Welche Polizei wollen wir? Eine Frage, die immer dann auftaucht, wenn Menschen durch Polizeischüsse ihr Leben verlieren, wenn Fälle von Polizeigewalt bekannt werden. Eine Frage, die auch Kriminologe Tom Kattenberg in einem Aufsatz über den Einsatz von Tasern stellt: "Eine Polizei, die vorrangig auf technische Kontrollinstrumente setzt, oder eine, die auf kommunikative Kompetenz, gesellschaftliches Vertrauen und Verhältnismäßigkeit setzt?"
Vergangene Woche lieferte Baden-Württembergs Polizei darauf eine Antwort: 50.000 Volt, die auf den menschlichen Körper treffen. "Wir sind davon überzeugt, dass dieses Werkzeug eine Option bietet, viele Situationen, die heute noch herkömmlich gelöst werden müssen, auf eine andere Art und Weise zu lösen", sagte Uwe Oldenburg, Polizeivizepräsident in Freiburg, zur neuen Waffe im Arsenal. Am Freitag, 16. Januar wurde sie im Trainingszentrum der Polizei im nahegelegenen Umkirch der Presse präsentiert, mit dabei war Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU). 40 solcher "Distanz-Elektroimpulsgeräte" mit dem Markennamen "Taser 7" von Axon wurden angeschafft – bislang war in Baden-Württemberg lediglich das Spezialeinsatzkommando (SEK) damit ausgestattet. Neben der Freiburger Polizei führen nun auch die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit in Göppingen sowie die Polizist:innen in Weil am Rhein und Titisee-Neustadt in einer zweijährigen Testphase Taser mit sich.
Sie sehen aus wie gelbe Spielzeugpistolen, sind aber um einiges gefährlicher. Das wurde bei der Vorführung deutlich. Alle Anwesenden wurden aufgefordert, zur Sicherheit Schutzbrillen aufzusetzen. "Stopp, Polizei, legen Sie den Gegenstand weg oder ich setze Strom gegen Sie ein!", schreit ein Beamter durch den Trainingsraum. Er aktiviert die gelbe Waffe, sie beginnt zu brutzeln: zzzzzzz. "Taser, Taser, Taser!", ruft noch der Beamte, dann schießen mit einem lauten Knall zwei der vier Bolzen aus dem Taser, ein elektrisches Klackern geht fünf Sekunden durch den Raum. Die 1,2 Zentimeter großen Pfeile verhaken sich in der Übungsscheibe mit menschlichem Abbild, zwischen Waffe und Bolzen hängen isolierte Stromkabel. Bei einem echten Einsatz sollen sich die Pfeile in die menschliche Haut bohren. "Wir erkennen eine ideale Trefferlage", zeigt sich Thomas Link, Leiter des Einsatztrainings der Freiburger Polizei, nach der Vorführung zufrieden. "Bein, getrennt durch den Gürtelbereich, und Bauch, jetzt würde es zu einer unkontrollierten Muskelkontraktion kommen, die Person würde zusammenbrechen und könnte überwältigt werden," erklärt er.
Robuster Einsatz im Straßencafé
Polizeivizepräsident Oldenburg sagt, robust solle es zugehen. Das gilt offenbar auch für Einsätze in Straßencafés: Beim zweiten Szenario, das der Presse vorgeführt wird, sitzt eine Person in einem nachgestellten Außenbereich eines solchen. "Betreiber dieser Lokalität, aber auch Besucher beschweren sich, dass er alkoholisiert sei, hoch aggressiv sei, beleidigend werde. Die Streife muss kommen, um diesen Sachverhalt zu klären", führt Oldenburg ins Geschehen ein. Praxisnah soll die Übung sein – als ob Schlagzeilen von massiven Problemen in Freiburger Cafés der Regelfall wären.




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