Für alle, die Dogern nicht kennen, und das sind viele, sei darauf hingewiesen, dass das Dorf am Hochrhein bei Waldshut liegt, ganz im Süden Baden-Württembergs, und einmal für kurze Zeit berühmt geworden ist. Es war im September 1989, als der Bürgermeister beschlossen hatte, ein Recht auf Sonne einzuklagen. Sogar das "Time-Magazin" hat berichtet. Und das kam so: Genau gegenüber von Dogern, nur getrennt durch den Rhein, steht das Schweizer Atomkraftwerk Leibstadt. Unübersehbar ist sein 144 Meter hoher Kühlturm, der seine Dampffahnen Hunderte von Metern in den Himmel spuckt – und den 2.300 Einwohnern die Sonne klaut. Das macht er seit 1984.
Leider ist es damals nicht zu einem Prozess gekommen, womöglich auch dadurch bedingt, dass die Schweizer Seite eine Art Ablasszahlung, vor Ort "Schattengeld" genannt, in Aussicht stellte und bezahlte: 300.000 Franken einmalig. Immerhin hatte der Deutsche Wetterdienst in Offenbach gegutachtet, dass den Dogernern rund 100 Sonnenstunden im Jahr entgingen, was den Gärtnereien und dem Ruf des ziemlich idyllischen Gemeinwesens Schaden zufügen würde. In der alemannischen Heimatdichtung wird Dogern als Garten "am Rhy im Sunneschy" besungen.
Zugegeben, im Lichte des Klimawandels könnte sich die Thematik jetzt drehen – der Kühlwasserdampf kann einen gigantischen Schirm bilden –, aber selbst auf dem Tennisplatz sagen die Leute, am eigentlichen Problem der Atomkraft ändere sich nichts. Sie sagen das auch, weil sie neben Leibstadt nur ein paar Kilometer entfernt noch die Uralt-Meiler Beznau I (1969) und Beznau II (1971) vor der Nase haben, die immer mal wieder abgeschaltet werden müssen. Mal sind es angerostete Brennstäbe, mal defekte Stromleitungen, mal führt der Rhein wie derzeit zu wenig Wasser.
Wenigstens die Jodtabletten sind kostenlos
Was immer es ist, Umweltverbände wie der BUND ("Schrott-AKW") warnen regelmäßig davor, dass die Schweizer Reaktoren für Deutschland – für Baden-Württemberg sowieso – die "mit Abstand" gefährlichsten sind. Und die Eidgenossen versichern mit gleicher Regelmäßigkeit, dass ihre Nuklearanlagen sicher seien und verlängern ihre Laufzeiten. Außerdem bekommen die Anrainer Jodtabletten kostenlos.




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