Bei der ARD liefen zwischen 1964 und 2002 sogenannte Ausländerprogramme auf Türkisch, Griechisch und Italienisch. In der Region Stuttgart sind nun seit beinahe einem Vierteljahrhundert die mehrsprachigen Community-Programme ein Alleinstellungsmerkmal des FRS. Auf Sendung sind hier unter anderem "Walia – Voice of Ethiopians", "Radio Eritrea", das italienische "Radio Libera Stoccarda", das spanische "Radio Hispanohablante", "Radio Africa", "Oman Ghana Radio", "Zig-Zag de Romania", die "Alevitische Redaktion", das "Refugee Radio" und das von Iraner:innen gestaltete Programm "Woman Life Freedom". Bei manchen Formaten liegt der Fokus auf feministischer Theorie und Gesellschaftskritik. Andere konzentrieren sich ausschließlich auf Musik. Stress zwischen den Redaktionen gebe es selten, sagt Kluge. In der Corona-Zeit sei der großen Mehrheit ein Format zu schwurbelig geworden, daraufhin habe das Plenum getagt und einen Rauswurf beschlossen.
Vorbereitung auf andere Zeiten
Vor 30 Jahren, am 28. September 1996, ging das FRS erstmals auf Sendung, das Sendesignal wird heute von einer Antenne am Kamin der Müllverbrennungsanlage im Stadtteil Münster abgestrahlt. Dadurch dass die Sendeleistung mit 300 Watt eher schwach ist, ist das Programm über UKW-Frequenz 99,2 MHz nicht überall in Stuttgart gleich gut zu hören: Im Stuttgarter Süden und Westen holpert die Übertragung, dafür hat ein Zipfel von Esslingen guten Empfang. Doch übers Internet kann das Programm überall in guter Qualität abgerufen werden.
Passend zum FRS-Jubiläum ist Stuttgart vom 29. Oktober bis zum 1. November 2026 Austragungsort der diesjährigen Zukunftswerkstatt Community Media: ein Kongress des Bundesverbands Freier Radios, als Kooperationspartnerinnen beteiligen sich die Landesmedienanstalten von Baden-Württemberg, Hessen, Thüringen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Diese sorgen durch Zuschüsse dafür, dass Freie Radios eine finanzielle Grundlage haben. Die Budgets sind aber hauptsächlich für die technische Ausstattung eingeplant, nur die wenigsten sind hauptamtlich bei einem Sender aktiv, der überwältigende Teil macht pro bono mit. In Stuttgart sind über 200 Ehrenamtliche am Programm beteiligt, hinzu kommen 1,5 Vollzeitstellen.
Als inhaltlichem Schwerpunkt befasst sich der Kongress in diesem Jahr mit "Freien Medien als Teil der Demokratiebildung". Neben Wolfgang Kreißig, dem Präsidenten der baden-württembergischen Landesanstalt für Kommunikation, Clarissa Henning von der Stuttgarter Hochschule der Medien und Diana Heinbucher von Radio T aus Chemnitz ist auch Kontext-Chefredakteurin Anna Hunger als Referentin zur eröffnenden Podiumsdiskussion geladen. Im Rahmen der Zukunftswerkstatt soll die Frage vertieft werden, wie es mit der finanziellen Grundlage weitergeht, wenn sich begleitend zum allgemeinen Sparzwang die politische Stimmung dreht und gemeinnütziger Journalismus als zunehmend entbehrlich eingestuft wird. Schon heute sind die Mittel meistens knapp. Damit sich der Kongress eine Verpflegung für die Referent:innen und Honorare für die Workshops leisten kann, läuft aktuell eine Spendenkampagne, derzeit fehlen noch knapp 1.000 Euro.
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