Mahnwache für einen Kriegsverbrecher: Über nationalistische Umtriebe in kroatischen Gemeinden wird nur selten berichtet. Foto: Jens Volle

Mahnwache für einen Kriegsverbrecher: Über nationalistische Umtriebe in kroatischen Gemeinden wird nur selten berichtet. Foto: Jens Volle

Ausgabe 364
Medien

Besuch angedroht

Von Danijel Majic
Datum: 21.03.2018
Wer als Journalist über Sekten, Populisten und Neonazis schreibt, muss ein dickes Fell haben. Unser Autor recherchiert und schreibt über kroatische Nationalisten und Rechtsextreme, zuletzt auch für Kontext. Dafür erntet er Beleidigungen, Bedrohungen und Verleumdungen. Ein Erfahrungsbericht.

Zeljko C. schrieb mir über den Messenger. "Scheiß Jugoslawe! Ich wichse auf Dich und Deine kommunistischen Faschisten!" Zeljko C. wird sich kurz darauf korrigieren und auf meiner Facebook-Seite verkünden, doch lieber auf mich "scheißen" zu wollen. Zu diesem Zeitpunkt sind schon einige andere, die sich als kroatische "Patrioten" betrachten, allesamt mit Wohnsitz in Deutschland, Zeljko Cs. Beispiel gefolgt und posten unfreundliche Nachrichten auf meine Pinnwand. Der ganz normale Wahnsinn, wenn man kritisch über nationalistische Umtriebe in kroatischen Gemeinden schreibt.

Danijel Majic

Foto: privat

Danijel Majic, 36 Jahre alt, arbeitet als Redakteur für die "Frankfurter Rundschau". Er recherchiert und schreibt vor allem zu den Themen Rechtsextremismus, Islamismus und jüdisches Leben. Seine Texte sind unter anderem in der „Jüdischen Allgemeinen“, dem antifaschistischen Magazin „Der rechte Rand“ und diversen Lokal- und Regionalzeitungen erscheinen. (ana)

Was in einigen dieser Gemeinden vor sich geht, ist kaum bekannt. So werden und wurden in der Vergangenheit, beispielsweise in Stuttgart, Filme gezeigt, die den Massenmord des faschistischen Ustascha-Regimes an Serben, Roma und Juden im Zweiten Weltkrieg relativieren. Unter anderem in Mainz und Stuttgart trat der prominente rechtsradikale TV-Moderator Velimir Bujanec auf, in der kroatischen Gemeinde der Landeshauptstadt fand sogar eine Gedenkfeier statt (Kontext berichtete), die dem Kriegsverbrecher Slobodan Praljak huldigte, der sich im November 2017 vor dem Internationalen Gerichtshof umgebracht hatte.

Wenn du also darüber schreibst, beschimpfen dich wildfremde Menschen über Facebook. Einige davon kündigen an, dich "besuchen" zu wollen oder dass ihre Freunde mal vorbeikommen. Manche versuchen über Dritte an Deine Adresse zu kommen. Ehemalige Funktionäre eines Dachverbandes der kroatischen Migranten schreiben dir E-Mails, die sie mit der Ustascha-Grußformel "Za dom spremni" ("Für die Heimat bereit") zeichnen. Rechte Portale in Kroatien übersetzen einen Text von Dir, ohne Genehmigung. Sie veröffentlichen diesen unter dem Titel, sinngemäß übersetzt, "Lesen Sie hier die Lügen, die Danijel Majic verbreitet hat". Natürlich wird keine einzige "Lüge" benannt, geschweige denn belegt.

Dieselben Portale müssen den geklauten Text nach einem Schreiben meines Anwalts zwar entfernen, behaupten aber in einem Ersatztext weiterhin, ich würde ständig "auf den ersten Blick sichtbare Lügen" verbreiten. Ein Beleg fehlt auch hier. Erstmal. Dann taucht doch noch einer auf: Eine Textstelle aus der rechtswidrigen Übersetzung, in der jemand ein entscheidendes Wort hinzugefügt hat, das im deutschen Original nicht vorkommt. Es ging um die Vereinigung "U ime obitelji", die in Kroatien ein Referendum erzwungen hat, mit dem die Ehe in der Verfassung als Gemeinschaft von Mann und Frau definiert werden sollte (leider erfolgreich). Aus "erzwungen" machte das Portal "gewaltsam erzwungen" – nicht nur wurde der Text geklaut und ohne Erlaubnis übersetzt, sondern auch noch manipuliert.

Diese Portale veröffentlichen natürlich auch überall Dein Foto. Nachdem ich über den rechten Fernseh-Moderator Velimir Bujanec berichtet habe, veröffentlichte er ein Dementi, das Aussagen unterstellt, die ich nie gemacht habe. Diese Aussagen werden dann wiederlegt, um dich der "Lüge" zu überführen und zu diskreditieren. Letztendlich übernimmt auch ein in Deutschland ansässiges kroatischsprachiges Portal das alles in voller Länge. Letztlich und nach einem Hinweis, das könnte für sie justiziabel sein, löscht es den Text dann immerhin wieder.

Das Ende: Du machst natürlich weiter. Denn allein die Reaktionen des patriotischen Publikums zeigen, wie notwendig das ist.


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