Züge in Landesfarben sausen im Kreis, Elektrofahrzeuge sind unterwegs, es wird kräftig geradelt, und auf einem Hügel drehen sich Windräder – eine neue, bessere Verkehrswelt. Sie steht im Eingangsbereich des baden-württembergischen Verkehrsministeriums, eine Modellbahnanlage, auf der Winfried Hermanns Politik im Maßstab 1:87 abgebildet ist. Ein bisschen skurril wirkt die vier Meter lange Miniaturwelt, aber sie passt sehr gut zu dem, was dem Minister vorschwebte, als er vor 15 Jahren im Mai 2011 sein Amt antrat: Er wollte nichts Geringeres als eine neue, ganzheitliche Idee von Verkehr verwirklichen. Man müsse, so Hermanns Credo, alle Verkehrsträger – Bahn, Schiff, Auto, Rad- und Fußverkehr – als eines denken.
Der Minister im Sommer 2016 auf seinem Dienstrad. Foto: Joachim E. Röttgers
Wer in sein Zimmer kommt, trifft einen gut gelaunten Minister, der, wenige Wochen vor dem Ende seiner Amtszeit, immer noch Akten vor sich hat, der immer noch umschwirrt ist von Mitarbeiter:innen, die seinen Terminkalender in den Griff zu bekommen versuchen. Auch mit 73 Jahren ist er agil und macht keine Anstalten, locker zu lassen. Ein Fahrradhelm liegt bereit – außer dem Dienstwagen gibt es auch ein Dienstfahrrad. Fragt man nach seinem wichtigsten Projekt, dann kommt er aus dem Aufzählen gar nicht mehr heraus. "Wenn man 15 Jahre Minister gewesen ist, wäre es armselig, wenn man nur ein Thema hätte", sagt Hermann.
Und fertig ist er auch noch nicht, bis fast zum letzten Tag gibt es Termine. Verbesserungen bei CiCoBW ist einer davon – "Check-in-Check-out Baden-Württemberg", ein Bestpreis-Tarifsystem für Leute ohne Deutschlandticket, das den günstigsten Fahrpreis auf einer Strecke berechnet. Ein Termin drei Stunden vor seiner Abschiedsparty Ende April.
2001 brachte er fast die Bundesregierung zu Fall
Der ehemalige Sportlehrer Winfried Hermann ist der einzige grüne Minister, der in allen drei Kabinetten des grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann auf seinem Posten geblieben ist. Das ist durchaus überraschend, denn Hermann war anfangs eher ein Gegenspieler Kretschmanns, ein Linker, ein Fundi, wie es einst hieß. Einer, der nicht auf Kuschelkurs zur CDU gehen wollte, einer, der auf seinen Standpunkt pocht.




0 Kommentare verfügbar
Schreiben Sie den ersten Kommentar!