Mit einem besonderen Platzproblem kämpft die Berliner Staatsbibliothek: Sie bereitet die Grundinstandsetzung eines großen Bibliotheksgebäudes vor, das dafür geräumt werden muss. Generaldirektor Achim Bonte geht von einer Sanierungsdauer von zehn bis zwölf Jahren aus, "während dieser Zeit verlieren wir bis zu 70.000 Quadratmeter Nutzfläche." Das bedeutet unter anderem, dass viele Bücher zwischenzeitlich irgendwo anders unterkommen müssen, und nun sucht man hier und da je ein paar hundert Quadratmeter zusammen. Die Stabi, wie sie in Berlin genannt wird, verfügt über mehrere Gebäude, und in vier Kellerräumen verwahrt sie ihre Zettelkataloge auf. Diese wurden weitgehend digitalisiert und sollen nun eingestampft werden, um Platz zu schaffen. Allerdings hat sich darum ein Streit entzündet, sodass demnächst im Rahmen eines Symposiums geklärt werden soll, ob es Alternativen gibt.
Platzmangel und das Spiel der Institutionen
Die Platzfrage ist ein Problem wohl so ziemlich jeder Bibliothek. Schließlich müssen größere Bibliotheken mehrere Millionen Bücher unterbringen. Und die Leser dazu, denn nicht alle leihen Bücher nach Hause aus: Viele arbeiten lieber in der Bibliothek, etwa weil sie für die Uniprüfung so viele Bücher benötigen, dass sie die unmöglich schleppen können. Oder sie benötigen Bücher, die nicht entliehen werden dürfen. Oder fürchten ganz banal die Ablenkung zu Hause.
Die Universität Hohenheim hält 600 Arbeitsplätze vor: 289 in der Zentralbibliothek und 311 in der Bereichsbibliothek im Schloss, so Franziska Stanzel, Leiterin der Abteilung Benutzungsdienste & Stabsstelle Forschungsnahe Dienste. Die WLB hält 350 Plätze im Lesesaal vor und, so Schaab, ab 2029 werden weitere 350 dazukommen. "Aber ich weiß vom Zuspruch zu unserem Reservierungssystem, dass wir derzeit auch das Vierfache an Plätzen anbieten könnten und immer noch voll besetzt wären. Das sind Leute, die hier forschen und lernen und studieren wollen." Das Platzproblem sei derzeit besonders virulent, weil beide Bibliotheksgebäude der Universität Stuttgart sanierungsbedürftig seien und deswegen deutlich weniger Leseplätze anbieten könnten: derzeit 650 am Standort Vaihingen und 180 von eigentlich 650 am Standort Stadtmitte, plus weitere Plätze mit gegebenenfalls eingeschränkteren Öffnungszeiten in Fakultäts- und Institutsbibliotheken auf dem Campus, so Florian Krüger, Pressesprecher der Uni Stuttgart. "Wir helfen jedem, so gut wir können", sagt Schaab, "aber hierbei muss man das Spiel der Institutionen kennen: Wenn ich hier jetzt plötzlich alle Bücher herausräumen und stattdessen Tische aufstellen würde, dann bestünde die Gefahr, dass die beiden Standorte der Universitätsbibliothek erst viel später fertiggestellt würden."
Erwerbungsetat stagniert seit 1997
Die WLB habe nur die Mittel und den Versorgungsauftrag für die geisteswissenschaftlichen Fächer. Zudem gebe es viele andere Hochschulen und Akademien, die aufgrund ihrer kleinen Größe viel mehr als die Unibibliotheken auf die Landesbibliothek angewiesen seien. Ein Viertel der Leute mit Bibliotheksausweis sei jedoch berufstätig, ohne einer Hochschule oder Universität anzugehören, erklärt er: "Das ist ein großer Anteil, und das hat etwas mit der gewerblichen Struktur hier in Stuttgart zu tun." Unter den deutschen Großstädten habe Stuttgart den höchsten Anteil an Akademikern. "Hier gibt es einen starken Dienstleistungssektor. Außerdem macht der Südwesten nach dem Königsteiner Schlüssel zwar nur 13 Prozent der Republik aus, aber hier erscheint ein Viertel der Bücher in der Bundesrepublik."
Die WLB gibt im Jahr 1,4 Millionen Euro für Printprodukte aus, also Bücher und Zeitschriften, und 695.000 Euro für digitale Medien. Gezahlt wird das aus der öffentlichen Hand. Aber: "Der Erwerbungsetat der WLB ist seit dem Jahr 1997 nicht mehr gestiegen", sagt Rupert Schaab. Das erklärt er sich dadurch, "dass die Politik sagt: 'Wer weiß, wie lange wir noch Bibliotheken brauchen? Dann erhöhen wir den Etat lieber nicht.'"
Auch Preissteigerungen machen den wissenschaftlichen Bibliotheken zu schaffen: "Viele Wissenschaftsgesellschaften haben ihre Zeitschriften an große Verlage, inzwischen große Verlagskonzerne abgegeben. Damit haben sie auch das Publizieren aus der Hand gegeben. Und die Preissteigerungen dieser großen Verlagskonzerne sind gigantisch. Die fressen schlicht und ergreifend den Papierbücheretat auf." Viele Bibliotheken verbräuchten drei Viertel ihre Erwerbungsetats für die Lizensierung großer Verlagspakete, für "Deals" etwa mit Elsevier, Wiley und Springer Nature. Dann bekomme man freien Zugriff, müsse aber Publikationsgebühren zahlen, die für einen einzigen Artikel mehrere tausend Euro betragen könnten.
Das Kursangebot muss sich noch etablieren
In Bibliotheken geht es heutzutage aber nicht mehr nur ums Lesen. Die WLB wird immer mehr zum Kulturort. Wie andere Bibliotheken auch, so Christoph Hilgert, Pressesprecher der Hochschulrektorenkonferenz: "Wissenschaftliche Bibliotheken bieten im Rahmen ihrer Dienstleistungen als in der Regel öffentliche Bildungs- und Forschungseinrichtungen und als vielseitige Kulturorte regelmäßig auch Kurse und Vorträge an." Dabei gehe es keinesfalls nur um die rein bibliothekarische Beratung. Das sei kein neuer Trend, habe in den vergangenen Jahren aber sicherlich noch einmal an Bedeutung gewonnen.
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