Frau Fidušek, Herr Immer, mal anders herum angefangen: Was gefällt Ihnen am Koalitionsvertrag?
Jaron Immer: Dass das Wohnungsbauministerium in grüne Hände gekommen ist und die Mittel für sozialen Wohnungsbau verdoppelt werden. Und aus unserer Sicht besonders wichtig ist, die Förderung von Azubi-Wohnheimen zu stärken. Wir zeigen, dass wir das Thema Wohnung und junge Generation auf dem Schirm haben. Das grüne Haus wird jetzt aber auch liefern müssen.
Alle Vorhaben stehen unter Haushaltsvorbehalt.
Immer: Aber es gibt die nicht genutzte Möglichkeit, weitere Schulden aufzunehmen.
Theresa Fidušek: Und es gibt Prioritäten. Da gehört für uns das Thema Wohnung eindeutig dazu. Nicht nur für junge Menschen ist die Situation sehr kompliziert. Da ist auch das Staatsministerium gefragt, das der neuen Wohnungsbauministerin den Rücken stärkt. Das stärkere Engagement für bezahlbaren Wohnraum ist wichtig, wichtig sind aber auch die Stimmung. Und dass sich wirklich etwas ändert.
Immer: Haushaltspolitisch finden wir es aber falsch, auf der einen Seite anzuerkennen, dass wir in stürmischen Zeiten leben, und auf der anderen Seite heute schon auszuschließen, dass wir die zusätzlichen Kreditspielräume der Strukturkomponente nutzen.
Gibt es andere positive Punkte?
Immer: Dass sich die CDU mit ihrer Forderung nach den Sekundärmigrationszentren nicht durchgesetzt hat. Wir brauchen keine haftähnlichen Zustände für Asylbewerber:innen. Dass die Ausweitung der verbindlichen Grundschulempfehlung verhindert wurde. Oder dass das Ziel für Baden-Württemberg weiterhin bleibt, 2040 klimaneutral zu sein, und wir die Finanzierung der Stadtwerke für die Wärmewende angehen.
Klingt nach Abwehrkampf.
Fidušek: Das ist ein Problem, aber auch Fakt. Die Grünen haben vieles verhindert, was im Wahlprogramm der CDU versprochen wurde. Aber unsere Ambitionen sind deutlich größer. Wir haben einen anderen Anspruch an Regierungspolitik, weil deutlich werden muss, wer diese Regierung führt. Das muss sich jetzt zeigen. Ein zweites Problem wird uns in den nächsten fünf Jahren aber mindestens genauso sehr beschäftigten: die Auslegung von Beschlüssen. Da ist Luft im Koalitionsvertrag, da gibt es wichtige Aspekte, die ziemlich unkonkret formuliert sind.
Zum Beispiel?
Fidušek: Ein Beispiel ist die Klimapolitik. Wir haben schon in der vergangenen Legislaturperiode gesehen, dass Vorhaben auf der Strecke bleiben, wenn es konkret wird. Es ist nicht gelungen, die Sektorenziele auch im neuen Koalitionsvertrag festzuschreiben. Da steht, dass sie in eine ambitionierte Sektorenverantwortung übergeleitet werden. Geklärt werden muss, was das bedeutet und wie die einzelnen Ressorts diese Verantwortung übernehmen werden. CDU-Häuser haben schon in der vergangenen Legislaturperiode oft nur halbherzig mitgezogen.




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