Die alten Griech:innen haben ein Wort erfunden für die auf Hochmut, Realitätsverlust und Machtgier aufbauende grenzenlose Selbstüberschätzung von Regenten: die Hybris. Heißt: Lieber alles zerstören und töten, als miteinander zu reden und Kompromisse und Bündnisse auszuhandeln; lieber die anderen auslöschen, als Mitleid und Menschlichkeit zu zeigen oder gar Gnade – ob aus Rache, Machtgier, Bereicherung, Dummheit, Langeweile. Da hat sich bis in unsere Zeit nicht viel geändert. Das Patriarchat hat Bestand.
Ein Hybrist wie er im Buche steht – nämlich in Homers "Ilias" oder Aischylos' "Orestie" – war Priamos, König von Troja. Glaubte wirklich, die Griechen hätten ihm das große Holzpferd als Geschenk dagelassen. Der Rest ist Geschichte. Seine Tochter Kassandra hatte ihn lange schon vor der strategischen Intelligenz der Griechen gewarnt. Der trojanischen Prinzessin war wegen ihrer Schönheit von Gott Apollon die Gabe der Weissagung verliehen worden. Aber weil sie sich gegen seine sexuellen Übergriffe wehrte, belegte er sie mit einem Fluch: Niemand glaubte fortan ihren Prophezeiungen.




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