Es scheint fast so entfernt wie das Zeitalter der Dinosaurier: Christian Wulff tritt gerade als Bundespräsident zurück, in den USA gewinnt Barack Obama ein zweites Mal die Wahl, das größte Problem der deutschen Parteienlandschaft heißt FDP, weil die AfD noch nicht gegründet worden ist. Rückblickend wirkten die Verhältnisse 2012 einfach nur paradiesisch. In diesem Jahr erschien auch ein Artikel in der "Zeit", er trägt die Überschrift "Unabhängig in die Pleite": Nach nur einem Jahr stehe die Stuttgarter Internetzeitung Kontext vor dem Aus, denn "Milliardärsehepaare, die unabhängigen Journalismus für ein schutzwürdiges Kulturgut halten, sind in Stuttgart und auch sonst wo leider schwer zu finden".
Nun, wir können uns auch nicht erklären, wie das passieren konnte – aber hey, wir leben noch. Juhu! Und wenn man sich anschaut, was Milliardäre derzeit auf und mit der Welt anstellen, sind wir ganz froh, statt einem großen Geldgeber viele hundert kleinere zu haben, die mit ihren Spenden möglich machen, was in der gegenwärtigen Medienkrise als völlig absurde Idee erscheint: Eine Wochenzeitung im Internet ohne Werbung und Bezahlschranken. Aber weil genug Leute freiwillig dafür spenden, geht es irgendwie auf und dank dieser Solidarität kann Kontext unabhängig vom Geldbeutel von allen gelesen werden.
Ebenfalls kostenfrei zu lesen sind die beiden Stadtteil-Zeitungen "Blättle Stuttgart-Süd" und "Blättle Stuttgart-West", die Ende 2024 eine Tochter-GmbH von Kontext erworben hat. Das Medienimperium expandiert also, während der Trend in der Medienwelt eher zu Sparrunden und Stellenabbau tendiert. Und wir wollen weiter ausbilden: Gerade sammelt Kontext Spenden, um ein neues Volontariat, also eine Ausbildungsstelle zu finanzieren, die dritte in der Lebenszeit des Projektes.
Nun ist Kontext in diesem April bereits 15 Jahre alt geworden – und leider ist es mit der Welt seit unserer Gründung ganz schön bergab gegangen. Wenn's an uns liegt, tut's uns leid, Ehrenwort!
Wir sind ja auch, wo möglich, um Wiedergutmachung bemüht. Und zur Feier unseres Geburtstags steht am 27. Juni ein großes Fest auf der Kulturinsel in Stuttgart-Bad Cannstatt an. Kein abgehobenes Theorie-Geschwafel und keine S-21-Defizit-Nachweis-Referate unter dem Vorwand eines Festes, sondern ein richtiges Fest-Fest mit viel Spaß wie Livemusik, DJ, Essen und Trinken, Fotoausstellung – und nur ganz wenigen Grußworten. Der Eintritt ist frei, weil hier ja eh alles für umme ist, Spenden sind natürlich gerne gesehen, aber zur Teilnahme nicht zwingend erforderlich, und eine vorherige Anmeldung macht uns die Organisation leichter (verwaltung@kontextwochenzeitung.de). Start ist übrigens um 16 Uhr.




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