Pünktlich wie die Eisenbahn – Boomer und einige Gen-X-Frühgreise erinnern sich vielleicht noch an diesen Spruch. Aber selbst die Google-KI weiß, dass er ziemlich abgedroschen ist. "Früher galt die Eisenbahn als Inbegriff der Zuverlässigkeit. Dieses Bild hat sich geändert, da die Pünktlichkeitswerte der Deutschen Bahn in den letzten Jahren stark gesunken sind", schreibt uns der Chatbot der Suchmaschine. "Gesunken" ist noch nett formuliert, es müsste "verschwunden" heißen, wie wir im Stuttgarter Talkessel Tätigen aus leidvoller Eigenempirie ergänzen möchten. Was auch an der Megabaustelle Stuttgart 21 liegt, die schon vor Jahren ein funktionstüchtiger Bahnhof hätte sein sollen. Und bis vor Kurzem ganz bestimmt, jetzt aber wirklich, ohne Scheiß, großes Indianerehrenwort, bis Dezember 2026 fertig. Eigentlich. Ja, war mal wieder nix. Also weiter Baustelle, ein schwarzes Loch, das ein Milliönchen nach dem anderen verschwinden lässt wie Zauberer den Hasen im Hut. Und uns viel erspart hätte, wäre es gar nicht begonnen worden.
Deshalb sind wir froh, dass der Tiefbahnhof und seine Ausläufer nicht die einzigen Baustellen sind in Stuttgart und dass es welche gibt, bei denen was Sinnvolles entsteht. Bei Kontext wird gemeinnützig gewerkelt, kritisch gebohrt, an Texten und Fotos geschraubt – und das seit April 2011. Zwar auf finanziell kleiner Flamme, aber trotzdem erfolgreich. Ohne Werbung, ohne Abhängigkeit von Unternehmen, getragen allein von Ihnen, unseren Spenderinnen und Spendern, und zuverlässig jeden Mittwoch ab Mitternacht online. Seit 765 Ausgaben: tief graben, pünktlich fertig sein!
Kontext-Autor Hermann G. Abmayr gehört zu denen, die schon am längsten für uns graben, und er kennt nicht nur jeden bisher gebohrten Tunnel für Stuttgart 21 persönlich, sondern auch sämtliche Schienen und Weichen der Region mit Vornamen. Er bohrt sich aber auch unermüdlich in die Vergangenheit, fördert Neues zu NS-Verbrechen zutage oder aus der Zeit, als der Radikalenerlass für Berufsverbote sorgte. Zuletzt war er mal wieder in den Sedimenten der 1970er-Jahre unterwegs und förderte aus einer KPD-Moräne des süddeutschen K-Gruppen-Massivs eine heutige CDUlerin. Das gab ein bisschen Aufregung. Und so muss es auch sein bei einer Zeitung, die den Diskurs im Spätzles-Land ganz gerne mal aufmischt.
Auch für die Zukunft haben wir jede Menge neuer Bauabschnitte auf dem Plan, die wir langsam, aber zuverlässig nach und nach verwirklichen werden. Denn wir wollen mehr. Mehr Kontext, mehr unabhängigen Journalismus, mehr Medienbildungsprojekte mit jungen Leuten. Sie machen das möglich! Ihre Spende ermöglicht uns die Arbeit und allen, auch Menschen mit wenig Geld, Zugang zu Kontext-Recherchen. Und das jede Woche. Und immer pünktlich.
Unterstützen Sie uns mit dem Soli. Schon ab 10 Euro im Monat sind Sie dabei!
www.kontextwochenzeitung.de/soli
Einmalig spenden können Sie per Überweisung auf unser Konto bei der GLS-Bank:
IBAN: DE80 4306 0967 7011 8506 00
BIC: GENODEM1GLS




0 Kommentare verfügbar
Schreiben Sie den ersten Kommentar!