-Bahn-Haltestelle Hauptbahnhof "nur wenige Dutzend Meter vom Tunnelportal, das im Gleisvorfeld des alten Kopfbahnhofs liegt, entfernt" sei. Daher profitiere sie nicht von in langen Tunneln abgekühlter Luft.
Seit Beginn des Bahnzeitalters: Tunnelhitzeprobleme
Wie plausibel ist das? Wer sich mit Bahntunneln und Temperaturen beschäftigt, stößt tendenziell eher auf Hitzeprobleme. Gerade in sehr langen Tunneln wie den diversen Basistunneln in den Alpen (zum Beispiel Gotthard oder Simplon) liegt die Temperatur durch Geothermie bedingt – also die Erdwärme – oft deutlich höher als außerhalb. Dazu kommt Abwärme durch Motoren sowie Bremsenergie der Triebfahrzeuge. Das war schon in frühen Phasen des Eisenbahnzeitalters bekannt und stellte zusammen mit der Belüftung der Tunnel ein größeres Problem dar. Weil Dampf- und Dieselloks sowohl für Hitze als auch für gefährliche Abgase sorgen können, entschied sich die Schweiz etwa, bei dem 1905 eröffneten Simplontunnel (20 Kilometer Länge) von Anfang an nur Elektroloks einzusetzen.




1 Kommentar verfügbar
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Stuttgart-21-Tiefbahnhof braucht keine Klimaanlage ?
Kommentare anzeigenDr. Ing. Peter Goretzki
vor 4 Stunden- Damit Kaltluft nach unten in den Tunnel fließt würde dies zunächst ein Kaltluftentstehungsgebiet am oberen Tunnelmund erfordern (der Flughafen und die Messe einschließlich Parklätze um den Flughafentiefbahnhof sind eher das Gegenteil).
- Im…