Eigentlich also ein Heimspiel für Monika Stein, die für diesen Wahlkampf beurlaubte Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die sich diesen Termin nicht entgehen lässt. Die Parteilose hat schon vor acht Jahren für den OB-Posten kandidiert und wird von Grünen, Linken sowie von diversen progressiven Gruppen unterstützt. "Meine Stimme hast du schon", sagt einer der Gesprächspartner. Als "Alt-68erin" outet sich eine Dame ("Feministin bleibe ich ein Leben lang"), die von sich sagt, dass sie schon immer guten Frauen ihre Stimme gibt, wenn sie die Wahl hat.
Insgesamt neun Kandidierende greifen am kommenden Sonntag nach dem höchsten Amt, das die 240.000 Einwohner:innen-Stadt im Breisgau zu vergeben hat. Drei haben sich ernsthafte Chancen ausgerechnet: OB Martin Horn, Monika Stein und Achim Wiehle, ein örtlicher Unternehmer, ebenfalls parteilos, den die CDU unterstützt. Freiburg drücken ganz ähnliche Probleme wie die allermeisten anderen Kommunen im Südwesten: Geld ist knapp, Wohnraum ebenfalls, Schulen müssen saniert und Behörden weiter digitalisiert werden und so weiter und so fort.
Hohe Kriminalität, hohes Sicherheitsgefühl
Für einen hässlichen Kratzer am Image der renommierten und beliebten Universitätsstadt sorgt regelmäßig die Polizeistatistik, wonach Freiburg eine dauerhaft hohe Kriminalitätsrate hat, weshalb alle drei Bewerber:innen die innere Sicherheit auf ihrer Agenda ganz weit oben ansiedeln. "Es sind nicht die Fahrraddiebstähle", kommentiert Stefan Kaufmann, Professor am Institut für Soziologie, die steigenden Zahlen und verweist unter anderem auf die Fälle häuslicher Gewaltdelikte. Gegenwärtig wird unter anderem über die Einrichtung von Messerverbotszonen diskutiert.
Zugleich hat die Stadt ein Alleinstellungsmerkmal: Das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung ist deutlich höher als anderorts, sogar viel höher als in vielen Kommunen mit deutlich niedrigeren Zahlen. Auf dem Platz der Alten Synagoge sitzen drei Frauen im Schatten eines Universitätsgebäudes, das das Land gegenwärtig mit einer dreistelligen Millionensumme generalsaniert. Eine holt diesen Espresso für drei Euro, der Einkaufskorb bleibt auf der Holzbank stehen. Die Frage liegt auf der Hand: "Kein Angst vor Diebstahl?" Die Empörung ist nicht gespielt und in der Tonlage von "Doch nicht in unserem Freiburg".
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